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SCHWINGEN: Sein Wort ist für die «Bösen» Gesetz

Giuseppe Cerbo aus Zell ist Italiener und war nie im Sägemehl aktiv. Der 40-Jährige erzählt, wie er sich als Cerbo Giuseppe in der Schwingsaison, die am 8. April mit dem Surentaler Frühjahrsschwingfest in Sursee beginnt, als Kampfrichter durchsetzt.
Roger Rüegger
Kampfrichter Cerbo Giuseppe (40). (Bild: Boris Bürgisser (Zell, 17. März 2017))

Kampfrichter Cerbo Giuseppe (40). (Bild: Boris Bürgisser (Zell, 17. März 2017))

Cerbo Giuseppe, Sie haben nicht die Statur eines Bösen.

Ich bin ja auch Kampfrichter und nicht Schwinger.

Was mit 40 Sinn macht. Aber früher ...?

... habe ich als typisches «Tschinggeli» Fussball gespielt.

Als Ex-Fussballer, der nie geschwungen hat, geben Sie Punkte und urteilen, wenn ein Gang beendet ist?

Genau das ist meine Aufgabe.

Vermutlich herrscht kein Überfluss an Kampfrichtern, was Ihr Engagement auszeichnet. Doch wäre es nicht naheliegender und einfacher, als Fussballschiedsrichter zu agieren?

Naheliegender schon, einfacher aber bestimmt nicht. Schiedsrichter auf dem Fussballplatz käme für mich nie in Frage.

Nie? Warum?

Weil Fussball nicht mehr glaubhaft ist. Was auf dem Platz abgeht, stimmt für mich nicht mehr.

Wie meinen Sie das?

Weil jeder Pfiff des Schiris diskutiert und kommentiert wird.

Ist der Umgang mit Schwingern einfacher?

Ganz klar. Zumindest so, wie ich es in meinen drei Jahren als Kampfrichter erlebte. Wenn ein Entscheid gefällt ist, gibt es in der Regel keine Diskussion.

Von den Jungschwingern bis zu den wirklich Guten?

So erlebte ich es bis jetzt.

Die Schwinger sind bekannt für ihre Fairness. Aber es geht um mehr als nur Ruhm und Ehre. Versuchen die nicht auch, die Richter zu beeinflussen? Gerade wenn einer nie aktiver Schwinger war?

Es ist immer schwierig, wenn nicht Weite, Höhe oder Zeit gemessen werden. Im Schwingen gibt es ein technisches Regulativ. Gemäss diesem entscheiden wir. Es spielt keine Rolle, ob ein Richter aktiv war. ­Zumal pro Sägemehlring drei Kampfrichter, bestehend aus Platzkampfrichter und zwei Tischrichtern, bestimmt werden.

Also versuchen die Schwinger ab und zu zu schummeln oder nicht?

Die haben schon ihre Tricks. Zum Beispiel versuchen sie beim Greifen, Vorteile herauszuholen oder künstliche Pausen zu schinden. Man muss hellwach sein und durchgreifen. Wir haben die Möglichkeit, Verwarnungen auszusprechen. Auch Punktabzug ist eine Option. In der Regel sind die Kämpfe fair. Nach einem Gang putzt der Sieger dem Verlierer den Rücken. Das zeugt von Freundschaft und Sportsgeist.

Wie bereiten sich Kampfrichter auf Wettkämpfe und die Saison vor?

Ich bin oft im Schwingkeller Willisau bei Trainings als Kampfrichter. Und ich besichtige Trainings von anderen Clubs. Letzthin besuchte ich ein Training von Sempach Matthias. Ohne zu richtern zwar, aber von solchen Besuchen profitiere ich viel.

Wie bilden Sie sich weiter?

Wir müssen regelmässig Kurse besuchen. Da werden wir mit praktischen Elementen, Theorie und Videoanalysen geschult.

Wann kommt der Tag, an dem Giuseppe selber in den Ring steigt?

Die vom Schwingclub Wiggertal wollen mich schon lange im Sägemehl sehen. Aber für mich kommt das nicht mehr in Frage. Meine Knochen sind nicht mehr so geschmeidig, zudem bin ich doch schon ein wenig zu alt.

Warum haben Sie nicht als Junior damit angefangen?

Es hat sich nie ergeben. Damals war Schwingen nicht populär. Gereizt hätte es mich schon – und ich gestehe, das tut es immer noch.

Scheint so. Warum wurden Sie Kampfrichter?

Der Präsident unserer Trychlergruppe Buretrychler Hinterland ist Kampfrichter. Er hat mich in ein Training mitgenommen. So zog es mir den Ärmel rein.

Giuseppe ist ein Trychler?

Ja, ich habe Freude an Schweizer Bräuchen. Geisslechlöpfe ist ein weiteres Hobby von mir.

Werden Sie oft aufgeboten?

In dieser Saison bin ich bei 13 Anlässen als Kampfrichter dabei.

Da haben Ihre Frau und die beiden Kinder nicht viel vom Vater während der Saison?

Mein achtjähriger Sohn Mattia ist selber seit zwei Jahren Jungschwinger. Dieses Jahr sind wir bei drei Schwingfesten zusammen gleichzeitig im Einsatz. Aber Sie sagen es, ein Kampfrichter braucht eine tolerante Familie.

Ist der Job hart?

Von morgens um 7 bis am Nachmittag gegen 17 Uhr ist man praktisch immer auf dem Platz. Konzentriert und bei jedem ­Wetter. Zudem müssen wir uns weiterbilden.

Dann kommt Ihnen Ihre südländische Herkunft im Hochsommer entgegen?

Schauen Sie mich an. Mit meiner hellen Haut habe ich enormen Verschleiss an Sonnencreme.

Dafür haben Sie bestimmt grosszügige Spesen.

Sagen wir es so: Für Verpflegung ist gesorgt. Ansonsten muss man viel Freude am Schwingen haben.

Was macht den Reiz aus?

Seit dem letztjährigen Luzerner Kantonalen in Escholzmatt weiss ich es. Als ich auf dem Platz stand und 5000 Zuschauer jubelten, spürte ich einen kalten Schauer. Es war ein unglaubliches Gefühl, Teil von etwas Grossem zu sein.

Welches war Ihr beeindruckendster Moment?

Als ich zum ersten Mal nicht von der Tribüne aus dabei war, sondern als Kampfrichter im Ring stand, wurde ich nervös, da ich alles richtig machen wollte

Das Publikum gilt wie die Sportler als fachkundig und anständig. Dennoch gibt es vermehrt Pfiffe bei Schwingfesten. Warum?

Sie sprechen das Eidgenössische an, wo dermassen viele Leute auf den Tribünen sassen. Es ist ein Volksfest geworden mit Leuten, die den Sport nicht gut kennen. Es sind also meistens nicht die Schwinger und die Freunde des Schwingsports, die pfeifen und sich unfair verhalten.

Interview: Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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