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SCHÜPFHEIM: «Wir bieten Hilfe zur Selbsthilfe»

Jugendarbeiter Philipp Muff erhält den Anerkennungspreis der Gemeinde. Er musste gut überlegen, ob er die Auszeichnung annehmen will.
Cyril Aregger
Philipp Muff (33) im Jugendbüro von Schüpfheim. Seit acht Jahren engagiert er sich als Jugendarbeiter in der Entlebucher Gemeinde. (Bild Nadia Schärli)

Philipp Muff (33) im Jugendbüro von Schüpfheim. Seit acht Jahren engagiert er sich als Jugendarbeiter in der Entlebucher Gemeinde. (Bild Nadia Schärli)

Cyril Aregger

«Ich stehe gerne im Hintergrund», stellt Philipp Muff gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Und auch im weiteren Verlauf der Unterhaltung zeigt sich, dass der 33-jährige Jugendarbeiter nicht viel Aufheben um seine Person machen will. Geht es um seine Tätigkeit in Schüpfheim und Flühli, verwendet er kaum die Worte «ich» oder «der Jugendarbeiter». Er bleibt beim Grundsätzlichen, «der Jugendarbeit». Als ihm zugetragen wurde, dass er den diesjährigen Schüpfer Anerkennungspreis, dotiert mit 1000 Franken, erhalten soll, musste er deshalb kurz überlegen. «Ich habe dann zugesagt. Einerseits, weil ich darin eine Chance sehe, für die Jugendarbeit in ländlichen Gebieten zu werben. Und vor allem, weil die Nomination vom Begleitteam, also jungen Erwachsenen selbst, gekommen ist.»

Das Private ist wichtig

Seit genau acht Jahren ist Muff Jugendarbeiter in Schüpfheim – seit 2012 auch in Flühli. Er stammt aus Grosswangen, wo er auch heute noch mit seiner Frau lebt. «Uns gefallen Schüpfheim und Flühli sehr gut, und wir haben uns auch überlegt, hierherzuziehen», sagt Muff. «Aber Jugendarbeiter ist man 24 Stunden am Tag. Und diese Distanz hilft, auch einmal abschalten zu können. Das Private darf nicht zu kurz kommen.» Abschalten kann er beispielsweise auf Biketouren, auf der Skipiste, im Garten – und regelmässig auch an Rockkonzerten. «Die Musik ist meine zweite Leidenschaft», sagt der Coldplay-Fan. «Deshalb machte ich zuerst auch eine Ausbildung als Detailhandelskaufmann bei Musik Hug in Luzern.» Doch als sich abzeichnete, dass die Musikbranche in immer grössere Schwierigkeiten geraten würde, wandte er sich einer neuen Herausforderung zu.

Gelerntes direkt anwenden

An der Höheren Fachschule für Sozialpädagogik Luzern studierte er die Vertiefung Jugendarbeit. Berufsbegleitend, denn zugleich trat er 2008 die Stelle als Jugendarbeiter in Schüpfheim an. «Die Theorie, das Hintergrundwissen ist bei der Jugendarbeit sehr wichtig», sagt Muff. «Aber mir war klar, dass ich dieses Wissen gleich in der Praxis anwenden möchte. Deshalb wollte ich berufsbegleitend studieren. Ich hatte dabei auch das Glück, dass ich mit Christian Wandeler, dem Leiter der FCL-Fanarbeit, einen tollen Praxisausbildner zur Seite hatte.»

Muff spricht schnell und gleichwohl überlegt. So richtig in Fahrt kommt er, wenn sich das Gespräch um die Jugendlichen und die Jugendarbeit dreht. In seinen acht Jahren im Entlebuch hat Muff einiges bewegt: Neben den Jugendtreffs in Schüpfheim und Flühli gibt es die Jugendbüros (eine niederschwellige Anlaufstelle für Jugendliche zwischen 12 und 20 Jahren), die Schüpfheimer Jugendkulturtage wurden weiter etabliert, und auch die kirchliche Jugendarbeit wurde 2014 in das Angebot integriert.

Ja nichts selber organisieren

Er habe die Jugendarbeit wieder ins rechte Licht gerückt, heisst es im Nominationsschreiben. Das Lob macht Muff etwas verlegen. Es käme ihm nicht in den Sinn, diesen Erfolg für sich zu beanspruchen. Es seien die Jugendlichen, die bei all diesen Aufgabenfeldern den Anstoss gegeben hätten, betont er. «Wir bieten den Jugendlichen lediglich Hilfe zur Selbsthilfe. Es wäre falsch, wenn die Jugendarbeit etwas selber organisieren würde. Die Ideen, Projekte und deren Umsetzung müssen von den Jugendlichen selber kommen.» Nur so könne es funktionieren, nur so würden Jugendliche über Alters-, Bildungs- und Kulturgrenzen hinweg zusammenspannen, und nur so würden Projekte bis zum Ende durchgezogen und blieben am Leben. Die Palette ist so vielfältig wie die Jugend selbst: Es gibt Cocktailkurse (alkoholfrei), «Ächt Entlebuch»-Abende, Anlässe, wo gemeinsam Pizza gebacken wird, Fackelwanderungen oder Partys jeglicher Couleur. «Es ist toll, was sie alles auf die Beine stellen», sagt Muff mit leuchtenden Augen. «Das Team des Jugendtreffs Shelby in Schüpfheim zählt beispielsweise über 40 Jugendliche, die den Laden schmeissen, den sie in Eigenregie saniert haben.» Jugendliche aus Flühli haben von sich aus einen Senioren-Jass-nachmittag ins Leben gerufen. «Viele Jugendliche gehen dorthin, jassen und diskutieren mit den Senioren, sorgen auch für musikalische Unterhaltung. Ich glaube, seit ich in Schüpfheim bin, gab es noch kein Projekt, das abgeblasen wurde – auch wenn das durchaus legitim wäre», sagt Muff. «Aber wenn die Jugendlichen hier zu etwas Ja sagen, dann ziehen sie das auch durch. Das ist wohl auch eine typische Entlebucher Tugend.»

Das Team als Stütze

Philipp Muff ist kein Einzelkämpfer. Sieben Erwachsene zwischen 18 und 48 Jahren aus Schüpfheim und Flühli bilden ein Begleitteam, das an Anlässen präsent ist und die vor Ort als Ansprechpartner und Helfer dienen. «Dieses Team ist sehr wichtig, weil ich in diesem räumlich grossen Gebiet nicht überall sein kann», betont Muff. «Vor allem aber auch, weil die Teammitglieder neue Ansichten und Ideen einbringen können – gerade weil sie nicht ausgebildete Jugendarbeiter sind.»

Grosse Veränderung

Philipp Muff lebt für die Jugendarbeit. Er wünscht sich ein jugendpolitisches Gremium, eine noch stärkere Vernetzung zwischen den Jugendlichen in Schüpfheim und Flühli, und er hofft, dass sich die Gruppe formieren kann, die gesellschaftliche Events für 16- bis 23-Jährige veranstalten will. Und weiter? «Man muss in dieser Arbeit flexibel und spontan sein», sagt Muff. «Ich würde gerne noch einige Jahre hier arbeiten. Aber irgendwann ist Schluss. Ich glaube, dass man sicher bis Mitte 40 Jugendarbeiter sein kann. Danach wird die Entfernung zur eigenen Jugend wohl zu gross.» Wenn die Zeit gekommen sei, werde er sich nach einer anderen Beschäftigung im Sozialbereich umsehen. Eine grosse und spannende Veränderung steht aber schon viel früher an: Im August wird Philipp Muff erstmals Vater.

Hinweis

Weitere Informationen zur Jugendarbeit Schüpfheim-Flühli-Sörenberg finden Sie unter www.jugendarbeit-sfs.ch

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