SCHULE: «Franz»: Daran scheitern Schüler

Die Französischkenntnisse hiesiger Schüler sind mangelhaft, wie eine Studie aufzeigt. Doch die Untersuchung hat ihre Mängel.

Matthias Stadler
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Französisch bereitet vielen Schülern grosse Mühe. Im Bild der Französischunterricht einer Klasse im Kanton Luzern. (Bild Pius Amrein)

Französisch bereitet vielen Schülern grosse Mühe. Im Bild der Französischunterricht einer Klasse im Kanton Luzern. (Bild Pius Amrein)

Sind Sie in der Lage, auf Französisch ein SMS zu schreiben, um einer Freundin mitzuteilen, dass Sie den mit ihr geplanten Termin um eine Stunde verschieben müssen? Und können Sie dieser Freundin dann auch noch den Weg zu sich nach Hause beschreiben? «Mais bien sûr», mögen sich einige jetzt sagen. Aber wenn Sie damit Mühe haben, sind Sie nicht allein. Denn die meisten Zentralschweizer Schüler der 8. Klasse tun sich schwer mit einer solchen Aufgabe und somit auch mit der Sprache Voltaires (Ausgabe vom 19. März).

Eine von der Zentralschweizer Bildungsdirektoren-Konferenz in Auftrag gegebene Studie hat gezeigt, dass nur 37 Prozent der Achtklässler die Schreib-Lernziele im Französischunterricht erreichen. Noch deutlicher ist das Resultat bei den anderen Fähigkeiten. Nur 31 Prozent der Schüler haben ausreichende Lesefähigkeiten. Nicht einmal jeder zehnte Schüler erreicht die Ziele beim Hörverständnis. Und gerade einmal jeder Dreissigste kann gemäss Lehrplanvorgaben Französisch sprechen.

Alltagsgespräche führen

Doch was müssen die Schüler überhaupt können? Am Ende des neunten Schuljahres sollten die Schüler ein oberes A2-Französischniveau haben, wie Studienautorin Elisabeth Peyer erklärt. «Für die mündlichen Fähigkeiten heisst das, kleinere Alltagsgespräche führen zu können – zum Beispiel mit einem Freund in der Romandie ein Treffen abmachen oder einen Wegbeschrieb geben können.» Für die schriftliche Sprache sollte eine Einladung verschickt oder es sollten einfache Sachverhalte beschrieben werden können. Zum Vergleich: Das Niveau A1 bedeutet Anfänger. Nach A2 kommen B1 und B2, danach folgen C1 und C2. Wobei Letzteres die höchste Stufe abbildet und exzellente Sprachkenntnisse auszeichnet.

Übungsanlage «nicht ideal»

Doch wie repräsentativ sind die Ergebnisse? Die Studie, welche am Institut für Mehrsprachigkeit der Universität und der Pädagogischen Hochschule Freiburg durchgeführt wurde, hat Schüler zweier Stufen untersucht: Sechst- und Achtklässler. Letztere wurden dabei nach den Lernzielen der 9. Klasse beurteilt. Sie hätten also noch ein Jahr Zeit, um die Ziele zu erreichen. Elisabeth Peyer sagt auf Anfrage, dass «es natürlich idealer gewesen wäre, wenn Lehrplanziele für die 8. Klasse vorgelegen hätten». Allerdings gebe es beim Französisch-Lehrplan keine Lernziele für die 8. Klasse, sondern nur für die neunte. In verschiedenen Zentralschweizer Kantonen können die Schüler in der 9. Klasse zudem eine Fremdsprache abwählen. Um möglichst alle Schüler testen zu können, hat man deshalb am Ende der 8. Klasse getestet, führt Peyer aus. Zudem sei die Motivation der Schüler in der 9. Klasse oft für alle Fächer um einiges tiefer als in der 8. Klasse, da viele bereits über eine Lehrstelle verfügten und somit der Einsatz für die Schule nachlassen könne.

«Es wäre schön, wenn man in der 9. Klasse testen könnte oder wenn es Lernziele für die 8. Klasse geben würde», fügt Peyer an. Trotzdem würden die Autoren für diese Stufe nicht grundsätzlich andere Ergebnisse erwarten. Denn die Experten zweifeln daran, dass die Schüler die massiven Defizite im mündlichen Bereich, die sie in der 8. Klasse aufweisen, innerhalb eines Jahres wettmachen können.

Matthias Stadler

Französischkenntnisse: Ähnliche Aufgaben, wie sie die Schüler lösen mussten, finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bonus

So wurden die Schüler getestet

Beim schriftlichen Teil des Tests wurde, wie eingangs beschrieben, mittels Aufgaben getestet, wie zum Beispiel ein SMS an einen welschen Freund schreiben und einen Termin verschieben. Beim Textverständnis wurden verschiedene kleine Texte aufgelistet, die die Schüler verstehen mussten. Beim Hörverständnis wurden den Schülern Gespräche vorgespielt, aus welchen sie Aussagen für richtig und falsch befinden mussten.

Computerbasierte Sprechtests

Für die Erfassung der mündlichen Leistungen wurden laut dem Bericht computerbasierte Sprechtests entwickelt. Der mündliche Test bestand aus zwei Teilen. In einem ersten Teil sollten die Schüler mit einem Französisch sprechenden Jungen interagieren, der auf einem Bildschirm erschien. Die Schüler mussten mittels Steckbrief einfache Fragen zu sich selbst und ihrer Familie beantworten und selbst einige wenige Fragen stellen. Im zweiten Teil des mündlichen Tests wurden den Schülern zwei Bilder gezeigt, auf denen jeweils Personen in verschiedenen Alltagssituationen abgebildet waren, wie zum Beispiel eine Szene auf dem Markt. Die Schüler sollten beschreiben, was auf dem Bild passiert.