«schweiz.bewegt»
«Wichtiger denn je, die Leute aus ihren Häusern zu holen und für Bewegung zu motivieren» – so gelingt der Wiedereinstieg

Während des Lockdowns hat die Bewegungsaktivität der Bevölkerung abgenommen. Mit Programmen wie zum Beispiel von schweiz.bewegt will man die Menschen wieder aktivieren. Die Gemeinde Ettiswil hat dafür diverse Aktivitäten geplant.

Fabienne Mühlemann
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Homeoffice, beschränkte Trainings, kaum reisen: Vielen Personen mangelt es derzeit an Bewegung. Da kommen Programme wie das alljährliche «Coop-Gemeinde-Duell von schweiz.bewegt» gerade rechtzeitig. Hier sammelt die Bevölkerung vom 1. Mai bis 20. Juni Bewegungsminuten für ihre Wohngemeinde und tritt in einer Kategorie gegen andere an.

Bewegung ist gefragt: Mit Biketouren sollen Bewegungsminuten gesammelt werden.

Bewegung ist gefragt: Mit Biketouren sollen Bewegungsminuten gesammelt werden.

Bild: PD

Ettiswil hat beim Anlass schon einige Male teilgenommen und organisiert in diesem Jahr als einzige Gemeinde im Kanton Luzern ein kostenloses Bewegungsprogramm für alle. Laut Präsidentin des Organisationskomitees, Zoe Stadler, werde in dieser speziellen Zeit die Umsetzung etwas anders ausfallen. «Doch das Ziel ist es, gerade in dieser Situation die Bewegung und somit die Gesundheit innerhalb der Gemeinde zu fördern und mehr Begegnungen zwischen den diversen Bevölkerungsgruppen zu schaffen. Und auch die Vereine, welche es während der Coronapandemie nicht einfach haben, sollen unterstützt werden.»

Das Gemeinde-Duell

Das «Coop-Gemeinde-Duell» von schweiz.bewegt ist ein nationales Programm zur Förderung von mehr Bewegung in der Schweizer Bevölkerung. Es wurde 2005 vom Bundesamt für Sport ins Leben gerufen. Im Jahr 2011 wurde die Gesamtverantwortung für das Projekt an die schweiz.bewegt GmbH übertragen. Die Bevölkerung sammelt via App Bewegungsminuten für ihre Wohngemeinde. Am Ende werden die drei «bewegtesten» Gemeinden jeder Kategorie mit einem Geldbetrag prämiert. Weitere Infos unter www.coopgemeindeduell.ch.

Bisher hat die Ettiswiler Bevölkerung über 70'000 Minuten via App gesammelt und steht in der Kategorie B, zu welcher Gemeinden mit einer Einwohnerzahl zwischen 2001 und 6000 gehören, auf Rang 20 von 666. Das führende Wangen liegt bereits bei über 932'000 Minuten. Mit dem Bewegungsprogramm vom 26. bis 31. Mai will Ettiswil nochmals ein paar Plätze gutmachen. «Dabei arbeiten wir mit unseren Vereinen wie der Laufgruppe, der Jugendriege oder der Frauenriege zusammen», sagt Stadler. So finden in den kommenden Tagen eine Biketour, eine Wanderung zum Naturlehrgebiet, ein After-Work-Workout, ein Kids-Spielturnier oder ein Plausch-OL statt – natürlich alles coronakonform. Sie sagt:

«Ich denke, es ist jetzt wichtiger denn je, die Leute aus ihren Häusern zu holen und für Bewegung zu motivieren.»

Bewegungsaktivität verringerte sich während des Lockdowns

Dieser Meinung ist auch David Dürr, kantonaler Dienststellenleiter Gesundheit und Sport. Aktuelle Zahlen zur Bewegungsaktivität im Kanton Luzern seien der Dienststelle nicht bekannt. Laut einer Studie waren vor vier Jahren 80,6 Prozent der Luzerner Bevölkerung körperlich aktiv, deutlich mehr als der Schweizer Durchschnitt (75,7 Prozent). Dazu zählen Personen, die wöchentlich mindestens 2,5 Stunden mässige oder zweimal intensive körperliche Aktivitäten ausüben. «Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Bewegungsaktivität zumindest zu Beginn oder auch während des Lockdowns etwas zurückgegangen ist, da Sportstätten und Fitnesszentren schliessen mussten und viele Sportvereine weder Trainings noch Wettkämpfe durchführen konnten», sagt Dürr. Dies bestätigt eine nationale Studie von Gesundheitsförderung Schweiz, wonach 22 Prozent der erwachsenen Befragten berichteten, dass sie und ihre Kinder sich zu Beginn des Lockdowns weniger bewegt hatten als zuvor.

Bewegungsmangel kann zu gesundheitlichen Problemen führen.

Bewegungsmangel kann zu gesundheitlichen Problemen führen.

Bild: PD

Dabei ist es äusserst wichtig, sich fit zu halten. «Bewegungsmangel hat Auswirkungen auf die körperliche und psychische Gesundheit. Er kann zu Übergewicht und Fettleibigkeit führen oder diese verstärken, was zum Beispiel wiederum zu Herzkrankheiten oder Diabetes führen kann», sagt Dürr. Wer sich zu wenig bewegt, sei in der Regel psychisch unausgeglichener und könne sich schlechter konzentrieren. «Da hilft vor allem auch während eines Lockdowns beispielsweise ein Spaziergang oder eine Jogging-Runde auf dem Vitaparcours in der Mittagspause. Zudem gibt es zahlreiche Online-Angebote für zu Hause wie Yoga-Lektionen.»

Vorsicht vor Überlastungen

Auch die Suva rät, im Homeoffice täglich mehrere Bewegungseinheiten einzubauen. Doch worauf sollten Wiedereinsteiger achten? «Es empfiehlt sich, mit kürzeren und moderaten, dafür regelmässigen Trainingseinheiten zu beginnen. Zwischendurch sollte man dem Körper auch trainingsfreie Tage zur Erholung gönnen», sagt Natascha Obermayr, Mediensprecherin der Suva. Weiter rät sie:

  • Planen Sie Ihre Trainings und die Regeneration fix in Ihren Wochenplan ein. So verhindern Sie Überlastungen oder Trainingsunterbrüche. Beim Wiederbeginn mit sportlicher Betätigung sollte das Training dem körperlichen Fitnesszustand entsprechend angepasst werden.
  • Trainieren Sie konzentriert und bereiten Sie Geist und Körper vor dem Training mit Mobilisationsübungen vor. Es lohnt sich, ein vorgelagertes Aufwärmtraining und ein nachgelagertes Cooldown einzuplanen.
  • Verwenden Sie einwandfreies Sportmaterial. Sportausrüstung, die länger nicht benutzt wurde, sollte vor Gebrauch von einem Fachexperten überprüft werden.

Hinweis: Weitere Infos unter www.suva.ch und www.schweizbewegt.ch.