Schutz vor Amokläufen: Schulhäuser in der Stadt Luzern sollen sicherer werden

Die Stadt investiert Millionenbeträge, um die Sicherheit in ihren Gebäuden zu erhöhen. Um gegen Amokläufe oder Bombendrohungen gewappnet zu sein, sind bald in allen Schulen Durchsagen möglich.

Julian Spörri
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Bei den städtischen Schulhäusern Würzenbach – hier im Bild – und Säli sind bereits Poller installiert.

Bei den städtischen Schulhäusern Würzenbach – hier im Bild – und Säli sind bereits Poller installiert.

Bild: Pius Amrein
(Luzern, 10. Januar 2020)

Die Stadt Luzern will die Sicherheit in ihren Schulen erhöhen. In allen Gebäuden sollen Anlagen installiert werden, die im Notfall alarmieren und Durchsagen ermöglichen. Eveline Bucheli, verantwortlich für das Gesundheitsmanagment bei der Stadt Luzern, führt aus:

«Im Krisenfall ist es wichtig, dass gefährdete Personenkreise rechtzeitig informiert und angeleitet werden können, wie sie sich zu verhalten haben.»

Es gehe zum Beispiel um Ereignisse wie Amokläufe oder Bombendrohungen. Alarmierung und Durchsagen seien bei neueren Gonganlagen integriert, so dass beides in jedem Schulraum zu hören sei. Erstmals wurde eine solche Anlage bei der Sanierung der Schulanlage Utenberg mit Bezug im Jahr 2008 installiert.

Weiter plant die Stadt das ungehinderte Befahren von Pausenplätzen und Schulanlagen zu verunmöglichen. Dazu werden je nach Situation auch Poller oder Schranken eingesetzt. Ob und wo diese montiert werden, müsse noch geklärt werden, sagt Georg Medricky. Er ist Projektleiter Portfoliomanagement bei der Stadt Luzern und für den baulichen Bereich des Projekts zuständig. Die Stadt will zudem die Fenster im Erdgeschoss und die Zugänge der Schulhäuser besser vor unbefugtem Zutritt und Vandalismus schützen.

Verbesserungen im Bereich der Sicherheit sind auch bei den Verwaltungsgebäuden geplant (siehe Box). Die Massnahmen sollen in den nächsten fünf Jahren umgesetzt werden. Insgesamt stehen rund acht Millionen Franken zur Verfügung.

Getrennte Büro- und Kundenzonen im Stadthaus

Der Luzerner Stadtrat hat im Sommer 2019 entschieden, insbesondere in vier Bereichen Verbesserungen bei der Sicherheit anzustreben. Neben den Schulanlagen sind dies der Zugang ins Stadthaus, die Trennung von Kunden- und Bürozonen und ein einheitliches Schliesssystem.

«Heute ist der Zugang zu einigen Räumen bei der Stadtverwaltung ungehindert möglich, was nicht mehr zeitgemäss ist», sagt Eveline Bucheli, verantwortlich für Gesundheitsmanagement bei der Stadt Luzern. Deshalb werde geprüft, wie in Zukunft die Zugänge geregelt sein sollten und Büro- und Kundenzonen getrennt werden könnten. «Im Mittelpunkt steht das Ziel, eine kundenfreundliche Zone zu schaffen», so Bucheli. Dabei sei auch zu berücksichtigen, «dass sich die Kundenbedürfnisse im Rahmen der digitalen Entwicklungen massiv verändern, weil immer mehr Standardgeschäfte elektronisch abgewickelt werden.» (jus). 

Lehrer und Schulleiter haben Bedenken geäussert

Die Pläne der Stadt stünden nicht im Zusammenhang mit bestimmten Vorfällen, sagt Medricky. Im Jahr 2017 habe der Stadtrat im Rahmen des Bedrohungsmanagements die Gebäude der Stadtverwaltung von externen Fachleuten untersuchen lassen und daraufhin beschlossen, die Sicherheit zu erhöhen.

Bei Vreni Völkle, Rektorin der Volksschule der Stadt Luzern, waren verschiedene Rückmeldungen von Lehrern und Schulleitern eingegangen, die auf bestimmte Gefahren aufmerksam gemacht hatten. Als Beispiel nennt die Rektorin Lieferwagen und Zulieferer von Mahlzeiten, die auf den Pausenplätzen unterwegs sind. «Die Gefahren von rückwärtsfahrenden Lastwagen sind bekannt», so Völkle.

«Auf unseren Schulanlagen hat es zwar noch keine Unfälle gegeben, aber wir wollen proaktiv handeln.»

Schliesslich sollen sich Kindern beim Spielen auf dem Pausenplatz auch gedanklich verlieren dürfen, sagt Völkle.

Mit Pollern will die Stadt proaktiv handeln und zum Beispiel verhindern, dass es Unfälle mit rückwärtsfahrenden Lastwagen gibt.

Mit Pollern will die Stadt proaktiv handeln und zum Beispiel verhindern, dass es Unfälle mit rückwärtsfahrenden Lastwagen gibt.

Bild: Pius Amrein
(Luzern, 10. Januar 2020)

Handelt es sich bei den vorliegenden Massnahmen nicht um einen Akt der Übervorsichtigkeit? Völkle winkt ab: «Ich finde die Massnahmen nicht überrissen, weil sie im Rahmen des Normalverträglichen sind und die Sicherheit und Gesundheit der Kinder garantieren.» Georg Medricky sagt dazu: «Die Massnahmen werden mit Ausnahme allfälliger Poller oder Schranken visuell nicht gross zum Tragen kommen. Somit sind die Effekte für die Schulkinder vernachlässigbar.»

Notfall-Apps werden geprüft

Die Sicherheit an Schulen ist auch in anderen Kantonen und Städten Thema. Im letzten Sommer hat der Kanton Thurgau für alle Schulen eine Notfall-App eingeführt. Auch in St. Gallen können Lehrkräfte an den Berufsschulen und Gymnasien im Bedrohungsfall via Handy Alarm schlagen. Eine solche Massnahme sei vor einigen Jahren auch im Kanton Luzern geprüft worden, sagt Charles Vincent, Dienststellenleiter Volksschulbildung des Kantons Luzern. «Man ist zum Schluss gekommen, dass eine kantonsweite Einführung keinen Sinn macht, weil sich die Gegebenheiten zwischen den Gemeinden stark unterscheiden.»

Vincent sind keine Luzerner Gemeinden bekannt, die selbständig eine Notfall-App eingeführt hätten – die Zuständigkeit für die Ausarbeitung der Notfallpläne und die Umsetzung von Massnahmen liegt nämlich bei den einzelnen Gemeinden.

In der Stadt Luzern sei bezüglich Notfall-Apps erst noch ein Konzept zu entwickeln, sagt Eveline Bucheli. «Es ist zu evaluieren, für welches Ereignis es eine Alarmierungsmöglichkeit braucht.»

«Notfall-Apps sind ein mögliches Instrument dafür.»

In der Gemeinde Horw hat man den Einsatz einer Notfall-App auf der Projektliste. Ob tatsächlich eine eingeführt werde, sei noch nicht klar, so Rektor Daniel Bachmann. Bereits heute sind in den Schulhäusern Mattli und Zentrum Notfall-Durchsagen möglich, wie sie die Stadt Luzern flächendeckend einführen will. Die Schulanlagen mit Pollern zu sichern sei zurzeit nicht geplant, sagt Bachmann. «Wegen Treppen, Barrieren oder kleinen Zufahrten ist es nicht möglich, in unsere Pausenplätze mit hohem Tempo einzudringen.» Bei den regelmässigen Sicherheitsrundgängen würde die Gefahr potenziell eindringender Fahrzeuge aber sicher nochmals überdacht, da dies eine neuere Bedrohung sei.

Emmen hat ein digitales Alarmierungssystem

Um Unfälle zu verhindern seien in Emmen die Pausenplätze der Schulhäuser nicht befahrbar, sagt Philipp Bucher, Kommunikationsbeauftragter der Gemeinde Emmen. «Grossmehrheitlich wird das Befahren aber nicht mit Pollern oder Barrieren, sondern mit Ketten eingeschränkt.» Eine flächendeckende Installation von Lautsprecheranlagen sei nicht geplant. Dafür führt die Gemeinde derzeit in allen Gebäuden der Verwaltung und Schulhäusern ein Alarmierungssystem ein, deren Funktionsweise laut Bucher mit jener von Apps zu vergleichen ist: «Im Notfall wird über den Alarmserver eine Warnmeldung ausgelöst, die von Computern, Telefonen und Handys im System empfangen werden kann.»

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