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SCHWINGEN: Schwingklubs buhlen um Stadtkinder

Die Stadt Luzern ist ein weisser Fleck auf der Landkarte der Schwinger. Kein einziger Aktiver wohnt in der Stadt. Das wollen zwei Schwingklubs nun ändern.
Training mit grossem Spassfaktor in der neuen Schwinghalle bei der Sportanlage Chärnsmatt in Rothenburg. (Archivbild Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Training mit grossem Spassfaktor in der neuen Schwinghalle bei der Sportanlage Chärnsmatt in Rothenburg. (Archivbild Corinne Glanzmann / Neue LZ)

Jonas von Flüe

Schwingen boomt. Die Zuschauerzahlen an den grossen Festen sind seit Jahren konstant hoch, das Schweizer Fernsehen überträgt am 26. Juli zum ersten Mal den Brünig-Schwinget live, und ein Schwingerkönig gehört längst zur Schweizer A-Prominenz. Doch die Anzahl Aktivschwinger stagniert seit geraumer Zeit bei etwa 3000. Der Schwingklub Luzern und Umgebung hat zwar nach wie vor über 500 Passivmitglieder, die Aktivschwinger könne man jedoch fast an einer Hand abzählen, sagt Guido Boog, langjähriges Vorstandsmitglied. Von den zwölf Athleten nehmen aber nur acht am Training teil. «Unser Klub durchlebt eine schwierige Zeit.» Prekär ist die Lage vor allem in der Stadt Luzern: Am diesjährigen Kantonalschwingfest in Inwil hat kein einziger Schwinger aus der Stadt teilgenommen, heute am Innerschweizerischen in Seedorf wird man einen «Stadtschwinger» ebenfalls vergebens suchen. Sprich: Es gibt momentan keinen Aktivschwinger aus Luzern.

Flyer an 2000 Buben

Die Schwingklubs Luzern und Umgebung und Rothenburg und Umgebung haben das Problem erkannt und wollen der jungen Stadtbevölkerung das Sägemehl schmackhaft machen. Gemeinsam planen sie eine grosse Charmeoffensive in Stadt und Agglomeration. Demnächst erhalten 2000 Buben im Alter zwischen 8 und 10 Jahren einen Flyer zum Thema «Faszination Schwingen». Die Knaben aus Luzern, Kriens, Horw und Emmen werden zudem an den eidgenössischen Schnuppertag eingeladen, der am 5. September unter anderem in Rothenburg und Malters über die Bühne geht.

«Das mangelnde Interesse an unserem Sport in der Stadt beschäftigt uns schon lange. Deswegen haben wir das Projekt lanciert. Wir sind uns bewusst, dass wir vor Ort gehen müssen, um die Kinder anzusprechen», sagt Bruno Odermatt, Präsident des Schwingklubs Rothenburg. Das Projekt «Faszination Schwingen» wollen die Schwingklubs in den nächsten beiden Jahren wiederholen. «Wir haben zwar bereits fast 50 Buben im Training, würden uns über Zuwachs jedoch freuen», sagt Odermatt.

Untätig waren die Klubs bisher keineswegs. Zum jährlich stattfindenden Schnuppertag habe man schon 1000 Einladungen verschickt, sagt Guido Boog, «aber wenn dann nur zehn Kinder erscheinen, ist das schon frustrierend».

Interessieren sich Stadtkinder überhaupt für den Schwingsport? «In der Stadt sind wir eine Randsportart und werden fast schon belächelt. Trotzdem wollen wir dort in Zukunft Fuss fassen», sagt Boog. Odermatt ergänzt: «Viele Kinder können mit dem Schwingen wohl nichts anfangen, aber es wohnen auch in der Stadt Kinder, die sich für unseren Sport interessieren.»

Der Dula-Schwingkeller fehlt

Ruedi Schweizer pflichtet Odermatts Aussage über die interessierte Stadtbevölkerung bei. Er ist Präsident des Schwingklubs Zürich, der mitten in der Stadt einen Schwingkeller hat, in dem mehrmals pro Woche geschwungen wird. «Der Traditionssport passt durchaus in die städtische Umgebung», sagt Schweizer. Momentan hat der Klub rund 25 Aktiv- und Jungschwinger. Damit der Nachwuchs nicht ausgeht, bietet der Klub immer wieder Schnuppertrainings an und ist auch in den Schulen aktiv. «Für städtische Verhältnisse sind wir mit der Anzahl Nachwuchsschwinger ganz zufrieden», sagt Schweizer. Doch auch in Zürich spielt Schwingen nur eine Nebenrolle, der Sport ist klar auf dem Land beheimatet.

Während grosse Städte wie Zürich, Bern und St. Gallen über Schwingkeller verfügen und der Sport für Kinder und Schulen so durchaus attraktiv ist, sucht man in Luzern vergebens nach einer geeigneten Trainingsstätte. Das war aber nicht immer so. Bis ins Jahr 2005 wurde im Dula-Schwingkeller im Säliquartier eifrig geschwungen. Insgesamt 71 Hallenschwingete wurden dort ausgetragen. Der Schwingkeller wurde für Zusammenzüge genutzt und bot den Schwingern beinahe luxuriöse Bedingungen.

Doch der Dula-Schwingkeller musste bei der grossen Sanierung des Schulareals weichen, der Schwingklub Luzern und Umgebung verlor seine Basis in der Stadt und ist seither in Malters beheimatet. «Dort haben wir optimale Bedingungen. Aber wir wussten nicht, was der Wegzug aus der Stadt für Konsequenzen mit sich bringt», sagt Guido Boog. Heute würde man wohl anders entscheiden und eine Halle in Stadtnähe suchen. Schwinger aus der Stadt seien aber bereits in den 1990er-Jahren Mangelware gewesen.

Weiter Weg zum Training

Seit dem Umzug ist der Schwingsport für Kinder und Jugendliche, die in der Stadt wohnen, noch unattraktiver geworden. Zum Training müssten sie entweder nach Malters, nach Rothenburg oder nach Root. Auch wenn überall gute Trainingsmöglichkeiten herrschen, nimmt den Weg momentan niemand auf sich. Das Sportangebot in der Stadt bietet genug Alternativen. «Wenn die Nachfrage da wäre, würden wir auch einen Shuttlebus nach Malters anbieten», sagt Boog.

Ob in Zürich oder in Luzern: Früher war die Zahl der «Stadtschwinger» um einiges höher. Die Luzerner waren gar richtig erfolgreich. 1974 war es, als zum letzten Mal ein in der Stadt wohnhafter Schwinger das Innerschweizerische gewonnen hatte: Josef Burch, ein Obwaldner, der nach Luzern umgezogen war, um bei der Stadtpolizei zu arbeiten. Auch der Innerschweizer Sieger 1949/50, Hans Gisler, wohnte wegen der Arbeit in der Stadt, wo er in der 1933 eröffneten Dula-Halle optimale Trainingsbedingungen vorfand. «In den 1950er- und 1960er-Jahre hatten wir viele Bündner und Berner, die wegen der Arbeit nach Zürich kamen», sagt Ruedi Schweizer.

Ganz verschwunden ist der Schwingsport in der Stadt aber nicht: Im Inseli erinnert das Schwingerdenkmal an die Zeiten, als auch in Luzern noch regelmässig geschwungen wurde.

Hinweis

Mehr Infos zu den Schwingklubs im Kanton Luzern finden Sie unter www.lk-sv.ch

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