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SCHWEIZERGARDE: Darum haben so viele Luzerner die Garde kommandiert

Aus keinem Kanton stammen mehr Gardekommandanten als aus Luzern. Der Historiker Urban Fink erklärt, warum Zürich diese Dominanz ermöglichte – und in welchem Punkt die Walliser die Nase vorne haben.
Raphael Zemp
Historiker Urban Fink: «Luzern hatte nicht nur in Glaubensfragen eine Führungsrolle, sondern auch in weltlicher Hinsicht.» (Bild: Archiv LZ)

Historiker Urban Fink: «Luzern hatte nicht nur in Glaubensfragen eine Führungsrolle, sondern auch in weltlicher Hinsicht.» (Bild: Archiv LZ)

Morgen werden in Rom 33 Schweizergardisten vereidigt. Dabei schaut die gesamte Luzerner Regierung zu. Doch auch der aktuelle Gardekommandant, Christoph Graf, ist ein Luzerner. Nichts aussergewöhnliches, wie ein Blick in die Geschichte zeigt: 24 der 35 Schweizergardekommandanten stammen aus dem Kanton Luzern. Zudem war das Gardekommando während mehr als 300 Jahren ausschliesslich in Luzerner Hand, von 1548 bis 1878. Wie sich das so ergeben hat und was das mit der Reformation zu tun hat, erklärt Urban Fink. Der Historiker, Theologe und Geschäftsleiter der Inländischen Mission in Zug ist ein ausgewiesener Schweizergarde-Kenner.

Urban Fink, mehr als zwei Drittel aller Gardekommandanten stammen aus dem Kanton Luzern. Ist das ein Zufall?

Keineswegs. Die Luzerner Dominanz muss man vor dem Hintergrund der Reformation betrachten. Zwei der drei ersten Kommandanten stammten aus dem einstmals sehr katholischen Kanton Zürich, aus dem angesehenen Geschlecht Röist. Kaspar Röist starb 1527 gar als Gardekommandant während des Sacco di Roma, der Plünderung Roms. Erst als sich Zürich auf die Seiten der Reformierten schlug, rutschte der Kanton Luzern in seine Vorreiterrolle unter den katholischen Ständen der Schweiz. Diesen Anspruch erhob er bis weit ins 19. Jahrhundert.

Wie schaffte es der Kanton Luzern über Jahrhunderte, seinen Einfluss auf das prestigeträchtige Amt des Gardekommandanten auszuüben?

In diesem Zusammenhang spielt die päpstliche Botschaft in Luzern eine zentrale Rolle. Ab 1586 bis 1873 hatte der Vatikan meist einen Nuntius oder Geschäftsträger in Luzern stationiert. Weil Luzern nicht nur in Glaubensfragen eine Führungsrolle unter den katholischen Kantonen innehatte, sondern auch in weltlicher Hinsicht. Hier boten sich dem Kanton Luzern Einflussmöglichkeiten, die andere Kantone nicht hatten.

Welche Rolle haben dabei persönliche Beziehungen gespielt?

Auch die waren entscheidend. Den Posten des Gardekommandanten mit Luzernern zu besetzen war einerseits im Interesse des Kantons aber auch in jenem des abtretenden Gardekommandanten. So ist es auch kein Zufall, dass sich die Spitze der Schweizergarde während Jahrhunderten ausschliesslich aus der Luzerner Führungsschicht alimentiert hat. In diesem Punkt haben sich also politisch-religiöse Bestrebungen vom Kanton sowie Privatabsichten verbündet.

Warum riss die über 300-jährige Serie von Luzerner Gardekommandanten 1878?

Im Zuge des Kulturkampfes zwischen romtreuen Katholiken und antiklerikalen Liberalen wurde die päpstliche Nuntiatur in Luzern 1873 aufgehoben. Damit fiel eine wichtige Einflussmöglichkeit weg. Zudem war der Kanton Luzern nach 1848 Teil des säkularen Schweizerischen Bundesstaates. Mit der Trennung von Kirche und Staat ist der Einfluss aber auch das Interesse am Amt des Schweizergarde-Kommandanten kleiner geworden oder ganz verschwunden.

Welches Muster erkennen Sie seither in der Kantonszugehörigkeit der Gardeführung?

Keine. Wer sich am besten eignet, wird ins Amt berufen, wie bei jeder Stellenbesetzung. Grundsätzlich kann man sagen: Nach der Gründung des Bundesstaates und spätestens nach dem Kulturkampf präsentierte sich die Gesamtsituation grundlegend anders. Die Kantonsregierungen haben nicht mehr kirchliche Ziele. Zudem durchmischten sich die Konfessionen zunehmend. Entscheiden hierfür waren die wirtschaftlichen Entwicklungen. Diese erklären auch, warum etwa viele Luzerner ins «reformierte» Zürich zogen.

Es stammen zwar viele Kommandanten aus Luzern, was die Anzahl Gardisten betrifft, schwingt aber der Kanton Wallis mit bisher über 700 Gardisten oben aus. Warum?

Auch hier sind ökonomische Faktoren entscheidend. Das Wallis war bis weit ins 20. Jahrhundert eine wirtschaftlich arme Region – wesentlich ärmer als der Kanton Luzern. Entsprechend attraktiv war der Dienst in der Schweizergarde. Dieser Mechanismus wirkt übrigens noch heute: Die Garde bekundet immer dann Nachwuchsschwierigkeiten, wenn die Wirtschaft floriert.

Interview: Raphael Zemp

raphael.zemp@luzernerzeitung.ch

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