Schwarzarbeit: Der Kanton Luzern kontrolliert massiv mehr Coiffeure

In den ersten drei Monaten dieses Jahres haben die Luzerner Behörden gut vier Mal so viele Coiffeure und Salons auf Schwarzarbeit kontrolliert als im ganzen letzten Jahr. Bei Politik und Gewerbe kommt das gut an – denn es gibt schwarze Schafe.

Kilian Küttel
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Wenn er durchs Luzerner Neustadtquartier gehe, falle ihm etwas auf. Nämlich die Coiffeure: «Klein- und Kleinstsalons haben dort ihre Türen geöffnet und bieten ihre Dienste zu sehr günstigen Konditionen an», schreibt der Rothenburger SVP-Kantonsrat Marcel Omlin in einer Anfrage an die Regierung.

Dagegen hätte man grundsätzlich «nichts einzuwenden», bei Tiefstpreisen um die 25 Franken pro Haarschnitt kommen Omlin aber Fragen auf: Halten die Salons die Auflagen für AHV-Abgaben und die Mehrwertsteuer ein? Kann der Kanton etwas gegen die Situation unternehmen, die aus seiner Sicht «sehr gewerbefeindlich» ist? Und Kontrollieren die Behörden diese Kleinstsalons überhaupt?

Justiz behandelt neun vermutete Verstösse

Auf seine Fragen hat Omlin nun eine Antwort der Regierung. Seit Dienstag ist sie öffentlich. Haupterkenntnis: Die Behörden haben das Wachstum in der Coiffeur-Branche ebenfalls erkannt. Und sie haben ein Auge darauf: Im ersten Quartal 2019 haben die kantonalen Behörden acht Betriebe und 21 Personen wegen Schwarzarbeit kontrolliert. Im ganzen Jahr 2018 waren es bei zwei Kontrollen lediglich sechs Coiffeure – also fast vier Mal weniger.

Und in den ersten Monaten dieses Jahres haben die Kontrolleure neun vermutete Verstösse gegen das Ausländerrecht registriert, die sie an die Luzerner Staatsanwaltschaft weitergeleitet haben. Im letzten Jahr waren es nur zwei.

Auf die Neuigkeiten angesprochen, gibt sich Kantonsrat Marcel Omlin zufrieden:

«Es zeigt, dass die kantonalen Behörden der Thematik nachgehen und ihre Hausaufgaben machen.»

Im Umkehrschluss werde aber auch klar, dass der Kanton die Situation in Vergangenheit nur ungenügend zur Kenntnis genommen und «es schleifen gelassen» habe.

Was meint Omlin mit «es»? Zu seinem Vorstoss motiviert hat ihn die Berner Fremdenpolizei, die Budget-Coiffeure im grossen Stil durchleuchtet. Wie die «Rundschau» in einem Beitrag vom Februar zeigt, nehmen es die dortigen Billiganbieter mit den Anstellungsbedingungen und Abgaben nicht immer genau.

Mile Sucic vom Intercoiffure Stephan Furrer in Luzern schneidet Männern ab 69 Franken die Haare. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 3. Juni 2019)

Mile Sucic vom Intercoiffure Stephan Furrer in Luzern schneidet Männern ab 69 Franken die Haare. (Bild: Pius Amrein, Luzern, 3. Juni 2019)

Das überrascht angesichts der sehr niedrigen Preise nicht alle. Wie Stephan Furrer. Seit 2003 betreibt er einen Salon in Luzern. An der Himmelrichstrasse beschäftigt er 12 Mitarbeiter inklusive Lehrlinge:

«Mit Preisen von 20 bis 25 Franken kann man praktisch nicht über die Runden kommen. Da müsste man jeden Tag um die 30 Kunden auf dem Stuhl haben.»

Er verlangt für einen Herrenhaarschnitt 69 Franken, Frauen können sich ab 110 Franken die Haare schneiden lassen. Dass der Kanton Tiefpreis-Anbieter stärker kontrolliere, begrüsst er sehr: «Es gibt Betreiber, die rechnen alles sauber ab und zahlen die Löhne, wie sie im Gesamtarbeitsvertrag geregelt sind. Und dann gibt es eben auch schwarze Schafe, denen man auf die Finger schauen muss.»

Diese Forderung stellte der ehemalige Präsident der Zentralschweizer Coiffeure bereits am 21. Januar im Gespräch mit unserer Zeitung. Jürg Steiner, der seinen Salon in Horw betreibt, sagte damals: «Mit dem neuen Gesamtarbeitsvertrag werden massiv mehr Kontrollen durchgeführt.»

Kanton spricht von «normaler Risikoabwägung»

Dieser gilt seit März 2018, zuständig für die Einhaltung der GAV-Vorgaben ist die Paritätische Kommission der Coiffure. Sie überprüft die Arbeitsbedingungen und Mindestlöhne. Fragen zu Bewilligungen, Meldepflicht sowie Sozial- und Quellensteuerabgaben sind dagegen Sache des Kantons. Auf Anfrage sagt Martin Bucherer von der kantonalen Dienststelle Wirtschaft und Arbeit, die verstärkten Kontrollen würden aufgrund «einer normalen Risikoabwägung» durchgeführt.