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Zunahme um über einen Viertel: Schülerzahlen an Luzerner Gymis explodieren

Die Zahl der Luzerner Kantonsschüler könnte bis zum Schuljahr 2040/41 auf über 6200 Lernende ansteigen. Die starke Zunahme sorgt vor allem an einem Gymnasium für prekäre Platzverhältnisse.
Evelyne Fischer
An der 1972 erstellten Kantonsschule Sursee ist das Platzproblem akut: (Bild: Corinne Glanzmann, 19. Juni 2015)

An der 1972 erstellten Kantonsschule Sursee ist das Platzproblem akut: (Bild: Corinne Glanzmann, 19. Juni 2015)

Die rund 800 Luzerner Maturanden fiebern derzeit ihrem Diplom entgegen: Sie stecken mitten in den Abschlussprüfungen. Geht es nach Lustat Statistik Luzern, dürfte sich der Zustrom ins Langzeitgymnasium künftig verstärken – auf Kosten der Sek. Neuste Berechnungen zeigen: Die Zahl der Schüler im Unter- und Obergymnasium könnte bis zum Schuljahr 2040/41 auf über 6200 Lernende ansteigen. Gegenüber 2017/18 entspricht dies einer Zunahme von satten 27 Prozent.

Gemäss Lustat ist diese Entwicklung auf geburtenstärkere Jahrgänge zurückzuführen, die demnächst in die nachobligatorischen Bildungsgänge eintreten. Laut den Statistikern dürfte die «Bildungsexpansion» im Kanton Luzern weiter anhalten, weswegen sie in ihren Szenarien die Übertrittsquoten leicht erhöht haben.

Aldo Magno, Leiter der kantonalen Dienststelle Gymnasialbildung, hält den Boom für plausibel. Lustat rechne, dass die Übertrittsquote von 2018 bis 2022 jährlich um 0,4 Prozent steige.

«Per Saldo also eine kumulierte Zunahme um 2 Prozent. In den letzten drei Jahren ist die Quote kumuliert um 0,7 Prozent gestiegen. Somit ist die Lustat-Annahme nicht so abwegig.»

Gut möglich, dass dadurch auch die gymnasiale Maturaquote leicht steigt: 2016 lag diese bei 19,7 Prozent, knapp unter dem Schweizer Durchschnitt von 20,2 Prozent.

27-Millionen-Neubau bei der Kanti Sursee

Der starke Anstieg der Schülerzahl wird sich an einigen der neun Gymnasien bemerkbar machen. «Im Moment haben wir platzmässig – mit einer Ausnahme – noch überall Reserven, wenn auch keine üppigen», sagt Magno. Akut ist das Platzproblem an der 1972 erstellten Kantonsschule (KS) Sursee: «Hier müssen wir das Gymnasium zwingend ausbauen.» In den nächsten Monaten sollen die Grundlagen für die Freigabe eines Projektierungskredits stehen.

Dass es in Sursee zusätzlichen Platz braucht, ist bereits im Planungsbericht zur kantonalen Immobilienstrategie von 2010 ausgewiesen. Damals ging man von einem «mittelfristigen» Investitionsbedarf für 5 bis 7 Klassen aus. Mittlerweile ist ein Erweiterungsbau für 14 Klassen vorgesehen, der «spätestens» 2023/24 bezugsbereit sein soll. Vor zwei Jahren rechnete man mit Kosten von 23 bis 24 Millionen Franken, aktuell spricht man von 27 Millionen.

Das Problem ist bloss: Der Ausbauplan geht nur dann auf, wenn es die Staatskasse zulässt. Denn die Erweiterung der KS Sursee gehört zu jenen Projekten, die Finanzdirektor Marcel Schwerzmann (parteilos) in seiner Immobilienstrategie als zweitrangig taxiert hat (Artikel vom 13. März). Kantonsbaumeister Hans-Urs Baumann legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass der Erweiterungsbau neben dem zentralen Verwaltungsgebäude und dem Campus Horw zu jenen Projekten gehört, die «eine hohe Priorität» haben.

Rektor Christoph Freihofer hofft sehr, dass der zusätzliche Schulraum in vier Jahren realisiert ist. Er sagt:

«Der Mangel an Fachzimmern für bildnerisches Gestalten, Musik oder Physik stellt für unsere Stundenplaner eine grosse Herausforderung dar.»

So habe man etwa Gruppenräume umfunktionieren müssen. Fürs Turnen sei man schon lange auf Stadt- und Eishalle angewiesen. Ein Problem sei überdies der fehlende Aufenthaltsbereich am Mittag, die Mensa war ursprünglich für 200 Personen konzipiert. «Im Gegensatz zu anderen Gymnasien sind die Schülerzahlen bei uns konstant geblieben.» Aktuell zählt die KS Sursee 876 Schüler, vor zehn Jahren waren es 865. «Das Bevölkerungswachstum in der Region hat den demografischen Rückgang ausgeglichen.»

Umteilungen von Schülern verschaffen Luft

«Mittelfristige Engpässe» wird es laut Magno ferner im Raum Luzern geben: «An der Kantonsschule Alpenquai dürften die Raumressourcen knapp werden, auch die Turnhallenkapazität in Reussbühl ist ein Problem.» Gemäss Schwerzmanns Immobilienstrategie soll Reussbühl bis 2029 zusätzliche Klassenzimmer und Turnhallen erhalten. Doch:

«Die Kantonsschule Alpenquai wird nicht über die heutige Kapazität hinaus weiter ausgebaut.»

Mit durchschnittlich 21,2 Schülern hat die KS Alpenquai ihre Klassen heute am besten gefüllt. Am anderen Ende der Rangliste befindet sich die KS Seetal mit 18,5 Schülern pro Klasse. Die maximale Klassengrösse umfasst 24 Schüler.

Im nächsten Schuljahr werden bekanntlich 40 von rund 1200 angehenden Gymnasiasten umgeteilt: Sie werden nach Baldegg, Beromünster oder Reussbühl geschickt. So müssen im Alpenquai und an der KS Sursee keine zusätzlichen Klassen eröffnet werden. Spareffekt: 500'000 Franken jährlich (Artikel vom 29. März). Diese Massnahme sei allerdings nicht der Platznot geschuldet, sagt Magno.

«Wir wollten schlicht keine schlecht ausgelasteten Klassen eröffnen.»

Der Dienststellenleiter betont, beim prognostizierten Boom handle es sich um Szenarien. «Diese basieren auf Modellierungen und sind mit Unsicherheiten behaftet.» Ob die Bevorzugung «der leistungsorientierten Schulen in Richtung Langzeitgymnasium» tatsächlich ungebrochen bleibe, werde sich zeigen. «Seitens Dienststelle vertreten wir die Ansicht, dass die Gymnasialquote im Kanton Luzern stabil bleiben könnte. Aber am Schluss entscheiden die Lernenden aufgrund von Präferenzen und Neigungen, welchen Schultypus sie besuchen.»

Mittelschulen auf der politischen Agenda

Mit Blick auf die Zahlen, welche Gymnasien einen Zustrom prognostizieren, fragt sich: Ist damit die Debatte zur Schliessung von Standorten vom Tisch? Betroffen war etwa die Kantonsschule Musegg, die in zwei städtischen Gebäuden beheimatet ist. Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung, sagt: «Das Problem war hier die hohe Miete, die der Kanton zu zahlen hat. Mit der Herabsetzung des Mietzinses ist dieses behoben. Mit Blick auf die Schülerentwicklung sind wir gut beraten, weiterhin Schulraum in Luzern zu haben.»

Am Standort Willisau wurde mehrmals die Wirtschaftsmittelschule in Frage gestellt, deren Zahlen in den letzten Jahren generell rückläufig waren. Dieses Thema könnte auf der Agenda bleiben. Magno: «Wenn es Wachstum in den Gymnasien gibt, heisst das nicht unweigerlich, dass dies auch für die Wirtschaftsmittelschulen zutreffen wird.»

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