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Interview

Luzerner Schulen überdenken Hausaufgaben

Kriens zieht nach dem ersten Halbjahr ohne Hausaufgaben eine erste positive Bilanz. Der Präsident des kantonalen Schulleiterverbands erläutert, wie sich der Systemwechsel in Kriens auf andere Schulen auswirkt.
Susanne Balli
Ob klassische Hausaufgaben einen Nutzen bringen, darüber wird an diversen Luzerner Schulen diskutiert. (Bild: Stefan Kaiser, Neuheim, 30. November 2017)

Ob klassische Hausaufgaben einen Nutzen bringen, darüber wird an diversen Luzerner Schulen diskutiert. (Bild: Stefan Kaiser, Neuheim, 30. November 2017)

Zu Beginn des Schuljahres 2018/19 hat die Volksschule Kriens auf der Primarstufe die klassischen Hausaufgaben abgeschafft. Stattdessen wurden obligatorische Lernzeiten im Rahmen des Unterrichts am Vormittag sowie freiwillige Lernzeiten an zwei Nachmittagen eingeführt. Nach den ersten Monaten ohne Hausaufgaben zieht Rektor Markus Buholzer ein positives Fazit (hier geht es zum Artikel). Ob Kriens mit seinem neuen Modell für andere Schulen Vorbildcharakter hat, erläutert Pirmin Hodel. Er ist Präsident des Schulleiterinnen- und Schulleiterverbands der Volksschulen des Kantons Luzern und Rektor der Volksschule Willisau.

Pirmin Hodel, ist die Abschaffung der klassischen Hausaufgaben, wie dies die Volksschule Kriens macht, im Schulleiterverband ein Thema?

Ja. Wir haben das Thema wahrgenommen und auch diskutiert. Es war jetzt aber kein Hauptthema, bei dem wir selber aktiv wurden. Wir finden es aber grundsätzlich gut, dass man diese Diskussion rund um Hausaufgaben führt.

Warum?

Wir stellen fest, dass das Thema Hausaufgaben besonders die Eltern bewegt. Nicht alle Eltern haben die gleichen Möglichkeiten, ihre Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen oder zu begleiten. Darum erachten wir es als sehr wichtig, dass die Gemeinden lokal ein Angebot zu Hausaufgaben im Rahmen der Tagesstrukturen anbieten. Solche Hausaufgabenhilfen nach der Schule werden heute glücklicherweise bereits vielerorts angeboten.

Wie stehen Sie als Verbandspräsident zu Hausaufgaben?

Man sollte Hausaufgaben nicht nur verteufeln. Hausaufgaben bringen auch Vorteile mit sich. Zum Beispiel können die Eltern fortlaufend sehen, welche Themen in der Schule behandelt werden und wo ihr Kind steht. Und unser Verband ist sich einig, dass es gerade im Bereich Fremdsprachen unabdingbar ist, dass man zu Hause lernt, zum Beispiel, wenn es um neue Vokabeln geht. Auch im Hinblick auf Prüfungen sollen die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, sich zu Hause mittels Lernzielen vorzubereiten.

Genau. Das ist auch in Kriens weiterhin der Fall. Und hier gibt es Kritik. Einige Eltern sagen, sie wissen über längere Zeit nicht, was ihr Kind in der Schule macht, und dann wird von der Lehrperson ein Prüfungstermin und der konkrete Stoff mitgeteilt. Je nach Wissensstand des Kindes kann das für die Familie viel Stress bedeuten, weil dann plötzlich intensiv und täglich der Stoff gebüffelt werden muss. Auch ohne Hausaufgaben habe der Druck auf die Kinder nicht unbedingt abgenommen.

Diese Kritik kann ich gut nachvollziehen.

Trotzdem zieht Kriens bisher eine positive erste Bilanz.

Ob sich dieses Modell über längere Zeit bewährt, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Grundsätzlich bin ich dankbar, dass Kriens diese Pionierrolle übernimmt und den Mut hat, sich zu exponieren und eine Diskussion anzustossen. Dies hat an anderen Schulen und auch bei uns in Willisau dazu geführt, über Hausaufgaben und deren Wert nachzudenken.

Mit welchen Resultaten?

Hausaufgaben müssen weiterentwickelt werden. Wir müssen unbedingt von quantitativen Hausaufgaben weg- und hin zu qualitativen Hausaufgaben kommen.

Was sind qualitative Hausaufgaben?

Qualitative Hausaufgaben sind gute Hausaufgaben, die variabel, also nicht für alle Kinder gleich sind. Sie müssen dem Wissensstand der einzelnen Kinder angemessen sein. Zu empfehlen sind auch kreative Aufgaben, bei denen die Kinder selber etwas in ihrem Umfeld erforschen und als spannend empfinden.

Und wie viele Hausaufgaben sind Ihres Erachtens sinnvoll?

Man sollte von starren Regeln weggekommen und auch vom Umfang her variieren. Es können mal sehr kurze Aufgaben sein, dann wieder etwas längere.

Werden weitere Schulen im Kanton Luzern dem Beispiel von Kriens folgen?

Die eine oder andere Schule wird sicherlich neue Wege im Bereich Hausaufgaben einschlagen. Wir warten alle gespannt ab, wie sich das in Kriens weiter entwickelt.

So haben wir im vergangenen Jahr über das Thema berichtet:

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