SCHWARZENBERG: Sie ist die Beste ihres Fachs

Madlene Husistein ist landesweit die Nachwuchsjodlerin Nummer 1. Die 14-Jährige verfügt über eine Fähigkeit, die in der Schweiz nur wenige haben.

Monika Van De Giessen
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Die beste Schweizer Nachwuchsjodlerin Madlene Husistein (14) aus Schwarzenberg in der Luzerner Sonntagstracht. (Bild: Jakob Ineichen)

Die beste Schweizer Nachwuchsjodlerin Madlene Husistein (14) aus Schwarzenberg in der Luzerner Sonntagstracht. (Bild: Jakob Ineichen)

Umgeben von Weiden, Wiesen, einem grossen Garten mit Blick auf die Pilatuskette und die Stäfeliflue: Das ist das Zuhause der besten Nachwuchsjodlerin der Schweiz. Auf dem Schwarzenberg ob Malters wohnt Madlene Husistein zusammen mit Vater André und Mutter Gertrud Husistein. Die 14-Jährige begrüsst uns in der blauen Luzerner Sonntagstracht. «Die Tracht trage ich mit besonderem Stolz, denn diese hat meine Grossmutter genäht», verrät die Jungjodlerin.

Auf dem Wohnzimmertisch der Husisteins stehen unzählige Glückwunschkarten, der Viva-Volksmusikpreis und der Bergkristallpokal, den sie als Auszeichnung für «die beste Nachwuchsjodlerin» der Schweiz im November 2015 erhielt. Mit der Nachwuchsjodlerin freut sich Richard Huwiler, Präsident des Zentralschweizerischen Jodlerverbandes: «Es ist für den Jodlerverband enorm wichtig, wenn eine junge Botschafterin des Jodelgesangs unser Brauchtum einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Sie spricht dadurch auch ihre Altersgruppe an und zeigt ihnen auf, wie toll Jodeln und Brauchtum ist.»

Musikalisch vorbelastet

Die Affinität zum Jodelgesang, ihre aussergewöhnliche Begabung und ihr ausgeprägtes Musikgehör hängen mit ihrem Elternhaus zusammen. Ihr wurde der Gesang mit der Muttermilch eingeflösst. Mutter Gertrud singt in der Gesangsgruppe Butterfly, Vater André singt im 2. Bass des Jodlerklubs Bärgfründe Schwarzenberg, deren Präsident er ist.

Der Samstag, 30. Januar, ist der 14-Jährigen gut in Erinnerung. Sie gewann den Viva-Volksmusikpreis anlässlich einer grossen volkstümlichen Samstagabendshow des Schweizer Fernsehens. Vorausgegangen ist indes der Sieg am Schweizer Folklorenachwuchswettbewerb im November in Niedergösgen. Dieser Sieg berechtigte die drei Besten in der Sparte Jodelgesang/Alphorn und Instrumental zur Teilnahme am Viva-Nachwuchspreis. Diesen entschied die Luzernerin dann für sich. Ihre Mitkonkurrenten, die Äntlibuecher Bergklänge aus Escholzmatt/Romoos/Ruswil und die Alphornbläserin Anna Rudolf von Rohr aus Selzach SO, traten gegeneinander an. Mittels Publikumsvoting wurde der Sieger ermittelt. Bezüglich Nervosität habe es ihr sehr viel geholfen, dass die Eltern und ihre Jodellehrerin, Monika Bättig aus Gunzwil, anwesend waren. «Sie holten mich oben-abe.» Weiter sagt sie: «Es ist cool zu wissen, dass man gut ist. Der Sieg ist das Tüpfelchen auf dem i.» Sie habe überhaupt nicht damit gerechnet. Das Handy habe ständig «gsurret». 84 Gratulations-Nachrichten habe sie erhalten.

Jury war «tief berührt»

Am Schweizer Folklorenachwuchswettbewerb liess sie die ganze Konkurrenz hinter sich. Die dreiköpfige Jury war des Lobes voll und beeindruckt. Gody Studer aus Escholzmatt, der am Folklore-Nachwuchswettbewerb als Jury-Obmann des Eidgenössischen Jodlerverbandes im Einsatz war, hielt im Jury-Bericht fest: «Mit deiner positiven und lieblichen Ausstrahlung beim Musizieren auf der Bühne ziehst du das Publikum wie die Jury sofort in deinen Bann. Du verfügst über eine wunderbare Stimme mit Wiedererkennungswert und mit viel Gefühl.» Studer hält fest, dass es Madlene gelungen sei, mit den Vorträgen eine Geschichte zu erzählen, welche die Jury tief berührt habe.

Eine Eigenheit, die Madlene Husistein in besonderem Masse auszeichnet, ist, dass sie sich selber am Schwyzerörgeli begleitet. Das können nur ganz wenige in der Schweiz und stellt hohe musikalische Anforderungen. Dazu Experte Studer: «Es braucht nebst dem jodlerischen Können noch zwei zusätzliche Fähigkeiten: das Beherrschen des Örgeli-Begleitens und die Konzentrationsfähigkeit, Jodelstimme und Schwyzerörgeli zu koordinieren.»

Jodeln und Torten backen

Die Oberstufenschülerin, die bei der Jodlerin und Dirigentin Monika Bättig aus Gunzwil Jodelstunden nimmt, steckt sich beruflich und musikalisch einige Ziele: Im Herbst wird sie in Malters, bei der Confiserie/Konditorei Iten mit der dreijährigen Lehre als Confiseurin/Konditorin beginnen. Später möchte sie vielleicht die Berufsmatura machen und sich voll und ganz der Musik widmen und Musik studieren. «Ich nehme es wie es kommt, denn in den nächsten drei Jahren kann sich vieles ändern.» Musikalisch bereitet sie sich zurzeit auf das Zentralschweizerische Jodlerfest vom 24. bis 26. Juni in Schüpfheim vor und feilt an ihrer Atem-, Stimm- und Jodeltechnik. Später möchte sie als Vorjodlerin in einem Jodlerklub mitsingen.
 

Monika van de Giessen