Schweizer Studie: So fussgängerfreundlich ist die Stadt Luzern

Der Städtevergleich «GEHsund» zeigt, wo dem Fussverkehr in grossen Schweizer Städten ein höherer Stellenwert eingeräumt werden soll. Luzern heimst mit der Gestaltung des Hirschmattquartiers und des Grendels Lob ein, bewegt sich aber «nur» im Mittelfeld.

Salome Erni
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Wie geeignet sind Schweizer Städte für Fussgänger und Fussgängerinnen? Das Projekt «GEHsund – Städtevergleich Fussverkehr» wurde von der Umweltorganisation «Umverkehr», «Fussverkehr Schweiz» und der Hochschule für Technik Rapperswil ins Leben gerufen und verglich erstmals die Fussgängerfreundlichkeit in 16 Schweizer Städten.

Fussgänger am Schwanenplatz.

Fussgänger am Schwanenplatz.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2020)

Die Fussgängerinfrastruktur in Schweizer Städten lasse generell zu wünschen übrig. «Es werden im Durchschnitt nicht einmal zwei Drittel der gestellten Anforderungen erreicht», schreibt Umverkehr. Die Spanne des Gesamtergebnisses des Fussgängertests reicht von 66 Prozent in Aarau bis 59 Prozent in Bellinzona (siehe Grafik).

Erreichte Anforderungen je Element und Stadt. Die Prozentangabe bezieht sich auf das Gesamtergebnis des Fussverkehrstests.

Erreichte Anforderungen je Element und Stadt. Die Prozentangabe bezieht sich auf das Gesamtergebnis des Fussverkehrstests.

Bild: PD

Das Spektrum ist klein, aufgefächert nach den Kategorien Strecken, Haltestellen, Querungen und Plätze sind die Unterschiede schon grösser: Luzern kann beispielsweise bei den Strecken, Querungen (zweitbeste Wertung) und Plätzen punkten, bei den Haltestellen weist die Stadt jedoch tiefe Werte auf.

In der Online-Bevölkerungsumfrage zeigt sich, dass die befragten Personen allgemein unzufrieden sind mit dem Thema «Velos auf Trottoirs». In keiner Stadt erhält die Aussage «Velos fahren nur dort, wo es erlaubt ist» mehr als die Hälfte der Punkte. Kritikpunkte sind auch Verkehrslärm, auf Gehwegen parkierte Autos und ein mangelndes Sicherheitsgefühl bei Nacht. Positiv bewerten die Teilnehmenden der Umfrage hingegen, dass ihnen auf Fussgängerstreifen der Vortritt gewährt wird und die Gehwege direkt und gut unterhalten seien.

Die Stadt Luzern liegt im Mittelfeld

Ob beim Anteil der Fussgänger- und Begegnungszonen, der Tempo-30-Zonen oder der Anzahl Fussgängerstreifen: stets bewegt sich Luzern im Mittelfeld. Die Quartiere Hirschmatt und Grendel sowie das Konzept der «Netten Toilette» und die vielen Trinkbrunnen hebt der Bericht aber als besonders positiv hervor.

Am Grendel räumte die Stadt Luzern den Fussgängern und Fussgängerinnen Platz ein.

Am Grendel räumte die Stadt Luzern den Fussgängern und Fussgängerinnen Platz ein.

Manuela Jans-Koch (Luzern, 23. April 2020)

Kritik in Bezug auf die Infrastruktur wird von GEHsund bezüglich der «Bettelampeln» geübt. Bei den Ampeln, die nur auf Knopfdruck für die Fussgänger auf grün schalten, gebe es «viel zu lange» Wartezeiten, so der Bericht. Auch Bushaltestellen werden bemängelt, da viele zu wenig Platz für Wartende bieten und keine Beleuchtung aufweisen.

«Goldene Schuhbürsten» werden verteilt

Während Aarau die beste Infrastruktur hat, wird Chur von der Bevölkerung gelobt und Basel erhält positives Feedback für seine Planungspraxis. Insgesamt erhalten fünf Städte eine goldene Schuhbürste. Wie dem Medienbericht zu entnehmen ist, symbolisiere dies, dass «die Stadt zwar gut abgeschnitten hat, aber weiter an der Fussgängerfreundlichkeit polieren muss, um zu brillieren». Luzern ging bei der Preisverleihung leer aus.

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