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SCHWIMMUNTERRICHT: Neue Idee: Ab in den See

Primarschulen müssen ab nächstem Schuljahr Schwimmunterricht anbieten. Einige Gemeinden haben jedoch Mühe, diese Auflage zu erfüllen. Die Lebensrettungsgesellschaft will deshalb auch in Seen unterrichten – wie in Norwegen.
Der beste Ort, um Schwimmen zu lernen, ist ein Gewässer. Dieser Meinung ist die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft. (Bild: Keystone/IBA-Archiv)

Der beste Ort, um Schwimmen zu lernen, ist ein Gewässer. Dieser Meinung ist die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft. (Bild: Keystone/IBA-Archiv)

Sebastian Hofer
sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

An den Luzerner Volksschulen gilt ab dem nächsten Schuljahr der Lehrplan 21 für den Kindergarten und die 1. bis 5. Primarschule. Darin ist auch der obligatorische Schwimmunterricht verankert. Für viele Schulen ist es aber eine grosse Herausforderung, die Auflagen des Kantons zu erfüllen – besonders, weil vielen Gemeinden kein Hallenbad in unmittelbarer Nähe zur Verfügung steht. «Für uns ist der Schwimmunterricht in dem Umfang, wie es sich der Kanton vorstellt, undenkbar», sagte etwa Rolf Henzen, Schulleiter der Sekundarstufe Wolhusen, gegenüber unserer Zeitung (wir berichteten).

Die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) glaubt nun eine Lösung gefunden zu haben: In Zukunft sollen Gemeinden mit fehlender Infrastruktur den Schwimmunterricht in den umliegenden Gewässern durchführen. So soll nicht nur das Problem fehlender Hallenbäder gelöst, sondern auch die Wasserunfallprävention verbessert werden. Dabei könnte die SLRG auch gleich den Wasser-Sicherheits-Check anbieten, den alle Schüler am Ende der 4. Primarklasse absolviert haben müssen. Der Check umfasst drei Elemente: das Purzeln ins tiefe Wasser, sich eine Minute an Ort über Wasser halten und 50 Meter schwimmen können.

Fast alle Ertrinkungsunfälle in Seen und Flüssen

Der Sicherheitsaspekt ist im Lehrplan 21 erstmals neben dem allgemeinen Schwimmunterricht aufgenommen worden. Das freut die SLRG besonders, macht sie sich doch seit längerem für mehr Sicherheit am Wasser stark. Dies sei ein wichtiger Schritt in Richtung Unfallprävention. Laut Reto Abächerli, Geschäftsführer der SRLG, würde der Schwimmunterricht in der Schweiz meistens im Hallenbad angeboten – gemäss der SLRG-Ertrinkungsstatisik geschehen jedoch über 90 Prozent der tödlichen Ertrinkungsunfälle in Seen und Flüssen. «Deshalb wäre es nicht nur wegen der Infrastruktur für viele Gemeinden sinnvoll, den Schwimmunterricht auf Seen und Flüsse zu verlagern. Es würde den Schülern auch ermöglichen, an dem Ort zu lernen, wo die Unfälle tatsächlich geschehen.»

Schwimmunterricht soll auch im Winter möglich sein

Viele Gemeinden sind jetzt schon auf Freibäder angewiesen. Das macht sie jedoch vom Wetter abhängig, deshalb ist es auch schwierig, auf die vorgegebene Lektionszahl zu kommen: Die Umsetzung des Lehrplans 21 im Kanton Luzern sieht vor, dass der Schwimmunterricht schwerpunktmässig zwischen der 3. und 4. Primarklasse in mindestens neun Doppellektionen stattfinden sollte.

Das sei für einzelne Schulen eine schwierige, aber lösbare Aufgabe, meint Reto Abächerli: «Es ist uns klar, dass die Umsetzung für die Schulen mit einigem Aufwand verbunden ist. Der Lehrplan 21 lässt jedoch Spielraum bezüglich Zeit und Ort der Schwimmlektionen. Das heisst, man könnte besonders im Sommer mehrere Schwimmstunden, auch im See, anbieten und im Winter wieder reduzieren. Teile des Wassersicherheitsunterrichts könnten sogar im Winter in den Seen durchgeführt werden.» Laut Abächerli würde man sich in den kalten Monaten besonders theoretisch beschäftigen und nur kurze Zeit im Wasser verbringen. «Vor allem im Winter ist es wichtig zu wissen, wie man sich zum Beispiel bei Unterkühlung verhalten muss. Solche Fälle könnten mit praktischen Beispielen geübt werden.» In Norwegen werde dieses Konzept seit längerem an verschiedenen Orten angewendet. Bis in die Wintermonate finde der Schwimm- und Wassersicherheitsunterricht in den norwegischen Fjorden statt.

Pilotprojekt an Hochschulen bereits gestartet

In Zusammenarbeit mit der Beratungsstelle für Unfallverhütung sowie einzelnen pädagogischen Hochschulen hat die SLRG bereits ein Pilotprojekt, eine spezifische Ausbildung für Lehrpersonen, lanciert. Ziel ist, möglichst viele Lehrkräfte, passgenau die notwendigen Kompetenzen für einen sicheren Aufenthalt im und am Wasser zu vermitteln. Die erste Weiterbildungsmöglichkeit ist für Juni vorgesehen. «Es wäre natürlich von Vorteil, wenn zukünftige Lehrer bereits in der Grundausbildung geschult würden, um den neuartigen Schwimm- und Wassersicherheitsunterricht selbst ausführen zu können. Bereits ausgebildete Lehrer könnten aber immer noch die nötigen Kompetenzen durch Weiterbildungen erlernen», sagt Reto Abächerli.

Gemeinden sind offen für neue Vorschläge

«Wir sind mit unserer Idee seitens Lehrpersonen, Schulen sowie Erziehungsdirektionen auf sehr viel Interesse gestossen und glauben, dass unser Projekt eine gute Chance hat», sagt Abächerli. Mit der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern bestehe jedoch noch kein Kontakt. Die Gemeinde Hochdorf beispielsweise zeigt sich aber interessiert, wie Daniela Ammeter Bucher, Gemeinderätin des Ressorts Bildung und Wirtschaft, bestätigt. «Wie die SLRG sind wir der Meinung, dass der Schwimmunterricht in Seen und Flüssen dort wirkt, wo die meisten Gefahren bestehen. Es gibt zwar noch gewisse Details zu klären, für ein mögliches Projekt sind wir jedoch offen.» Es gäbe immer wieder seitens Lehrerschaft und Schülergruppen Unsicherheiten in Wassernähe. Deswegen würden von der Nutzung der Ressourcen vor Ort, für Schulung und Weiterbildung alle profitieren.
Reto Abächerli von der SLRG ist sich aber bewusst, dass noch Schwierigkeiten bevorstehen: «Der Weg in der Schweiz ist sicherlich noch ein langer. Doch wir sind uns sicher, dass wir mit diesem Projekt viel bewirken können.»

Bis jetzt fand der Schwimmunterricht im Hallenbad statt. (Symbolbild: Stefan Kaiser)

Bis jetzt fand der Schwimmunterricht im Hallenbad statt. (Symbolbild: Stefan Kaiser)

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