Schwedische Trendsportart erreicht Luzern: Jogger sammeln beim «Plogging» fast 2'000 Zigikippen ein

Universität und Hochschule Luzern wollen diese Woche für mehr Nachhaltigkeit sensibilisieren. Etwa mit einer Trendsportart aus Schweden, die nach knapp 4,5 Kilometern Jogging einen 35-Liter-Abfallsack füllt.

Evelyne Fischer
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Ausgerüstet mit Handschuhen und Plastiksack ziehen Jogger zum «Plogging» los. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern 26. März 2019)

Ausgerüstet mit Handschuhen und Plastiksack ziehen Jogger zum «Plogging» los. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern 26. März 2019)

1'812 Zigarettenstummel, 13 Dosen, 1 Zahnbürstli, 1 Schuhbändel, 1 Handschuh, 1 Kamm, 2 Nuggis sowie 3 Pet- und 7 Bier-Flaschen: Das ist ein Teil der Ausbeute der wohl ersten Luzerner Plogging-Tour. Plogging? Das Wort ist eine Schöpfung aus «plocka», schwedisch für «aufheben», und «Jogging». Die Idee der schwedischen Trendsportart: Bewegen und Güseln geht Hand in Hand – das gute Gewissen rennt mit.

Die Plogging-Première vom Dienstag gehört zu den über 20 Aktivitäten, mit denen Studenten der Universität, der Pädagogischen Hochschule und der Hochschule Luzern diese Woche für mehr Nachhaltigkeit sensibilisieren wollen. Vom Vortrag zur fairen Schuhproduktion über einen Kleidertausch bis hin zum Repair-Café. Insgesamt finden im März in der ganzen Schweiz in 14 Städten über 200 Veranstaltungen an 27 Hochschulen statt.

Mit Handschuhen und Plastiksack gehts ans Werk

Zum stündigen Güsel-Lauf trifft man sich bei der Uni. Es ist 7.30 Uhr, als 17 Jogger – Studierende zumeist, darunter zwei Herren – Richtung Vögeligärtli losziehen, ausgerüstet mit Latex-Handschuhen und Plastiksäcken. Letztere in Zweitverwendung, immerhin. «Ich bin echt überrascht, machen so viele mit», sagt Dina Hungerbühler (26). Die Studentin aus Zürich zeichnet für die Kommunikation der Nachhaltigkeitswoche verantwortlich, Philosophie-Studentin und Hochschulsport-Leiterin Sarah Stöckli (37) aus Hohenrain führt die Truppe auf der 4,5 Kilometer langen Laufstrecke:

Bald rascheln im Park die Plastiksäcke. Zigikippen zuhauf, Bierdeckel, Schrauben von der Baustelle bei der Zentral- und Hochschulbibliothek. Hier eine Kaugummiverpackung, dort ein Einkaufszettel. Ein einziges Gewusel. Die Abfall-Fahndung birgt Suchtpotenzial.

Saubere Schweiz? Der Schein trügt

Über die Langensandbrücke geht's im Plaudertempo weiter zur Ufschötti. Auf den ersten Blick scheint es, als hätte der städtische Werkdienst der Laufgruppe hier die Arbeit abgenommen. Doch Pet-Deckel, Plastiklöffel und Glace-Stäbchen belehren sie bald eines Besseren.

Mittlerweile hat die Sonne die Wolken durchbrochen, der See glitzert, ein Schwan nähert sich dem Ufer, Vögel zwitschern. «Es fühlt sich wie in den Ferien an», sagt Anja Portmann (27), Studentin der Sozialen Arbeit aus Kriens, beim Fötzeln am Strand. Über einen Medienbericht hat die Plogging-Veranstalterin den Güsel-Lauf entdeckt und gedacht: «Das passt perfekt zur Nachhaltigkeitswoche, das schlage ich vor.»

Portmann bückt sich nach der nächsten Zigikippe, erzählt, wie ihr das Bewusstsein für Nachhaltigkeit schon als Kind eingeimpft worden sei. Vor allem vom Vater, einem bekennenden Atom-Gegner. Heute lebt sie in einer WG, bezieht Gemüse per Abo vom Bauern, kauft wenn möglich verpackungsfrei ein, weibelt an der Hochschule für fleischlose Mensatage. Wie Dina Hungerbühler hofft auch Anja Portmann, mit der Plogging-Aktion Aufmerksamkeit zu erwecken und aufzurütteln. Sie hebe schon mal Güsel vor den Augen der «Übeltäter» auf – kommentarlos. «Denn ich glaube, so lässt sich mehr erreichen, als durch Konfrontation», sagt’s und hebt den nächsten Plastikfetzen auf.

Via Inseli geht's zur Universität Luzern zurück. Zu Hause wird Portmann sämtlichen gesammelten Güsel trennen.

(Bild: PD, 26. März 2019)

(Bild: PD, 26. März 2019)

Was übrig bleibt: ein gefüllter 35-Liter-Abfallsack Unrezyklierbares – und der Plan, Plogging ins Angebot des Hochschulsports einzuschleusen.

Die Ausbeute nach dem Güsel-Lauf: Was sich nicht rezyklieren lässt, füllt einen 35-Liter-Abfallsack. (Bild: Evelyne Fischer, Luzern, 26. März 2019)

Die Ausbeute nach dem Güsel-Lauf: Was sich nicht rezyklieren lässt, füllt einen 35-Liter-Abfallsack. (Bild: Evelyne Fischer, Luzern, 26. März 2019)

Hinweis: Das Programm der Nachhaltigkeitswoche gibts unter www.sustainabilityweek.ch/lucerne