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SECHSELÄUTEN: Der Besuch des alten Luzerners

Der älteste Luzerner trifft sich mit dem berühmtesten Zürcher an der Limmat. Mit Bruder Fritschi reist auch die Zunft zu Safran nach Zürich.
Roger Rüegger
Bruder Fritschi (links) und der Böögg treffen am Montag aufeinander. (Bilder Philipp Schmidli, Keystone/ Patrick B. Kraemer)

Bruder Fritschi (links) und der Böögg treffen am Montag aufeinander. (Bilder Philipp Schmidli, Keystone/ Patrick B. Kraemer)

Roger Rüegger

Luzern kennt als zentrale Maskengestalt der Fasnacht den Bruder Fritschi. Analog dazu ist in Zürich der Böögg der Hauptakteur beim Sechseläuten. «Für jeden Zürcher ist der Böögg ein zentrales Element. Man kann sagen, dass er der berühmteste Zürcher ist», weiss Lukas Meier, der aktuelle Bööggbauer, über die Bedeutung «seiner» Figur. Will heissen: Beide Gestalten sind aus ihren Städten nicht wegzudenken. Höchste Zeit also, dass Bruder Fritschi und der Böögg für einmal an ein und demselben Ort sind. So wird dies am nächsten Montag, 18. April, geschehen, wenn die Zunft zu Safran den Gastkanton Luzern am Zürcher Sechseläuten vertritt, nachdem der Regierungsrat seine Zusage aus Kostengründen wieder rückgängig gemacht hatte. Neben 400 Personen aus der Region Luzern werden auch Bruder Fritschi und die Fritschifamilie zugegen sein.

«Fritschi geht nie aus der Stadt»

Dass dies überhaupt zu Stande kommt, ist aussergewöhnlich, wie Andreas Moser, OK-Präsident des Sechseläutenprojekts der Zunft zu Safran, sagt: «Bruder Fritschi geht nie aus seiner Stadt hinaus. Wir sehen ihn weder in Kriens noch in Emmen. Das wird ganz streng gehandhabt. Es muss schon ein ganz spezieller Anlass sein, dass er Luzern verlässt.»

Dass am Zürcher Sechseläuten zum ersten Mal eine Zunft als «Gastkanton» eingeladen wurde, ist offenbar Grund genug für Bruder Fritschi, seine Heimat zu verlassen. In Zürich wird er am Montag mit der Luzerner Delegation zum Feuer mitlaufen. «Er ist auch sonst sehr präsent in Zürich. Die Luzerner Fasnacht wird beim Lindenhof multimedial präsentiert. Und Bruder Fritschi ist natürlich vor Ort, sodass man mit ihm ein Selfie machen kann», sagt Moser. Zudem sei seit Freitag letzter Woche die ganze Fritschifamilie im Schaufenster des Globus an der Bahnhofstrasse ausgestellt. Auch der Böögg mischt sich unter das Volk. Jedoch nicht so aktiv wie Bruder Fritschi. «Zwei Wochen vor dem Sechseläuten steht er jeweils in der Schalterhalle der Kantonalbank», sagt Bööggbauer Meier. Ein Zusammentreffen mit Bruder Fritschi ist deshalb eher symbolisch zu verstehen. Vielleicht abgesehen vom Kinderumzug am Sonntag, wo 60 Luzerner Kinder aus dem zunftnahen Umfeld als Fritschi und Fritschene mitlaufen. Dort wird der Böögg dabei sein und zum letzten Mal durch die Stadt gezogen.

Verschiedene Abgänge

Die beiden Identifikationsfiguren sind sich in einigen Punkten ähnlich – obwohl das Sechseläuten für den Böögg auf dem Scheiterhaufen am Montagabend weit weniger schön endet als die Fasnacht für Bruder Fritschi. Letzterer sagt am Güdisdienstag um 23 Uhr den Fasnächtlern «Tschau». Danach verschwindet er mit seiner Familie auf der Reuss in der Dunkelheit und taucht erst am Schmutzigen Donnerstag des darauffolgenden Jahres wieder auf.

Die Figur des Bruder Fritschi hat ihren Ursprung im 15. Jahrhundert. So wird der Fridolinstag am 6. März 1446 erwähnt, als im Alten Zürichkrieg die österreichische Übermacht bei Ragaz besiegt wurde. Mitten im fröhlichen Kriegerharst sei Bruder Fritschi als Strohpuppe, später von einem Zünftler im blauweissen Staatsmantel dargestellt, durch die Altstadtgassen gezogen. Erwähnt wurde er auch 1513 in der Luzerner Bilderchronik von Diebold Schilling. Darin wurde eine Gesellschaft genannt Fritschi beschrieben, die «von alter har mit einen ströwinen man, genannt bruoder Fritschi zu fröuden ziehen». Und im Jahr 1507 soll es dem Basler Zunftmeister Jacob Meyer gelungen sein, die Maske Fritschis im Auftrag seiner Vaterstadt zu entwenden. Bruder Fritschi wurde im Lauf der Jahre mehrere Male entführt. So kam es vor, dass er an der Fasnacht entführt wurde und anschliessend die Luzerner ihren Fritschi in der Innerschweiz, so 1989 in Stans, wieder abzuholen hatten. Laut Informationen auf der Website der Zunft zu Safran gab dies jeweils zu Verbrüderungsfesten Anlass. Letztmals 2007, als er abermals nach Basel entführt wurde.

Böögg fing kein Feuer

Wie Bruder Fritschi musste auch der Böögg im Lauf der Jahre einiges über sich ergehen lassen. Die Anfänge des Brauchs liegen vermutlich im 18. Jahrhundert. So wurde 1820 etwa berichtet, «dass Holzhaufen und Strohmänner unter lautem Freudengeschrei angezündet wurden, wenn erstmals um sechs Uhr die Feierabendglocke läutete». Das mit dem Anzünden klappte aber nicht immer. In den Jahren 1900, 1901 und 1992 brannte der Böögg nämlich nicht. Er stürzte jedoch Kopf voran ins Feuer. Dafür brannte er 1921 bereits am Morgen. Auf der Website der Zunft zur Waag wird berichtet, dass damals ein Kommunist, der in die Geschichte eingegangene Bööggen-Bachmann, einen jungen Burschen anheuerte, den Böögg frühzeitig anzuzünden. So brannte die Figur bereits in den Morgenstunden nieder. Es sei jedoch gelungen, bis sechs Uhr abends wieder einen Böögg für die Zünfte bereitzustellen. Als Mahnzeichen habe dieser eine rote Fahne in der Hand getragen.

Geschichtliches zum Böögg gibts auf der Website der Zürcher Zunft zur Waag. Demnach wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt des Winters andere unliebsame Ereignisse symbolisch dem Feuer übergeben. So habe man 1872 den Krieg, dargestellt als schwer bewaffneten Böögg, verbrannt. 1879 ging das Defizit der Stadt Zürich in Form eines Mannes mit Schuldensack im Feuer unter und 1890 die Grippe in Gestalt des Todes mit einer Bazillen-Giesskanne.

Heuer mit Orange in der Hand

Am diesjährigen Sechseläuten hält der Böögg, der laut Bööggbauer Lukas Meier immer nach denselben Plänen gebaut wird, eine Orange in der Hand. Meier: «Ich finde es lässig, wenn der Böögg mit der Thematik auf den Gastkanton eingeht. Verbunden mit der Luzerner Fasnacht ist die Orange das ideale Symbol», sagt Meier, der über eine Woche an dem Böögg gearbeitet hat. Ein Prognose, wie lange der Böögg das Feuer erduldet, macht er nicht. «Zehn Minuten wären okay für mich. Es wäre schade, wenn man den Böögg nur kurz sehen könnte. Hält er zu lange stand, wird es langweilig – und wir erleben keinen schönen Sommer.»

Vier Tage lang Feiern

Programmrgr. Ab heute feiern Zünfter, Gäste und Bevölkerung ab 16 Uhr auf dem Lindenhof den Start des Sechseläutens.

  • Morgen Samstag findet das Fest für alle auf dem Lindenhof statt, bevor am Abend die Zünfter die Bälle besuchen. Festbetrieb auf dem Lindenhof ist von 10 bis 23 Uhr.
  • Der Kinderumzug am Sonntagnachmittag ist einer der Höhepunkte. Die Zunft zu Safran nimmt mit 60 Kindern, die als Bruder Fritschi verkleidet sind, am Umzug teil.
  • 3500 Zünfter in Kostümen, 350 Reiter, 50 Pferdewagen und 30 Musikkorps ziehen am Montag zum Sechseläutenplatz, wo der Böög ab 18 Uhr verbrannt wird.

Hinweis:SRF 1 überträgt das Sechseläuten am Montag ab 15.35 Uhr live. www.sechselaeuten.ch Stehplätze sind gratis. Die nummerierten Sitzplätze entlang der Umzugsroute kosten 10 bis 20 Franken. Tickets gibts bei der CS an der Zürcher Bahnhofstrasse, beim Brunnen am Paradeplatz oder am Polizeiposten am Limmatquai.

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