SCHULE: Primarlehrer sollen alles können

Mehr Generalisten, weniger Fachlehrer. Das fordert ein SVP-Postulat. Welche Aus­wirkungen dies für die Luzerner Schulen hätte, ist unklar.

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«Den Schülern gehen die konkreten Bezugspersonen verloren», so Willi Knecht, SVP-Kantonsrat aus Geiss. (Bild: pd)

«Den Schülern gehen die konkreten Bezugspersonen verloren», so Willi Knecht, SVP-Kantonsrat aus Geiss. (Bild: pd)

Es liegt in der Natur der Sache, dass sich die Schule konstant im Wandel befindet. In welche Richtung dieser Wandel die Schule führt, darüber wird freilich konstant und intensiv diskutiert. Harmonisierung des Unterrichtsstoffes, Lehrplan 21 oder die Anzahl Fremdsprachen auf der Primarstufe sind nur einige der aktuellen Themen.

Ein Postulat von Kantonsrat Willi Knecht (SVP, Geiss) wirft nun eine weitere wichtige Frage auf: Was genau müssen Luzerner Lehrerinnen und Lehrer alles können?

Willi Knecht und seine über 30 Mitunterzeichner aus den Reihen der SVP, CVP und FDP finden: alles, was in der Ausbildung angeboten wird.

«Zu viele Absprachen nötig»

Konkret fordert das Postulat die Regierung auf, sich bei der Pädagogischen Hochschule (PH Luzern) wie folgt einzusetzen: Die Ausbildung für die Primarstufe (1. bis 6. Klasse) befähigt zum Unterricht aller Fächer und aller Bereiche. Abgänger der PH Luzern sind heute maximal in sieben von neun Primarschulfächern unterrichtsberechtigt (siehe Kasten).

«Es gibt je länger, je mehr Fachlehrer mit Kleinpensen, dafür gehen den Schülern die konkreten Bezugspersonen verloren», argumentiert Postulant Knecht. «Ich bin in unserer Gemeinde selbst Mitglied der Schulpflege und verfolge diese Entwicklung schon länger.» Dies erschwere auch den administrativen Bereich der Schulen, sagt Knecht: «Die nötigen Absprachen zwischen Lehrpersonen, der Schulleitung und den Eltern werden so immer zeitintensiver und sind somit letztlich auch ein Kostenfaktor.» Das Postulat argumentiert, dass die geforderte Allrounder-Ausbildung das Klassenlehrerprinzip fördere und somit auch mehr Ruhe ins Schulzimmer bringe. «Klassenlehrer haben schlicht mehr Zeit für die individuelle Betreuung ihrer Schüler», sagt Knecht.

Hochschule schweigt, vorerst

Die PH Luzern äussert sich derzeit nicht öffentlich zu diesem Thema, wie es auf Anfrage heisst. Grund dafür sei, dass das Bildungs- und Kulturdepartement die PH in Bezug auf den Inhalt des Postulates zu einer Stellungnahme aufgefordert habe. Solange diese nicht ausgearbeitet sei, könne man auch nicht öffentlich Stellung beziehen.

Zug macht es vor

In der jüngeren Vergangenheit hat sich PH-Rektor Hansrudolf Schärer dem Allrounder-Modell gegenüber allerdings durchaus kritisch geäussert: Vergangenen Oktober wurde bekannt, dass die PH Zug künftig genau das umsetzt, was nun auch in Luzern gefordert wird. Gegenüber dem «Regionaljournal» sagte Schärer damals, dass man in Luzern am bisherigen Modell festhalten wolle. Man setze «lieber auf Qualität statt Quantität».

An der PH Zug ging der Anpassung der Studiengänge übrigens ebenfalls ein SVP-Postulat voraus. In der Folge führte die Schule eine Umfrage unter Studenten und Abgängern durch. Diese habe gezeigt, dass eine Mehrheit einen Abschluss in möglichst vielen Fächern favorisiere («Neue Zuger Zeitung» vom 24. Oktober).

Wann das Postulat im Luzerner Kantonsrat behandelt wird, steht noch nicht fest.

Ismail Osman