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SCHÜPFHEIM: Stiller Kraftort wird zur Baustelle

Der Altbau des Klosters wird renoviert, der Annex weicht einem modernen Holzbau. Die dafür notwendigen 4 Millionen Franken sind fast beisammen. Für einen Zustupf sorgen soll das Luzerner Fest.
Urs-Ueli Schorno
Lukas Fries mit seinen Zwillingstöchtern Salome (links) und Mirjam im Klosterhof. (Bild: Dominik Wunderli (Schüpfheim, 22. Juni 2017))

Lukas Fries mit seinen Zwillingstöchtern Salome (links) und Mirjam im Klosterhof. (Bild: Dominik Wunderli (Schüpfheim, 22. Juni 2017))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Diese Familie wohnt nicht in irgendeinem Haus in Schüpfheim. Mutter Sandra Schmid Fries, Vater Lukas Fries-Schmid und die Zwillinge Salome und Mirjam leben im Kloster. Gemeinsam mit drei weiteren Bewohnerinnen bilden sie die Kerngemeinschaft des Sunnehügel. Lukas Fries erklärt: «Unsere Grundidee ist eine Gemeinschaft, die Menschen in Krisensituationen Raum bietet, den klösterlichen Rhythmus mitzuleben – aber unter modernen Vorzeichen.»

Das Moderne an dieser selbstgewählten Lebensweise ist, dass Familien, Singles, Paare, aber auch Geistliche, das Kloster gemeinsam beleben. «Wir leben unsere Spiritualität, etwa im Gebet.» Im Sunnehügel pflegt man dabei freiere Formen und eine zeitgemässe Sprache. Auch gehen einige Bewohner einer geregelten Arbeit ausserhalb des Klosters nach – neben den Aufgaben vor Ort.

Mit einem klassischen Kloster verbindet die Gemeinschaft weiterhin ein wichtiges Gut – die Stille. «Sie wird auch von unseren Gästen gesucht und geschätzt.» Zur Gemeinschaft gehören nämlich auch Bewohner auf Zeit, die sich in Schüpfheim für eine Woche, einen Monat oder bis zu einem halben Jahr zurückziehen, in sich kehren oder neu ausrichten wollen. Bedingung für einen Aufenthalt: «Unsere Gäste sollen am Gemeinschaftsleben im Sunnehügel teilhaben.» Das kann im Garten sein, aber auch im Haus, den jeweiligen Fähigkeiten entsprechend.

Seit fünf Jahren wird Geld gesammelt

Zu diesem Alltag gehören in den kommenden Monaten auch Bagger und Bauarbeiter. Denn die Stille im Kloster wird temporär unterbrochen: Das Kloster Schüpfheim, das im 17. Jahrhundert erbaut wurde, sowie der Anbau aus den 1970er-Jahren werden nun saniert. «Seit rund fünf Jahren sammeln wir Geld, um die Sanierung umzusetzen», führt Lukas Fries aus. Doch was lange währt, wird endlich gut: Die notwendigen 4 Millionen Franken sind inzwischen fast beisammen. Rund 900000 Franken werden von Stiftungen, Kirchgemeinden und Privaten beigesteuert. Einen wesentlichen Teil trägt die Besitzerin des Klosters, die Stiftung Edith Maryon, bei. Für den fehlenden Viertel muss der Verein Sunnehügel einen Kredit in Anspruch nehmen. Auch ein Teil der Einnahmen des diesjährigen Luzerner Fests, das morgen Samstag stattfindet, wird dem Sunnehügel zugute kommen.

Das Geld wird zum einen eingesetzt, um den denkmalgeschützten Altbau sanft zu renovieren. «So werden etwa die oberen Zellen mit fliessend Wasser ausgestattet – bei aller Einfachheit wollen wir doch ein Mindestmass an Komfort bieten.» Zudem wird eine Brandmeldungsanlage installiert. Die Investitionen im Altbau betragen rund eine Million Franken.

2,4 Millionen Franken kostet es, den Anbau durch einen Holzbau zu ersetzen. «Man ist schnell übereingekommen, dass sich eine Renovation des bestehenden Anbaus nicht lohnt», sagt Fries. Gerade die Energiekosten sind dort nur mit sehr aufwendigen Massnahmen auf ein vernünftiges Mass zu senken. Die Raumaufteilung sei zudem suboptimal. Anstatt den historischen Stil zu kopieren, wie es damals gang und gäbe war, soll sich der Ersatzbau nun durch seine Holzkonstruktion vom Alten unterscheiden. Zur Sicherheit wird auch ein zweites Treppenhaus erstellt, das im Brandfall als Fluchtweg dienen wird. Der Anbau soll im Frühjahr 2018 bezugsbereit sein. Die Sanierung des ursprünglichen Klosters wird dann rechtzeitig zum 25-Jahr-Jubiläum des Sunnehügel im Herbst angestrebt. Weitere Sanierungsschritte, etwa der Gartenanlage und des klösterlichen Speisesaals, sind noch nicht terminiert.

Die Sanierung soll auch Lücken füllen

Dem Sanierungsunterfangen gab man den Namen «lückenfüllen». «Das ist zweideutig gemeint», führt Lukas Fries aus. «Einerseits füllen wir mit dem Projekt bestehende bauliche Lücken. Andererseits ist unsere Gemeinschaft auch eine Art Lückenfüller im Sozialnetz.» Damit meint er das Angebot, das die Gemeinschaft anbietet, welches sich zwischen Therapie, Auszeit und klinischen Aufenthalten ansiedelt.

Im Moment steht bei der Familie Fries und den Mitbewohnern also Zügeln an. Anfang Juli werden Mulden aufgestellt, und der Anbau wird geräumt. Der historische Gebäudeteil kann aber während der Bauphase bewohnt bleiben – der Gästebetrieb wird in der «lärmigeren» Phase unterbrochen: zunächst bis zum September dieses Jahres. In der ruhigeren Phase bis zum April 2018 gibt es dann noch einige Plätze. Die Wiedereröffnung erfolgt dann im Herbst 2018.

Am Samstag, dem 1. Juli, zwischen 14 und 17 Uhr lädt die Gemeinschaft Sunnehügel die Bevölkerung ein, sich in den Klosterräumlichkeiten über die Sanierung zu informieren. Am 7. August wird der erste Bagger auffahren.

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