SCHULEN: Kampf gegen die «ständige Versuchung»

Immer jüngere Kinder besitzen ein Handy. Eine Entwicklung, welche auch die Luzerner Primarschulen zu spüren bekommen.

Matthias Stadler
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Junge sind im Schnitt 2-3 Stunden täglich online. (Bild: Keystone)

Junge sind im Schnitt 2-3 Stunden täglich online. (Bild: Keystone)

Die Zahlen erstaunen: Jedes fünfte Kind hat bereits in der ersten Klasse ein eigenes Handy. Bei den Sekundarschülern stellen Jugendliche, welche kein eigenes Handy besitzen, bereits eine Ausnahme dar. 96 Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren besitzen gemäss aktuellen Zahlen ein Mobiltelefon (siehe Kasten). Die Zahlen stammen aus einem Merkblatt für Lehrer, verfasst von der Dienststelle Volksschulbildung Kanton Luzern, sowie der Publikation «Medienkompetenz im Schulalltag» des Bundesamts für Sozialversicherungen, welche letzte Woche veröffentlicht wurde.

Unterschiedliche Regelungen

Mit der Frage, wie die Schulen mit der gestiegenen Handynutzung der Schüler umgehen sollen, beschäftigen sich nebst den Kantonsschulen (Ausgabe vom 27. August) auch die Primar- und Sekundarschulen des Kantons Luzern. So dürfen in Menznau die Sekschüler die Handys in den Schulräumen, Gängen und Garderoben nicht verwenden. Für die Primarschüler bedarf es hingegen noch keiner Regeln, wie Remo Di Monaco, Schulleiter der Primarschule Menznau, sagt. «Wir sind eine ländliche Gemeinde, das Problem ist hier noch nicht gravierend.» Er erwartet aber, dass auch die Menznauer Primarschüler künftig vermehrt mit Handys in die Schule kommen.

Klingeltöne störten Unterricht

Auch in Sursee wurden Regeln festgelegt: Die Primarschüler dürfen die Handys nur in begründeten Fällen in die Schule mitnehmen. Peter Hurter, Rektor der Primar- und Sekundarschule Sursee, sagt: «Wir wollen die Handys nicht in der Primarschule.» Die Sekschüler hingegen können die Handys dabeihaben, allerdings dürfen sie die Geräte nur ausserhalb des Schulgebäudes benutzen. Hurter erklärt, dass diese Regeln schon seit längerer Zeit gelten. Der Grund sei, dass früher oft die Klingeltöne der Handys den Unterricht gestört hätten. Mit dieser Regelung sei das Problem jedoch gelöst worden, auch die Zusammenarbeit mit den Eltern laufe gut.

Ohrenstöpsel rein, Handy an

Andere Regeln hat die Sekundarschule Hitzkirch. Die Mobiltelefone müssen nur im Klassenzimmer ausgeschaltet sein. In den Gängen und auf dem Schulhausareal dürfen die Schüler ihre Geräte wieder verwenden. Andrea Martin, Leiterin der Sekundarschule Hitzkirch, sagt, dass die Handys kein Problem darstellen würden. Sie sagt aber auch, dass die Schüler, «sobald sie aus dem Schulzimmer raus sind, die Ohrenstöpsel in die Ohren stecken und das Handy anschalten». Wie sich dieses Verhalten langfristig auf die sozialen Interaktionen auswirke, könne sie allerdings nicht beurteilen.

In der Stadt Luzern sind die Vorschriften vergleichsweise scharf. So dürfen weder die Primar- noch die Sekundarschüler ihre Handys auf dem Schulareal eingeschaltet haben. Wenn sich ein Schüler nicht daran hält, kann es eingezogen werden, und die Eltern werden darüber informiert. «Es wird konsequent geahndet», sagt Martin Huber, Bereichsleiter Schulleiter der Stadt Luzern. Dabei kann es bei Wiederholungstätern durchaus auch mal vorkommen, dass das Gerät eine Woche nicht zurückgegeben wird.

Empfehlung von Kanton und Bund

Die Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern hat zur Problematik das eingangs erwähnte Merkblatt «Problemfall Handy» für Lehrpersonen und Schulleitungen verfasst. In diesem wird auf die positiven sowie negativen Seiten der Handys hingewiesen. So seien sie sehr praktisch und in vielen Fällen ein nützliches Gerät. Sie seien aber auch eine Schuldenfalle sowie eine «ständige Versuchung», sich anstatt mit dem Schulstoff mit dem Handy zu beschäftigen. Das Merkblatt fasst die Empfehlungen in drei Säulen zusammen: Prävention, Intervention und Repression. Das Thema Handy soll im Unterricht diskutiert werden. Die Schulen werden ebenfalls angehalten, Handy-Regeln festzulegen. Wenn ein Schüler die Regeln verletze, könne das Handy auch eingezogen werden.

Faustregel für Kinder soll helfen

In einem Medienkompetenz-Ratgeber für Eltern beschreibt das Bundesamt für Sozialversicherungen die sogenannte «3-6-9-12 Faustregel». Diese empfiehlt, Kindern unter drei Jahren keinen Zugang zu Bildschirmen zu geben. Vor dem sechsten Geburtstag sollte das Kind keine eigene Spielkonsole kriegen, vor neun Jahren sollte es kein Internet konsumieren, und bevor es zwölfjährig ist, wird von einem unbeaufsichtigten Internetzugang abgeraten.

Ebenfalls wird empfohlen, dass Kinder vor dem neunten Geburtstag kein eigenes Mobiltelefon kriegen.

Hinweis: <b>Ratgeber</b> für Medienkompetenz des Bundes &raquo;

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