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SCHÜPFHEIM: Streitfrage: Wie viel Platz braucht die Kleine Emme?

Am 4. März stellen die Schüpfheimer an der Urne die Weichen für die Entwicklung ihrer Gemeinde. Umstritten sind die Abstände von Bauten zu Gewässern – eine Holzbaufirma bangt deswegen um ihre Zukunft.
Evelyne Fischer
Die Tochterfirma Schibjavascript:li Holzbau der Firma Gawo Gasser an der Kleinen Emme in Schüpfheim. Das Bild entstand nach dem Unwetter 2016.

Die Tochterfirma Schibjavascript:li Holzbau der Firma Gawo Gasser an der Kleinen Emme in Schüpfheim. Das Bild entstand nach dem Unwetter 2016.

Sie enthält die Leitplanken für das künftige Erscheinungsbild der 4200-Einwohner-Gemeinde Schüpfheim: die Gesamtrevision der Nutzungsplanung, die am 4. März an die Urne kommt. Abgestimmt wird über den Zonenplan sowie das Bau- und Zonenreglement. «Ein grosses Gesamtpaket», sagt Geschäftsführer Martin Hug. «Wir präsentieren eine transparente, zukunftsgerichtete Lösung.»

Zu den grössten Veränderungen gehört die Einführung der Überbauungsziffer. Weiter will der Gemeinderat zwei Gebiete einzonen, um «die konstant hohe Nachfrage» nach Platz für Einfamilien- und kleine Mehrfamilienhäuser stillen zu können. Hug: «Momentan hat Schüpfheim keine einzige Bauparzelle auf dem Markt. Die nun einzuzonenden 7000 Quadratmeter sind ein Tropfen auf den heissen Stein.» Viele Schüpfheimer würden sich mehr Reserven wünschen: «Doch dem Gemeinderat sind mit dem neuen Raumplanungsgesetz die Hände gebunden.»

Grundstückbesitzerin sieht Firmenexistenz gefährdet

Nach wie vor sind zwei Einsprachen hängig: Die Fensterbauerin Gawo Gasser AG aus Wolhusen, Eigentümerin einer Parzelle an der Kleinen Emme, wehrt sich gegen den dort ausgeschiedenen Gewässerraum. Dieser Grünstreifen soll die natürlichen Funktionen eines Gewässers, den Hochwasserschutz und die Gewässernutzung gewährleisten.

Im vorliegenden Fall wollte die Gemeinde ursprünglich 48 Meter Gewässerraum ausscheiden. Die Dienststelle Raum und Wirtschaft erhöhte diesen Wert im Vorprüfungsbericht auf 61 Meter, die Gemeinde übernahm diese Vorgabe. Weder mit 48 noch 61 Metern einverstanden war aber die Gawo Gasser AG – und erhob Einsprache. Grund dafür sind 2,5 Millionen Franken schwere Ausbaupläne ihrer in Schüpfheim ansässigen Tochterfirma Schibi-Holzbau AG. «Die dortigen Produktionsanlagen sind alt und müssen erneuert werden», sagt Basil Gasser, Geschäftsführer der Gawo Gasser AG. «Wer langfristig rentabel bleiben will, muss automatisieren. Solche Einrichtungen aber brauchen Platz.» Dieser fehle mit dem jetzt vorgesehenen Grünstreifen. «Unsere Ausbaupläne – und damit auch Arbeitsplätze – sind bedroht.»

Bei Ja zur Einsprache geht ganze Vorlage bachab

Als Kompromiss schlug die Gemeinde 55 statt 61 Meter vor – denn sofern der Schutz vor Hochwasser gewährleistet ist, besteht in dicht überbautem Gebiet Spielraum. Gasser schätzt dieses Entgegenkommen, sagt aber dennoch: «Unsere Firma soll gleich behandelt werden wie die Nachbarn, deren Gebäude ebenfalls fast bis ans Ufer reichen.»

Martin Hug, Geschäftsführer der Gemeinde, sagt: «Wir haben einen moderaten Kompromiss zwischen gesetzlicher Vorgabe und Pragmatismus erarbeitet. Für einen kleineren Gewässerraum bräuchte es eine Ausnahmebewilligung des Kantons, eine solche scheint wenig aussichtsreich.» Die Gemeinde beantragt die Abweisung der Einsprache. Wer diese trotzdem gutheissen will, muss die ganze Vorlage ablehnen. «Ein Klumpenrisiko», sagt Hug. «Dessen sind wir uns bewusst.»

Wird die Einsprache abgewiesen, will die Gawo Gasser AG prüfen, ob sich durch Plananpassungen doch noch ein bewilligungsfähiges Projekt realisieren liesse. Falls dies misslingt, könnte allenfalls eine Entschädigungsforderung zum Thema werden – wegen Wertverminderung. Klar ist: Selbst wenn das Projekt angepasst würde, ist mit einem Verzug von einem Jahr zu rechnen, da die Arbeiten über die Sommermonate ausgeführt werden müssen.

WWF kämpft für grössere Gewässerabstände

Während die Gawo Gasser AG moniert, die Gemeinde scheide zu viel Raum für Gewässer aus, verhält es sich in der zweiten hängigen Einsprache der Naturschutzorganisation WWF genau umgekehrt. «Es fällt auf, dass bei vielen geplanten Gewässerräumen die kantonalen Vorschläge aus dem Bau- und Wirtschaftsdepartement reduziert worden sind», schreibt WWF. Auf Anfrage erklärt Marc Germann: «Die Gemeinde stellt quasi das ganze Dorf entlang der Kleinen Emme als ‹dicht überbaut› dar, was zum einen der Realität widerspricht und zum anderen gemäss der rechtlichen Vorgaben nicht haltbar ist.» So würden etwa Industrieflächen ohne Bauten oder auch periphere Bauzonen als «dicht überbaut» bezeichnet. Germann: «Wir befürchten hier auch eine Art ‹Präjudizwirkung› bei Nutzungsplanrevisionen in anderen Luzerner Gemeinden.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

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