Schwingerkönig Stucki gewinnt die Herzen der Senioren

Das Pflegewohnheim Bärgmättli in Beromünster hatte Christian Stucki zu einer gemütlichen Fragestunde eingeladen – und dieser kam tatsächlich.

Adrian Venetz
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Ein Grossteil der 80 Bewohner im «Bärgmättli» lässt es sich nicht entgehen, wenn Schwingerkönig Christian Stucki zu Besuch ist.

Ein Grossteil der 80 Bewohner im «Bärgmättli» lässt es sich nicht entgehen, wenn Schwingerkönig Christian Stucki zu Besuch ist.

Bild: Patrick Hürlimann (Beromünster, 28. Februar 2020)

Egli-Knusperli stehen an diesem Freitag auf dem Tagesmenü im Pflegewohnheim Bärgmättli in Beromünster. Dass der Egli der Fisch des Jahres 2019 ist, dürfte die wenigsten Bewohner interessieren. Zu gross ist die Aufregung, weil sich am Nachmittag noch viel höherer Besuch angekündigt hat: der Sportler des Jahres 2019. Um 16 Uhr taucht er dann tatsächlich auf: Christian Stucki.

Nur einige hundert Meter entfernt trainiert der Berner Schwingerkönig ein- bis zweimal pro Woche beim Fitnesscoach Tommy Herzog. «Während einer Kaffeepause kam uns die Idee, ihn mal einzuladen», erzählt Gregor Käppeli vom «Bärgmättli»-Leitungsteam. «Erst dachten wir: Der Stucki ist eine Nummer zu gross. Der kommt sicher nicht zu uns in Pflegewohnheim.» Zwei Tage später beantwortete Stucki die scheue Anfrage per Mail – und sagte prompt zu. «Das ist eben typisch für den Chrigu», sagt Pflegeleiterin Erika Bieri Schaller. «Der ist auf dem Boden geblieben. Ich bin ein riesiger Fan von ihm.»

«Der ist auf dem Boden geblieben. Ich bin ein riesiger Fan von ihm.»

Apropos grosse Nummern: Der Fragekatalog, den die Bewohnerinnen und Bewohner für Stucki zusammengestellt haben, dreht sich oft um Zahlen. Sie wollen etwa seine Schuhnummer wissen (51), seine Körpergrösse (198 Zentimeter) und die Grösse seiner Kranzsammlung (128 Stück). Und natürlich auch sein Gewicht. «Es schwankt zwischen 145 und 155 Kilo», so Stucki, worauf ein Raunen durch den Saal geht. «Ich weiss, man sieht es mir nicht an», sagt der Berner Brocken knochentrocken. Grosses Gelächter. Und wie hat er seine Frau kennengelernt? «Zum ersten Mal getroffen haben wir uns am Winzerfest in Erlach», gibt Stucki bereitwillig Auskunft. «Aber es dauerte dann doch drei Jahre, bis ich sie endlich am Haken hatte.»

Der 35-Jährige blickt natürlich auch auf den grossen Höhepunkt zurück – «sicher der emotionalste Moment meiner Sportlerkarriere». Ein halbes Jahr ist vergangen, seit er am Eidgenössischen in Zug den Luzerner Joel Wicki auf den Rücken gelegt und damit den Zentralschweizer Ambitionen einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Doch spätestens als sich Stucki nach der Fragerunde zu den Senioren gesellt, Autogramme schreibt und für Fotos posiert, wird klar: Im «Bärgmättli» nimmt ihm das niemand mehr übel.

Schwingerkönig Christian Stucki (35) steht den Senioren Red und Antwort.

Schwingerkönig Christian Stucki (35) steht den Senioren Red und Antwort. 

Bild: Patrick Hürlimann (Beromünster, 28. Februar 2020)
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