SCHÜPFHEIM: Sportwagen aus dem Entlebuch

Es gab eine Zeit, da wurden im Entlebuch Autos hergestellt. Die Pionier-arbeit der Gebrüder Enzmann ist noch heute gefragt.

Thomas Heer
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Unterwegs im Enzmann-Sportwagen: Gestern trafen sich Nostalgiker in Schüpfheim für eine Ausfahrt. (Bild Roger Grütter)

Unterwegs im Enzmann-Sportwagen: Gestern trafen sich Nostalgiker in Schüpfheim für eine Ausfahrt. (Bild Roger Grütter)

Man stelle sich vor, heute käme einer auf die Idee, im Entlebuch eine Fabrik hinzustellen und von dort aus Automobile zu produzieren. Viele würden diesen Unternehmer für verrückt erklären. Von den Banken ganz zu schweigen, die um ein solches Projekt den grösstmöglichen Bogen machen dürften.

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurde anders gedacht. Mobilität bedeutete ein Stück Freiheit. Dem Pioniergeist standen weniger Schranken im Weg. Die Gunst jener Zeit nutzten auch die Brüder Enzmann aus Schüpfheim. Unter Federführung des Ältesten, dem heute 92-jährigen Emil, stellten die jungen Männer 1957 in den Räumlichkeiten des elterlichen Garagenbetriebs den ersten Prototyp her, den Sportwagen Enzmann 506.

Mit Porsche-Motoren ausgerüstet

Was nicht erstaunt: Die Entlebucher Autopioniere konnten es sich nicht leisten, vollberuflich in die PW-Produktion einzusteigen. Emil arbeitete als Arzt, Hans verdiente sein Geld als Nuklear-Ingenieur, und Ernst wollte sein Zahnarzt-Studium vorantreiben. Wirklich vom Fach war nur Eugen, der eine Ausbildung als Mechaniker durchlief.

Insgesamt verliessen rund 100 Fahrzeuge die Werkhalle, zuerst in Schüpfheim und später, als Ernst ins st. gallische Waldkirch dislozierte, in der Ostschweiz. Zurzeit werden die letzten vorbestellten Autos noch gebaut. Danach ist Schluss. Die Fahrzeuge erfüllen die Euro-5-Norm nicht mehr.

Die Oldtimer von Enzmann – auch nach heutigen Massstäben bemessen ein formschönes Fahrzeug – wurde nicht in allen Teilen selber gefertigt. So stammte das Chassis von VW, teils auch die Motoren. Als Motorenlieferant wurde zudem Porsche herangezogen.

Leichte Karosserie

Weil die Karosserie aus Kunststoff gefertigt ist, sind die Enzmann-Sportwagen sehr leicht, beschleunigen daher gut und verfügen dank tiefem Schwerpunkt über eine ausgezeichnete Strassenlage. Enzmann wusste auch mit Innovationen aufzuwarten. Für die Sicherheit von Fahrer und Passagier sind Beckengurten eingebaut, ein Aufprallschutz ist auf der Passagierseite montiert, und die Schalensitze konnten den anatomischen Eigenheiten des Besitzers angepasst werden.

Treffen in Schüpfheim

Gestern fanden sich in Schüpfheim 15 Enzmann-Sportwagen ein. Die erste Serie der Fahrzeuge kostete zwischen 9000 und 11 000 Franken. Josef Kuster aus Alpnachstad ist Präsident des Enzmann-Clubs, und er sagt: «Ein gut erhaltener Enzmann wird heute für bis zu 50 000 Franken gehandelt.»

Beim Treffen in Schüpfheim war auch der Einheimische Werner Emmenegger zugegen. Vor 17 Jahren erfüllte er sich einen lang gehegten Wunsch und erstand sich einen Enzmann, ein abgewracktes Modell für 8500 Franken. «Bis heute habe ich rund 55 000 Franken in das Fahrzeug investiert», erzählt er.

Reich sind die Enzmanns mit ihren Fahrzeugen nicht geworden. Hans Enzmann sagt: «Einnahmen und Ausgaben hielten sich in etwa immer die Waage.»

Hinweis:

Zurzeit realisiert der Luzerner Filmproduzent Jörg Huwyler zusammen mit dem Kameramann Stephan Läuppi einen 50-minütigen Dok-Film über die Autobauerfamilie Enzmann. Die Reportage wird im kommenden Spätherbst abgeschlossen und dann zum Beispiel am Automobilsalon in Genf zu sehen sein.