SCHWINGEN: Mit vereinten Kräften zur neuen Halle

Feierlich eröffneten die Rothenburger Schwinger gestern ihre neue Halle, die sie grösstenteils selbst gebaut haben. Für Aufregung sorgte ein ganz besonderer Gast.

Rahel Schnüriger
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Die 4- bis 8-jährigen Piccolos trainieren spielerisch in der neuen Rothenburger Schwinghalle. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Die 4- bis 8-jährigen Piccolos trainieren spielerisch in der neuen Rothenburger Schwinghalle. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Auf dem Weg über die Sportanlage Chärnsmatt hört man bereits Ländlermusik, Männer mit breiten Nacken kreuzen den Weg. Ein Mann erklärt einer Horde Buben, was sie mit den am Boden liegenden Steinen anstellen sollen. «Bin ich jetzt dran, bin ich jetzt dran?», fragt einer von ihnen stürmisch. Von hier sieht man hinüber zum Fussballplatz, wo gerade ein Turnier ausgetragen wird. Viel gemeinsam haben die beiden Sportarten nicht: Schwingen ist sogar bei den Besten nur ein Hobby. Dass die Männer bereit sind, viel in dieses Hobby zu investieren, haben die Rothenburger kürzlich bewiesen. Die letzten sechs Monate haben die Mitglieder des Schwingclubs Rothenburg ihre neue Halle mehrheitlich in Eigenregie aufgebaut – etwa 1500 Arbeitsstunden brauchten sie dafür. «Wir haben 20 Zimmerleute und dazu Schreiner, Bauern, Maurer, Maler und Elektriker im Club», sagt der Präsident Bruno Odermatt, «fast alles, was es braucht für so einen Bau.» Nur die Bodenplatten konnten sie nicht selbst einlegen. Die neue Schwinghalle präsentiert sich einfach, aber praktisch. Die grossen, weit geöffneten Türen spenden willkommene frische Luft.

Beim Hosenlupf. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
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Die neue Schwinghalle bei der Sportanlage Chärnsmatt in Rothenburg. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Das Training mit Kilian Wenger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Beim Training mit Kilian Wenger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Vincenzo Martoccia, rechts, und Dario Botta beim Greifen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sieg und Niederlage. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Der wohl jüngste Schwinger auf Platz. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Einer der zentralen Orte in der neuen Schwinghalle bei der Sportanlage Chärnsmatt. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Im Sägemehl. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Sandro Lopez, unten, und Thomas Bucher beim Kerngeschäft in der neuen Halle. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Das Rahmenprogramm: Jan Lustenberger beim Steinstossen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Valentin Jung. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Auch Silvio Wyrsch stösst den Stein so weit als möglich. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Der Griff. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Athelten von morgen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ
Natürlich dürfen die Glocken nicht fehlen. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Leandro und Livio im Sägemehl. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Piccolos am Trainieren. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Das zahlreiche Publikum bei der Eröffnung. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Das Training mit Kilian Wenger. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Piccolos beim Training. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Beim Hosenlupf. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Vom Keller an die Oberfläche

Für Bruno Odermatt ist das rote Gebäude mehr als eine Halle: Nachdem die Schwinger jahrelang im Keller trainierten, seien sie jetzt an die Oberfläche gekommen. Symbolisch für den Schwingsport, den Odermatt ebenfalls nicht verstecken will. Zeigen lässt sich der Club alleweil: Vor rund 15 Jahren fing Bruno Odermatt selber in Rothenburg an zu schwingen, als einziger Jungschwinger. Heute sind es 35, und auch bei den ganz kleinen Piccolo-Schwingern ist das Interesse bereits riesig. So führte der Boom zum «schönen» Problem: «Wir hatten irgendwann keinen Platz mehr in der alten Halle.»

Nationalturnen für die Kleinen

Zur gestrigen Eröffnung sollte denn ein Wettkampf aus Steinstossen, Steinheben und Schwingen den stärksten Rothenburger küren. Damit die Kleinsten auch mitmachen können, haben die Verantwortlichen auch Disziplinen aus dem Nationalturnen integriert, das ohnehin stark mit dem Schwingsport verbunden ist. «Das hat mit Bodenständigkeit und Heimatverbundenheit zu tun», sagt Odermatt. Ohnehin spüre er: «Die Leute wollen weg von der Cüpligesellschaft und hin zu Bratwurst und Pommes.» Ein Cüpli musste man gestern jedenfalls nicht in der Hand halten, um einen echten Schweizer Promi anzutreffen. Immer wieder hörte man die Kinder tuscheln, ob denn Kilian nun schon hier sei. Auch der 7-jährige Andri mochte nicht über das soeben absolvierte Steinheben sprechen: «Am meisten freue ich mich auf Kilian», sagte er stattdessen. Plötzlich standen die Leute auf, und ein Raunen ging durch die Runde, «är esch do», wurde rasch weitergetragen. Möglichst zufällig liefen einige an dem breitbeinigen Riesen vorbei, ein paar mutige Buben schüttelten ihm sogar mit grossen Augen und offenem Mund die Hand. Der grösste Applaus galt denn schliesslich auch dem Schwingerkönig statt dem gekürten stärksten Rothenburger Sven Lang. Doch das machte dem 15-Jährigen nicht viel aus: «Kilian Wenger zu treffen, war noch das grössere Highlight als der Sieg.» Wenger selbst war ob all dieses Ruhms nicht aus der Ruhe zu bringen. Geduldig lächelte er, schüttelte Hände, verteilte Autogramme und gab Auskunft. «Ich schätze diese Begegnungen sehr», sagte er, «es ist schön, für den Nachwuchs ein Vorbild sein zu dürfen.» Für eine gute Sache finde man «geng echli Ziit». Das erste Training gestern Nachmittag leitete dann auch gleich der Schwingerkönig selbst: «Ich will ihnen zeigen, wie man auf die Zähne beisst – schon beim Einlaufen», sagte er im Vorfeld. Und so kam es, dass die Kleinsten bereits nach den ersten Rumpfbeugen zu kämpfen hatten. «Aber natürlich will ich den jungen Schwingern auch den Spass am Sport weitergeben und zeigen, wie wichtig es ist, die Kollegschaft zu pflegen», sagte Wenger abschliessend. Für ihn sei es nach wie vor das, was das Schwingen so speziell mache. Das ganze Drumherum sei zwar gigantisch geworden. Aber der Sport sei eigentlich immer noch derselbe – «die Atmosphäre, die Zweikämpfe und der Geschmack des Sägemehls».