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Schweizer Meisterschaften aller Rassen: Wenn Hund und Herrchen harmonieren

In Altbüron fanden am Wochenende die Schweizer Meisterschaften aller Hunderassen statt. Ein Augenschein von nahezu perfektem Zusammenspiel zwischen Mensch und Tier.

Pascal Studer
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Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
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Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)
Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Impressionen der SKG Schweizermeisterschaft aller Rassen in Altbüron. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Sonja Dietschi lächelt zufrieden: «Ich bin sehr stolz. Das ist die beste Qualifikation, die man erhalten kann – das haben wir bisher noch nie erreicht!» Um ihre Knie herum geht ihre Hündin Bliss. Die Labrador Retrieverin ist fünfjährig und hat zusammen mit ihrem Frauchen gerade an den SKG Schweizer Meisterschaften aller Rassen in Altbüron eine hervorragende Leistung gezeigt. «Excellent – le chien travaille rapidement et correctement», sagte die Jurorin aus der Romandie, welche die ganze Übung der Disziplin «Führigkeit Begleithunde» akribisch mit Klemmbrett und Kugelschreiber beobachtet hatte. Am Schluss gab es 96 Punkte, maximal wären 100 zu erreichen gewesen. 

Sonja Dietschi mit ihrer Hündin Bliss in Aktion. Im Hintergrund beobachtet die Jurorin die beiden haargenau. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Sonja Dietschi mit ihrer Hündin Bliss in Aktion. Im Hintergrund beobachtet die Jurorin die beiden haargenau. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Dass die Arbeit des eingespielten Zweiergespanns das Prädikat «vorzüglich» erhält, überrascht Mike Greub, Präsident der Technischen Kommission für das Gebrauchs- und Sporthundewesen (TKGS) nicht. Auch er steht in der Menge am Rande des Sportplatzes, auf welchem normalerweise der lokale Fussballklub FC Algro spielt, und hat der ganzen Übung aufmerksam zugeschaut. Er meint: «Die Grundübung war perfekt und auch den Sprung hat Bliss perfekt gemeistert.» Dafür gibt es Applaus von der Menge – auch vom TKGS-Präsidenten.

Kleinigkeiten können entscheidend sein

Doch ein Laie wird sich gefragt haben: Was macht denn eine ausgezeichnete Übung aus? Mike Greub verweist auf die Prüfungsordnung, erklärt dann aber exemplarisch:

«Der Hund muss für eine gute Übung das Kommando richtig annehmen und freudig ausführen.»

So kann es beispielsweise leichte Abzüge geben, wenn der Hund ein Holzstück, welches er zum Herrchen oder Frauchen bringen muss, unruhig in der Schnauze hält oder in entscheidenden Momenten eine falsche Position einnimmt.

Es sind also Nuancen, die über die Qualität einer Übung entscheiden können. Beispielhaft geschehen ist dies beim Vorgängerpaar von Bliss und Sonja Dietschi: Jannetje Fink mit ihrer Hündin Babsi von der Stadt Dachau. Bei der letzten Übung setzte der Zwergschnauzer zu früh zum Sprung an, was die Jurorin nicht goutierte. Mike Greub erklärt: «Das war entscheidend, für diese Figur gibt es keine Punkte.» Explizit heisst dies: Während die ausgezeichnete Leistung von Bliss 96 Punkte gab, erhielt seine Vorgängerin nur 62.

Während Babsi das Holz souverän ihrem Frauchen zurückbrachte, setzte sie am Schluss zu früh zum Sprung an. Das gab einen grossen Punkteabzug. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Während Babsi das Holz souverän ihrem Frauchen zurückbrachte, setzte sie am Schluss zu früh zum Sprung an. Das gab einen grossen Punkteabzug. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Noch ist der Kampf um die Krone in der Disziplin Begleithunde allerdings nicht entschieden. Es stehen nämlich noch zwei weitere Übungen an. Zeit genug also für Babsi und Jannetje Fink, das Feld von hinten aufzurollen. Ohnehin muss bei aller Qualität beachtet werden, dass es sich hier um Hunde handelt, die trotz einer langjährigen Ausbildung Emotionen wie beispielsweise Nervosität verspüren. «Das sind Hunde, keine Maschinen», stellt ein Zuschauer klar.

Weitläufiges Gelände

Doch das Wettkampfareal der Schweizer Meisterschaften aller Rassen beschränkt sich nicht nur auf die beiden Fussballplätze des FC Algro. Auch in den Wäldern und Feldern Altbürons wird um die verschiedenen nationalen Meistertitel gekämpft. So rennen die Sanitätshunde in atemberaubender Geschwindigkeit durch das Unterholz des Altbüroner Waldes.

«Ein temperamentvoller Hund»: Alf sprintet energisch durch den Altbüroner Wald und wird dafür von der Jurorin gelobt. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

«Ein temperamentvoller Hund»: Alf sprintet energisch durch den Altbüroner Wald und wird dafür von der Jurorin gelobt. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Steve Dind und sein Hund Alf sind eines von 21 Paaren, welches den Schweizer Meistertitel in der Kategorie «Sanitätshunde» erringen will. Die beiden nehmen das erste Mal an diesem Wettbewerb teil, haben durch den Schweizer Alpenclub (SAC) aber bereits praktische Erfahrungen gesammelt. Das heisst: Diese zwei sind im Notfall in der Lage, Leben zu retten. Nun haben sie eine halbe Stunde Zeit, um ihr Können zu beweisen. Mike Greub erklärt den Ablauf:

«Auf einer Waldfläche von 400 auf 120 Metern liegen drei Personen und ein Rucksack an verschiedenen Stellen. Diese muss der Hund finden.»

Etwa ein Dutzend Leute schauen der Übung der beiden zu. Auch diese findet unter der Beobachtung einer Jurorin statt, welche insgesamt 200 Punkte verteilt. 30 Punkte Abzug gibt es beispielsweise, wenn der Hund eine Person, welche eigentlich ein Unfallopfer simuliert, nicht findet. Etwas weniger schlimm ist es, wenn der Hund diese falsch anzeigt – dann zieht die Jurorin nur drei Punkte ab.

Alf und Steve Dind bei der Arbeit, beobachtet durch die Jurorin in grüner Jacke. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Alf und Steve Dind bei der Arbeit, beobachtet durch die Jurorin in grüner Jacke. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Letzteres ist Alf nach einer bis dahin souveränen Leistung geschehen. Nach etwas mehr als der Hälfte der Übung zeigt er Steve Dind an, dass er eine Person – oder wie es im Fachjargon heisst: einen «Figuranten» – gefunden hat. Herrchen und Jurorin spurten dann gleichermassen dem Hund ins Dickicht nach, um dann festzustellen, dass es sich um eine falsche Fährte gehandelt hat. Auch andere Aspekte hatten Abzüge zur Folge: Alf musste während der Übung strullern. Insgesamt holten die beiden dennoch 178 von 200 Punkten.

Zurück auf dem Gelände des FC Algro. Es herrscht emsiges Treiben, in der Mitte steht ein Kaffeestand, rundherum können die Besucherinnen und Besucher Merchandising-Artikel kaufen. Mike Greub begrüsst viele ihm bekannte Gesichter, schüttelt Hände. «Man ist schon ein bisschen eine Familie», sagt er.

Sehnsüchtige Blicke: Die Hunde sind mehr als blosse Haustiere – sie sind Familienmitglieder. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Sehnsüchtige Blicke: Die Hunde sind mehr als blosse Haustiere – sie sind Familienmitglieder. (Bild: Pius Amrein, Altbüron, 16. November 2019)

Innige Beziehungen haben aber insbesondere auch Hund und Herrchen. Das spürt man nicht nur, wenn man Alf und Steve Dind zuschaut. Auch bei Sonja Dietschi und ihrer Hündin Bliss kommt man nicht umher, eine tiefe gegenseitige Zuneigung zu verspüren. Dietschi sagt:

«Bliss ist für mich nicht nur einfach eine Hündin – sie ist ein Familienmitglied.»