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SCHULE: Luzerns Gräben in der Bildungslandschaft

Wird die Landschaft abgehängt? Werden reiche Kinder bevorteilt und Kinder von Ausländern benachteiligt? Der neue Bildungsbericht wirft brisante Fragen auf.
Ismail Osman
Blick in die Kantonsschule Alpenquai in Luzern.Bild: Pius Amrein (Luzern, 22. August 2016)

Blick in die Kantonsschule Alpenquai in Luzern.Bild: Pius Amrein (Luzern, 22. August 2016)

Der Kanton Luzern ist in vielen Belangen von seinen regionalen Unterschieden geprägt – die mediterranen Palmen von Weggis werden beispielsweise durch die rauen Felsplatten der Schrattenfluh im Entlebuch kontrastiert. Aber auch bei Themen wie Wirtschaft, Verkehr oder Bildung bestehen grosse regionale Unterschiede. Letzteres wird im kürzlich vorgestellten Bildungsbericht deutlich vor Augen geführt. Besonders klar wird dies mit Blick auf die Übertrittsquoten an die Langzeitgymnasien und in die Sekundarschulniveaus A und B.

Gemäss den im Bildungsbericht enthaltenen Erhebungen von Lustat Statistik Luzern treten Schüler aus den Regionen Sursee/Sempachersee sowie Luzern und Agglomeration deutlich häufiger ins Langzeitgymnasium über als solche aus den Regionen Entlebuch und Willisau. Einzelne Gemeinden dieser Regionen verzeichneten im letzten Schuljahr keinen einzigen Übertritt an ein Langzeitgymnasium. Wie ist das möglich?

Geografie spielt zentrale Rolle

Ein wesentlicher Faktor, der hier wirkt, ist der geografische Standort der Gymnasien. Der Wahlkreis Entlebuch verfügt beispielsweise lediglich über ein Kurzzeitgymnasium in Schüpfheim. Daraus darf man jedoch nicht schliessen, dass Regionen wie das Entlebuch bildungstechnisch abgehängt werden, denn die Erhebungen von Lustat zeigen auch: Viele Gemeinden mit unterdurchschnittlichen Zugängen ins Langzeitgymnasium weisen überdurchschnittliche Eintrittsquoten in die Sekundarschule Niveau A/B aus.

Schüler, die nach der Primarschule auf der Sekundarstufe in das Niveau A eintreten, haben die Möglichkeit, nach dem zweiten oder dritten Sekundarschuljahr ins Kurzzeitgymnasium zu wechseln. Zu bedenken gilt es auch, dass Schüler, die beim Besuch des Langzeitgymnasiums einen langen Schulweg auf sich nehmen müssten, auf diesem Weg den Eintritt ins Gymi zeitlich aufschieben können.

Beachtenswert ist jedoch auch die Erkenntnis, dass die Übertrittsquote an Langzeitgymnasien auch direkt mit persönlichem Wohlstand zusammenzuhängen scheint. So beträgt die Übertrittsquote in der Gemeinde Meggen 25,9 Prozent, während der kantonale Durchschnitt bei 17 Prozent liegt. In der Gemeinde Eich liegt die Übertrittsquote gar bei 37 Prozent.

Ist es tatsächlich so: Kinder aus wohlhabenden Gemeinden dürfen mit teilweise über doppelter Wahrscheinlichkeit ein Langzeitgymnasium besuchen? «Das ist ein Phänomen, das wir überall in der Schweiz haben», sagt Bildungsdirektor Reto Wyss. «Der sozioökonomische Status der Familien und die Herkunft hinterlässt Spuren; auch in der Bildung der Kinder.» Reiche Gemeinden weisen oft einen hohen Anteil an gut qualifizierten Eltern aus – dass deren Kinder dann eine Sek. A oder ein Gymnasium besuchen, sei entsprechend wahrscheinlicher. Dies auch, weil gut situierte Familien eher in der Lage seien, allfällige Defizite der Schüler über privat finanzierte Fördermassnahmen auf­zuholen.

Gemeinden wie Eich, Meggen oder Sempach, die bemerkenswert viele Kinder an die Kanti schicken, unterscheiden sich noch in einem anderen Punkt von Gemeinden, die dies nicht tun: Sie haben wenig Kinder ausländischer Familien an ihren Primarschulen. Wie Lustat feststellt, liegen in Gemeinden mit einem Ausländeranteil von über 20 Prozent die Eintrittsquoten ins Langzeitgymnasium und in die Sek. A/B deutlich unter dem Durchschnitt. Lustat kommt in seinem Bericht zum Schluss, dass solche kommunalen Unterschiede auf «ungleiche Zugangschancen zu den leistungsstarken Schultypen» hinweise. «Ja und Nein», sagt Bildungsdirektor Wyss. «Ja, im Sinne, dass in Schulen Ungleichheiten entstehen können. Man spricht hier von sogenannten Sekundäreffekten: obwohl leistungsmässig gleich, kommt es vor, dass Kinder aus gut gestellten Verhältnissen ein höheres Bildungsangebot besuchen als Kinder aus einfachen Verhältnissen.» Er stützt sich dabei auf Befunde des Bildungsberichts des Bundes von 2014. «Mir ist es ein Anliegen, dass hier Lehrpersonen und Eltern auf diesen Umstand sensibilisiert werden.» Ein Übertrittsverfahren, das die Lernergebnisse mehrerer Semester berücksichtigt, korrigiere solche Ungleichheiten.

«Immer ungleiche Startsituationen»

Wyss hält aber auch fest, dass Personen immer ungleiche Startsituationen hätten: «Der Staat ist bemüht, diese unterschiedlichen Startbedingungen zu korrigieren. Trotz der erreichten wesentlichen Verbesserungen ist eine Elimination der Herkunftsvoraussetzungen weiter wünschenswert.» Es müsse deshalb ein Anliegen sein, dass die öffentlichen und kostenlosen Schulen stark blieben. So hätten auch Kinder aus bildungsfernen Schichten Zugang zu einer guten Bildung. «Die Schweiz ist da vorbildlich. Ich verweise auf die tiefe Privatschulquote», sagt Wyss. Denn eines will man in Luzern – bei aller regionalen Diversität – vermeiden: «Wir wollen bei der Bildung keine amerikanischen Verhältnisse.»

Bleibt die Frage, was das kantonale Bildungswesen gegen die offensichtlich noch bestehenden Ungleichheiten tun kann. Gemäss Wyss werden solche Un­terschiede – zumindest teilweise – heute bereits systembedingt aufgehoben: «Die wirksamste Form ist, dass wir ein durchlässiges Bildungssystem haben müssen.» Dies sei in den letzten Jahren mit Erfolg umgesetzt worden. «Wer eine Sek. C besucht und später den Knopf aufmacht, hat gute Chancen auf eine erfolgreiche Laufbahn. Früher gab es diese Durchlässigkeit nicht.» Wyss sieht dies gerade auch mit Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund zutreffend: «Es gibt beispielsweise Jugendliche mit Migrationshintergrund, die für eine Berufsmatura gewonnen werden können. Eine weitere Bestrebung war der nun eingeführte zweijährige Kindergarten, so können Sprachdefizite aufgeholt werden.»

Ismail Osman

Bild: Grafik: LZ / Quelle Lustat

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Bild: Grafik: LZ / Quelle Lustat

Bild: Grafik: LZ / Quelle Lustat

Bild: Grafik: LZ / Quelle Lustat

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