SCHULE: Selbst ist der E-Lehrer

Der Ruswiler Lehrer Klemens Vogel unterrichtet an der Sekundarschule in Emmenbrücke. Dabei setzt er auch E-Books ein. Das Besondere dabei: Er produziert sie selber.

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Lehrer Klemens Vogel gestaltet in seiner Freizeit für den Unterricht E-Books. Sein neustes Werk widmet sich dem Thema «Sehen und Hören». (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Lehrer Klemens Vogel gestaltet in seiner Freizeit für den Unterricht E-Books. Sein neustes Werk widmet sich dem Thema «Sehen und Hören». (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

pirmin bossart

Die Bücher von Klemens Vogel kann man nicht ins Regal stellen. Es sind Multi-Touch-Bücher, die vorerst nur auf dem iPad lesbar sind. Die Bücher sind Konzentrate von verschiedenen Wissensgebieten, die multimedial aufbereitet sind und auch ein interaktives Lernen ermöglichen. «Multi Touch» heissen sie deswegen, weil die Inhalte mit der Mehrfingertechnik sehr schnell erschlossen werden können.

Seit über zwei Jahren produziert Klemens Vogel, der als Sekundarlehrer im Schulhaus Erlen in Emmenbrücke tätig ist, solche multimedialen Schulbücher. In den letzten Monaten hat er «Atmung und Blut» sowie «Pythagoras» im App Store/iBooks Store veröffentlicht. Sie können für fünf Franken heruntergeladen werden. Das neuste Produkt «Sehen und Hören» kostet 7.50 Franken. «Meine digitalen und interaktiven Multi-Touch-Bücher wurden speziell für Lehrpersonen und Jugendliche entwickelt. Sie sind in der Schweiz und in Europa in dieser Form einzigartig.»

Apple weiter als Microsoft

Entstanden sind diese Multi-Touch-Bücher aus eigenem Interesse. «Vor zwei Jahren entdeckte ich das Autorenprogramm iBooks Author von Apple. Das Programm bietet für mich eine ideale Möglichkeit, um multimediale Inhalte zu verknüpfen.» Auf PC-Seite (Windows etc.) sei man vom Angebot her noch nicht so weit, sagt Vogel. «Mit iBooks Author kann ich auch Lernkarten generieren, mit denen die Schüler sich bestimmte Begriffe oder Definitionen besser einprägen können.»

Was bieten Multi-Touch-Bücher? «Mit ihnen lassen sich die Lerninhalte sehr anschaulich aufbereiten. Ich kann alle möglichen Medien wie Filmclips, Animationen, Folien, Fotografien oder Audiospuren darin einbetten.» Auf diese Weise kann Vogel mit seiner Klasse Themen kompakt und schnell abhandeln. Die Inhalte stellt er selber her, Fotos und Filmclips haben auch schon Schüler gemacht, einige Grafiken werden auch eingekauft. «Die Texte habe ich alle selber geschrieben und sie auch prüfen lassen.»

Interaktive Tools

Die Multimedia-Bücher von Vogel können zum einen wie normale Schulbücher benutzt werden. Sie vermitteln Informationen. Sie beinhalten aber auch interaktive Fragetools, mit denen die Schüler ihr Wissen repetieren und prüfen können. Mit Lernkarten können komplexere Lerninhalte geübt werden. Wichtig sind nicht zuletzt die Verlinkungen innerhalb des Buches oder die Links ins Internet (Verweise auf Schulfilme oder wichtige Webseiten mit Zusatzmaterial).

Vogel stellt also den grössten Teil seiner Lehrmittel selber her. Er braucht die Multi-Touch-Bücher als Werkzeug für seinen Unterricht. Manchmal werden sie auch von Schülern genutzt, etwa an Lern-Parcours oder für bestimmte Aufgabenstellungen. «Das Ziel wäre, dass auch die Schüler diese Inhalte downloaden und auf dem eigenen Tablet vertiefen könnten.» Aber er könne nicht voraussetzen, dass alle Schüler ein iPad hätten. Zudem, stellt Vogel fest, seien die Luzerner Schulen «wenig Apple-freundlich» (siehe Kasten).

200 Stunden Arbeit

Klemens Vogel interessiert sich seit Jahren für Technik, Grafik, Computeranwendungen, Foto und Film. Vor 30 Jahren programmierte er an der Rey- Schule für einen Luga-Stand einen Hörtest mit einem PC-Programm. Als Lehrer in Escholzmatt hatte er mit dem Atari-Computer Trickfilme hergestellt. Er machte Weiterbildungen und lernte die DVD-Produktion kennen. An der früheren PH Luzern erarbeitete er eine eigene Wiki-Plattform. In verschiedenen PC-Kursen beschäftigte er sich mit dem Einsatz von Lerntools.

Seit Jahren versuche er, die neusten Techniken an der Schule möglichst sinnvoll einzusetzen und damit den Unterricht zu optimieren, sagt Vogel. «Das ist meine Motivation.» Pro Buch investiert er rund 200 Stunden Arbeit. «Ich rechne mit einem halben Tag Aufwand pro Seite.» Mit seinen Multi-Touch-Büchern möchte er eine Ergänzung zu den bestehenden Lehrmitteln bieten.

Sein Ziel ist, mit seinen Multi-Touch-Büchern die meisten Lehrbereiche in der Naturlehre und Mathematik abzudecken. «Selbstverständlich sind meine Bücher bereits auf die Inhalte und Kompetenzen abgestimmt, wie sie im Lehrplan 21 gefordert sind.» Drei weitere Bücher hat er bereits in Bearbeitung. Sie sollen die Themen Elektrik, Symmetrien, Dreiecke und Vierecke abdecken.

WLAN-Verbot aufheben

Es erstaunt nicht, dass der in Ruswil lebende Sekundarlehrer ein Befürworter von neuen digitalen Unterrichtsformen in der Schule ist. «Neue Lehrmittel, neue Medien und aktuelle Kommunikationsmittel müssen noch in einem viel grösseren Umfang auch in den Klassenzimmern ihren Platz haben.» Vogel plädiert dafür, dass WLAN-Verbote für Schulen aufgehoben werden und in Zukunft auch die mobile, individuelle Interaktivität mit Tablets Einzug in den Lehr- und Lernbereich erhält.

Hinweis

Weitere Informationen zum Thema sowie zu aktuellen Multi-Touch-Büchern findet man unter www.ipad-schule.ch (Schaltfläche «Books»). Im iBooks-Store findet man die Bücher am besten unter dem Suchbegriff «Klemens Vogel». Kontaktadresse für Fragen/Anregungen von Interessierten: klemens.vogel@datazug.ch