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SCHULSPORT: Skipiste ist das Schulzimmer

Alle Vitznauer Kinder lernen während ihrer Primarschulzeit snowboarden oder Ski fahren. Während einer Woche sind sie dafür auf der Rigi die Gemeinde bezahlt.
«Stemmbögle» statt Matheprüfung: In Vitznau ist Schneesport Pflichtfach. (Bild Corinne Glanzmann)

«Stemmbögle» statt Matheprüfung: In Vitznau ist Schneesport Pflichtfach. (Bild Corinne Glanzmann)

Roger Rüegger

Skifahren und Snowboarden anstelle von Mathe, Deutsch und Geschichte: Von solchem Unterrichtsstoff träumt wohl manches Schulkind. Für die rund 75 Buben und Mädchen der Primarschule Vitznau ist dies kein Traum, sondern Realität. Der Schneesport ist in Vitznau Schulfach und somit für alle Kinder Pflicht.

«Unsere Primarschule führt seit zehn Jahren eine obligatorische Ski- und Snowboardwoche mit Skischule durch. Wir fördern die Kinder bewusst nicht nur in den üblichen Schulfächern. Vitznau liegt direkt am See und am Fusse der Rigi, also im Skigebiet. Darum sollen alle Kinder während der Primarschule Ski fahren oder snowboarden lernen. Der Unterricht wird von Skilehrern und Klassenlehrern angeboten», erklärt Schulleiter Taio Secchi den Sinn der Sportwoche.

Für 14 000 Franken alles inklusive

Die Kinder freuts und die Eltern auch, denn das Angebot ist gratis. Die ganze Woche wird vollumfänglich von der Gemeinde finanziert: die Fahrten mit den Bahnen, die Mittagsverpflegung, die Skischule und sogar die Miete der Ski oder des Snowboards. Vitznau lässt sich diesen Service rund 14 000 Franken kosten. «Es ist in dieser Form ein schweizweit einzigartiges Projekt», sagt Secchi. «Dafür sind wir der Gemeinde sehr dankbar.»

Am Ende dieser Schneesportwoche findet jeweils ein Rennen mit allen Schulkindern statt. Diejenigen, die bis Ende Woche noch nicht Skilift fahren können, haben ihr «Rennen» in einem separaten Bereich. Beim Rennen am letzten Freitag kurvten aber bereits Fünf- und Sechsjährige erstaunlich sicher zwischen den Slalomstangen hindurch. So etwa die Erstklässlerin Milena, die das Rennen eröffnete und im Stemmbogen und mit einem lauten «Juuuhuuu» das Ziel passierte. Bei der Zielankunft wurden die Kinder von einigen Lehrpersonen erwartet. «Bremsen, Milena! Wow, das war eine super Fahrt», sagte eine der Lehrerinnen zur kleinen Rennläuferin im Ziel. Das Mädchen strahlte, übergab der Lehrerin die Startnummer und fuhr sofort wieder Richtung Skilift, um abermals die Piste hinunterzubrausen.

Fahrstil von konzentriert bis frech

Praktisch alle Primarschulkinder waren an diesem Tag auf der Piste. Diejenigen, die nicht gerade am Rennen teilnahmen, fuhren hinter ihrem Skilehrer her. Einige konzentriert und langsam, andere frech und akrobatisch. «Yeah, Olivia mit einem Oneeighty und Silvia mit einem Tango», kommentierte eine Skilehrerin einige Kinder ihrer Gruppe, und Skilehrer Markus lobte seine Fahrer: «Super gemacht, ihr habe eine gute Technik.»

Die Ski- und Snowboardwoche wurde ins Leben gerufen, als vor Jahren die meisten Schulkinder an einem Skitag nur schlitteln wollten. Geht nicht, dachte sich Gemeindeamtfrau und Kantonsrätin Irene Keller: «Kaum eine Gemeinde liegt so günstig am Berg und am See wie Vitznau.» Keller war damals für das Ressort Schulverwaltung zuständig. «Wir fahren ja mit den Rigi-Bahnen direkt nach Kaltbad und Staffel. Also haben wir damals in den Leistungsauftrag der Schule aufgenommen, dass jedes Kind nach dem sechsten Schuljahr schwimmen und Ski fahren beziehungsweise snowboarden kann.» Wenn ein Kind am Freitag am Skirennen in seiner Kategorie aufs Stockerl fahre, das zu Beginn der Woche noch nicht fahren konnte, dann sei das doch grandios. Diese Woche sei ausserdem ideal als Förderung der Integration der ausländischen Kinder, und sie diene der Gesundheit sowie der Teambildung. «Die Gemeinde übernimmt die Kosten, damit kein Kind benachteiligt ist. Etwa wenn es sich dies nicht leisten könnte.»

Die Stimmbürger von Vitznau haben die Idee von Anfang an vollumfänglich unterstützt. Keller sagt: «Ich habe die Idee nie bereut. Im Gegenteil: Ich finde, sie war nach wie vor eine meiner besten.»

Dass die Gemeinde Vitznau sämtlichen Primarschülern ermöglicht, gratis Ski- und Snowboardunterricht zu nehmen, findet Gary Furrer, Direktor Breitensport von Swiss-Ski, «ganz fantastisch. Ich finde, der Schneesport ist Teil unserer Kultur. Das ist unglaublich. Ich bin beeindruckt.»

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