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Interview

Schweizer Regionalpolizist patrouilliert jetzt in New Orleans

Urs Brechbühler (35) war fünf Jahre Polizist in Zofingen. Was er im Wiggertal gelernt hat, wendet er nun auch am Mississippi an.
Interview: Roger Rüegger
Urs Brechbühler (35) arbeitet heute als Polizist in New Orleans. (Bild: PD)

Urs Brechbühler (35) arbeitet heute als Polizist in New Orleans. (Bild: PD)

Vor zwei Jahren trugen Sie die Uniform der Regionalpolizei Zofingen. Nun sind Sie Cop in New Orleans. Ist es eine völlig andere Welt?

Urs Brechbühler: Es ist schwer zu vergleichen. New Orleans ist für Schweizer Verhältnisse eine Grossstadt. Mit der Agglomeration sind wir im Millionenbereich, mit zusätzlich täglich 100'000 Touristen. Die Arbeit ist vielseitiger.

Heisst vielseitig gefährlich?

Es gibt mehr Gewaltdelikte. In der Schweiz erlebte ich selten einen bewaffneten Raubüberfall. Hier ist dies eines der häufigsten Taten. Jeden dritten Tag registrieren wir ein Tötungsdelikt.

Sie haben in Hitzkirch bereits die Polizeischule absolviert. Wurde Ihnen dies bei der Academy angerechnet?

Jeder Rekrut legte das volle Programm ab. Ich war nicht der einzige, der zuvor Polizist war.

Ist das Training in einer der gefährlichsten Städte härter?

Militärischer. Mit einer hohen Ausfallquote. Das Training beim New Orleans Police Departement (NOPD) muss jeder durchlaufen, unabhängig seiner vorherigen Tätigkeit. Einer diente 30 Jahre bei der New York State Police, auch er musste da durch.

In einer SRF-Reportage rennen Sie singend in einer Formation durch die Strassen. War das inszeniert?

Das ist authentisches Training.

Wieso in New Orleans?

Meine Frau, eine Amerikanerin, hatte Heimweh. Sie studierte an der Loyola University. Weil New Orleans Greencard-Holder einstellt, also Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung, sind wir hier.

Sind Sie einander in einem Jazz-Club begegnet?

Wir lernten uns in Thailand kennen, als ich bei der Schweizer Botschaft in Sri Lanka und sie in Taiwan arbeitete. Als ich Ferien in Bangkok machte, organisierte sie eine Ausstellung. 2014 besuchten wir ein Jazz-Fest in New Orleans. Ich kam mit Polizisten ins Gespräch und tauschte Uniformabzeichen aus. Einer meinte, ich solle mich bewerben. Ich schmunzelte. Damals war es kein ernsthafter Gedanke.

Gehen Sie noch in Clubs?

Der 8. Bezirk mit dem French Quarter und dem Superdome ist mein Einsatzgebiet. Dort nicht. Die kriminellen Leute in dieser Gegend kennen mich und ich sie. Auch in Zivil werde ich als Polizist wahrgenommen. Wenn ich einen Dealer an der Bourbon Street festnehme und anderntags dort privat mit einem Bier gesehen werde, macht sich das nicht gut. Ich würde mich auch einem Risiko aussetzen.

Wie aktiv sind die Polizisten auf Pferden?

New Orleans hat eine der grössten Reiterstaffeln der USA. Das berittene Corps ist wertvoll bei Grossanlässen, wenn sich eine Schlägerei anbahnt oder bei der Verfolgung zu Fuss flüchtender Täter. Pferde sind ein sehr gutes deeskalierendes Mittel.

Wie sind Sie auf Patrouille?

Alleine mit einem Chevy Tahoe.

Sie waren bei der KFOR und räumten Minenfelder in Afghanistan. Mögen Sie es, wenn’s brenzlig wird?

Ich war ein guter Soldat, zuletzt als Hauptmann bei der Luftwaffe. Vermutlich bin ich auch ein guter Polizist. Für mich stimmt es so, wie es ist.

Ihre Kollegen nennen Sie Bruce Willis. Warum?

Die Frage habe ich nie gestellt. Beim Training ging ich motiviert zur Sache und ich half Kameraden, wenn ich konnte. Den Spitznamen habe ich bestimmt auch dank meiner Frisur. Zudem war ich einer der Ältesten.

Drohungen gegen Beamte nehmen in der Schweiz zu. Wie erlebten Sie das?

Provoziert und geschubst wird man als Polizist in der Schweiz ab und zu. In den USA gilt das als schwere Körperverletzung. Wer einen Polizisten anfasst, geht ins Gefängnis. Gewalt und Drohungen sind hier präsenter, aber die Polizei wird respektiert.

Das erstaunt, angesichts der vielen Gewaltverbrechen.

Die Hemmschwelle ist höher, Polizisten anzugreifen. Ist sie aber überschritten, wird es massiv. Der Angriff erfolgt meist mit einer Waffe. Aber es gibt viele anständige Bürger. Nicht selten wird einem Cop der Kaffee von Fremden bezahlt, die sich bei ihm für seine Arbeit bedanken.

Lieben Sie New Orleans?

Mir gefallen die Kultur und das Essen. Die Leute sind locker drauf. An den Lifestyle hier kann man sich schnell gewöhnen.

Was gefällt Ihnen nicht?

Die 16-Stunden-Schicht am Mardi Gras, dass es bei Regen immer irgendwo eine Überschwemmung gibt und der schlechte Zustand vieler Strassen. Auch fehlen mir manchmal Schnee und gute Schokolade.

Sie wurden bereits zum Polizisten des Monats gekürt. Was haben Sie angestellt?

Keine Ahnung. Vermutlich wird man für gute Arbeit belohnt. Das hat damit zu tun, dass ich die Delikte dank «Community Policing» reduzieren konnte. In der Schweiz ist das bürgernahe Polizeiarbeit und ist Teil der Prüfung. Wir greifen nicht nur restriktiv ein, sondern suchen Lösungen. Mit Bevölkerung, Sozialdiensten und Betroffenen.

Fanden Sie den Traumberuf?

Eigentlich wollte ich Lokführer werden. Weil ich durch Fleiss und Wille Polizist wurde, mit Frau und zwei Söhnen in einem Haus lebe, habe ich uns tatsächlich einen Traum verwirklicht.

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