SCHÜÜR: Polo über Tantiemen und «allerletzte Konzerte»

Polo Hofer (70) kommt mit seiner Band doch noch einmal nach Luzern. Im Interview erzählt er, wieso er es nicht lassen kann.

Interview Hugo Bischof
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Polo Hofer bei seinem Auftritt am diesjährigen Gurtenfestival. (Bild: EPA)

Polo Hofer bei seinem Auftritt am diesjährigen Gurtenfestival. (Bild: EPA)

Polo Hofer, du kommst mit deiner Band überraschend für ein weiteres «allerletztes» Konzert am 17. September nach Luzern in die «Schüür» – allen Rücktrittsankündigungen zum Trotz. Was ist der Grund für den Sinneswandel?

Polo Hofer*: Die überwältigende Nachfrage. Die war so gross, dass ich einfach nicht Nein sagen konnte. Die Konzerte meiner derzeit laufenden «Ändspurt»-Tour sind alle ausverkauft. Ich trete auch an Festivals und so auf. Tatsache ist: Ich zahle zurzeit mehr AHV, als ich erhalte.

Schön für dich, dass es gut läuft. Dennoch: Am 3. November 2014 sagtest du im Interview mit unserer Zeitung, du würdest mit deiner jetzigen Band noch bis Ende April 2015 touren, dann sei definitiv Schluss. Hand aufs Herz: Kann man deine Rücktrittsankündigungen noch ernst nehmen?

Polo: Das ist mir völlig egal, solange die Leute an meine Konzerte kommen. Aber ich bleibe dabei: Konzerte mit meiner jetzigen Band gibt es künftig keine mehr. Ich bin müde und will auch nicht mehr die Verantwortung für ein halbes Dutzend Leute tragen. Am 3. Oktober geben wir unser letztes Konzert in der «Mühle» Bern.

Wie reagierten deine Bandmitglieder?

Polo: Sie waren schon etwas traurig, als ich ihnen das sagte. Zwei haben spontan beschlossen auszuwandern. Dass ich selber nie mehr auftreten werde, habe ich aber nie gesagt. Ab und zu Einzelauftritte auf Einladung wird es sicher weiter geben.

Bob Dylan ist seit 1988 auf seiner Abschiedstournee, die er Endless Tour nennt. Willst du es ihm gleichtun?

Polo: Bob Dylan kann nicht anders. Er ist auf der Flucht. Er kann ja nirgendwo sein, ohne dass die Leute sich auf ihn stürzen. Vielleicht kann er auch nichts anderes, als auf die Bühne zu gehen. Es gibt den Typ Rampensau, bühnengeil. Wie zum Beispiel auch Charles Aznavour, der mit 90 noch Konzerte gab.

Und so ein Typ bist du nicht?

Polo: Nein. Überhaupt nicht. Ich mache lange Pausen zwischen den Tourneen.

Nicht dass wir uns nicht freuen, dich noch immer live hören zu dürfen. Aber nochmals: Deine Rücktrittsgedanken entwickeln sich langsam zum «Running Gag». Auch im «Stadtkeller» Luzern hast du diverse Male dein letztes Konzert angekündigt und kamst dann doch immer wieder. Insgesamt 178 Mal bist du dort aufgetreten.

Polo: (schmunzelt) Die konnten mich immer wieder überreden. Die Betreuung dort ist auch super. Und ich habe im «Stadtkeller» viel Interessantes erlebt. Man lernt viele Leute kennen – auch Damen ...

... aha. Luzernerinnen?

Hofer: Ich habe die doch nicht immer gleich als Erstes gefragt: «Woher kommt ihr?» Übrigens habe ich an der Luzerner Fasnacht auch viele Guuggenmusigen kennen gelernt. Mit einer Ruswiler Guug­genmusig habe ich sogar eine CD aufgenommen: «Am 11. 11. ab 11i».

Wird es auch künftig neue Lieder von dir geben? Auch ein neues Album?

Polo: Bis zu meinem Auftritt in der Luzerner Schüür im September wird meine «Ändspurt»-CD vorliegen – sie ist zu drei Vierteln fertig. Ich werde sicher weiter Lieder schreiben, auch für andere Leute. Ich werde häufig angefragt von anderen Musikern. Das letzte Lied, das ich schrieb, ist der «Schurni-Blues» – im Auftrag des Swiss Press Award diesen April. Darin beschreibe ich das Elend des heutigen Journalismus. Eure Zeitung war zu diesem Anlass auch eingeladen, hat aber leider durch Abwesenheit geglänzt.

Du sagtest kürzlich, du würdest künftig wieder vermehrt in deinem erlenten Beruf als Handlithograf tätig sein. Hast du überhaupt Zeit dafür?

Polo: Ich werde das nicht im ursprünglichen Sinn machen, so richtig mit Stein Ich werde malen und zeichnen. Es wird im August 2016 im Kornhaus Bern eine Ausstellung mit malenden Zeichnern geben. Die Planung läuft. Da werden auch andere malende Musiker und Schauspieler mitmachen: zum Beispiel Udo Lindenberg, Helge Schneider, Armin Müller-Stahl und Büne Huber.

Und was ist mit der Ausstellung in unserer Region, die du im Interview mit unserer Zeitung im November 2014 angekündigt hast? Wo und wann findet diese nun statt?

Polo: Der Luzerner Künstler Wetz hat mich angefragt, etwas mit ihm zu machen. Ich habe jetzt aber längere Zeit nichts mehr von ihm gehört. Wetz ist ein toller, interessanter Typ, mit dem ich gerne etwas machen würde.

Eine andere Berner Mundart-Band sorgt gegenwärtig für Furore. Was hältst du von Lo & Leduc? Kennt du die beiden?

Polo: Ich habe Lo & Leduc erst einmal live gehört – während sechs Minuten. Ich habe kein einziges Wort verstanden. Ihr Gesang geht im Sound völlig unter, das ist das Problem. Mir gefällt der Lo & Leduc-Sound nicht so gut. Ich komme von der Melodie und von der Komposition her. Lo & Leduc machen Rap, das ist nicht meine Welt. Die jungen Rapper heute vergessen auch, dass man ihre Lieder nicht covern kann.

Das ist bei deinen Liedern anders. Wie häufig ist «Kiosk» gecovert worden?

Polo: Sehr häufig. Auf Steirisch, Zillertalerisch, sogar auf Hochdeutsch (lacht). Das ist natürlich auch urheberrechtlich relevant.

Willst du damit sagen, dass du mit Cover-Versionen deiner alten Hits viel Geld verdienst?

Polo: Da kommt schon etwas rein. Auch der «Teddybär» wurde häufig gecovert, etwa von Plüsch. Die Wiesenberger haben «Blueme» gecovert. Ich erhalte auch aktuell viele Anfragen – von Jodlerclubs, Chören undsoweiter. Auf Youtube gibt es eine interessante Version der Stromstoss-Örgeler meines Songs «Sommer 68».

Dann ist also anzunehmen, dass du auch weiterhin mehr AHV-Beiträge einzahlen wirst, als du AHV-Leistungen erhältst?

Polo: Es wird mit der Zeit schon abnehmen. Ich werde ja weniger selber auftreten. Aber ich hoffe natürlich schon, dass meine Songs weiterhin gespielt werden.

Hinweis

* Der heute 70-jährige Polo Hofer gilt mit seiner früheren Band Rumpelstilz als Erfinder des Schweizer Mundart-Rocks. Polo Hofer & die Band treten am 17. September um 19.30 Uhr in der Luzerner Schüür auf. www.schuur.ch