SCHULHAUS: Das politische Eilverfahren für ein Schulhaus

Vor hundert Jahren wurde das Moosmatt-Schulhaus eingeweiht. Weil die Schülerzahl damals rasant wuchs, eilte es sehr.

Rainer Rickenbach
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Das Moosmatt-Schulhaus im Bau (Bild: Stadtarchiv Luzern)

Das Moosmatt-Schulhaus im Bau (Bild: Stadtarchiv Luzern)

So sieht das Moosmatt-Schulhaus heute aus. (Bild: Manuela Jans)

So sieht das Moosmatt-Schulhaus heute aus. (Bild: Manuela Jans)

Die heutige Bildungsdirektorin Ursula Stämmer (56) lernte zwar nicht im Moosmatt-Schulhaus Lesen und Schreiben. Eine prägende Erinnerung verbindet sie aber trotzdem mit dem prägnanten Haus. «Meine früheste Erinnerung an das Moosmatt-Schulhaus geht auf das Jahr 1971 zurück. Ich begleitete damals als 13-Jährige meine Mutter, die im dortigen Urnenbüro zum ersten Mal abstimmen durfte», entsinnt sie sich.

Schulklassen mit 52 Kindern

Die Bildungsdirektorin steht heute einer Stadtschule vor, die sich in den zurückliegenden Jahren mit stagnierenden Schülerzahlen konfrontiert sah. In der Zeit vor dem Schulhausbau verhielt es sich genau umgekehrt: Jedes Jahr nahm die Zahl der Mädchen und Buben in der Primarschule stark zu, die Einwohnergemeinde der Stadt musste sich mit untauglichen Provisorien behelfen.

Im Bericht und Antrag der Stadtväter zum Baukredit von 563 000 Franken hantierte die Schulverwaltung 1913 mit eindrücklich anmutenden Zahlen. Um die Jahrhundertwende gab es in der Stadt 3191 Primarschüler. 1910 waren es bereits 5603 – Tendenz weiter steigend. Zwar schafften die damals neuen Bildungshäuser Maihof und St. Karli eine Milderung der Schulraumnot, doch im südlichen Stadtteil hatte man wenig davon. «So ist der Bau eines weiteren, grösseren Schulhauses im südlichen Stadtgebiet dringend geworden», schrieb der Luzerner Stadtrat in seiner Botschaft an das Stadtparlament. Gerechnet wurde damals in grossen Zügen: Jedes der 18 «normalen Klassenzimmer» bot Platz für nicht weniger als 54 Primarschüler. Die Zeit drängte so stark, dass die Stadtregierung kurzerhand auf einen Architektenwettbewerb verzichtete.

Feier am 14. Juni

«Das Moosmatt-Schulhaus prägt auch heute das Gesicht des Quartiers», lobt Ursula Stämmer den hundert Jahre alten Bau. Die Quartierbewohner feiern das Jubiläum ihres Schulhauses am 14. Juni 2014 mit einem Fest.

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