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Security büsst Security: Warum man auch nachts nicht vor der Post in Luzern parkieren darf

Trotz Falschparkierens vor der Post beim Luzerner Uni-Gebäude erwartet ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma von einem Branchenkollegen Kulanz – allerdings vergeblich.
Beatrice Vogel

60 Franken Umtriebsentschädigung – so viel zahlt der Daru-Wache-Mitarbeiter Hanspeter Strehler, weil er nachts vor der Post bei der Uni Luzern parkiert hat. Es handelt sich um Kurzzeitparkplätze für Postkunden.

Der umstrittene Parkplatz vor der Post beim Unigebäude. (Bild: hor, Luzern, 11. Juli 2019)

Der umstrittene Parkplatz vor der Post beim Unigebäude. (Bild: hor, Luzern, 11. Juli 2019)

Dass man darauf nicht längere Zeit parkieren darf, ist Strehler bewusst. Allerdings findet er, dass in seinem Fall eine Ausnahme gemacht werden sollte. Der Fall lief folgendermassen ab: Die Poststelle schliesst jeweils um 20 Uhr, Strehler hat in der Nähe einen Einsatz von 21 bis 3.30 Uhr. «Wenn ich um 4 Uhr morgens Feierabend habe, komme ich nicht mit dem ÖV nach Hause in Emmenbrücke, deswegen bin ich mit dem Auto zur Arbeit gefahren.» Die Parkplätze bei der Post sind verwaist, Strehler stellt sein Auto dort ab. Dies mit einem Zettel hinter der Windschutzscheibe, der ihn als Daru-Wache-Mitarbeiter ausweist, sowie seinem Einsatzplan, auf dem man ablesen könnte, dass er um 3.30 Uhr zurückkehrt. Als er nach der Schicht bei seinem Auto eintrifft, findet Strehler einen Einzahlungsschein über 60 Franken vor – ausgestellt von einem Securitas-Mitarbeiter:

(Bild: PD)

(Bild: PD)

«Trotz Infos hinter der Windschutzscheibe, dass ich im Dienst der Sicherheit unterwegs war, kannte der Aussteller keine Gnade.»

«Ich verstehe nicht, dass man unter Berufskollegen nicht kulanter ist», sagt Strehler. Schliesslich brauche diese Parkplätze zu später Stunde niemand.

Er beschwerte sich bei der Securitas AG, die für die Post den Parkplatz überwacht. Die Antwort: Die Signalisation wie auch das richterliche Parkverbot weisen darauf hin, dass die Parkplätze ausschliesslich und 24 Stunden für Postbesucher reserviert seien. Es gebe keinen Grund, von der Umtriebsentschädigung abzusehen.

Für Strehler ist das nicht nachvollziehbar, er vermutet dahinter ein Machtspiel der beiden Security-Firmen. «Kollegen von mir haben ähnliche Erfahrungen gemacht, das ist kein Einzelfall.» In der Stadt Luzern sei es zudem schwierig, einen günstigen Parkplatz zu finden. Ins Parkhaus möchte er nicht, das sei zu teuer. «Dafür würde ein guter Teil meines bescheidenen Stundenlohns draufgehen», sagt Strehler. Als Spesen kann er Fahrt- und Parkkosten nur verrechnen, wenn er ausserhalb von Luzern eingesetzt wird.

«Kulanz wäre ein Missbrauch»

Eine Umtriebsentschädigung ist eine Art private Busse – richtige Bussen stellt nur die Polizei aus. Sie soll den Grundeigentümer für seinen Aufwand zur Durchsetzung des Parkverbots entschädigen. Ein Eigentümer darf für sein Grundstück ein richterliches Verbot beantragen – dabei spielt es keine Rolle, ob der Parkplatz genutzt wird oder nicht.

Sowohl bei der Securitas als auch bei der Daru-Wache-Filiale Luzern heisst es auf Anfrage: Wenn der Eigentümer – also die Post – die Securitas dafür anstelle, den Parkplatz zu überwachen, sei der Securitas-Mitarbeiter verpflichtet, die Umtriebsentschädigung gegenüber dem Falschparkierer auszustellen – egal, für wen dieser arbeite. Schliesslich gehören Security-Firmen nicht zu den Blaulichtorganisationen. «Eine Kulanz wäre sogar ein Missbrauch gegenüber dem Eigentümer», heisst es weiter. Und wenn, dann müsse die Post über die Kulanz entscheiden.

Bei der Post-Medienstelle heisst es auf Anfrage: «Wenn die Filiale geschlossen ist, ist es nicht gestattet auf dem Areal zu parkieren. Damit stellt die Post sicher, dass keine Fahrzeuge während längerer Zeit abgestellt werden und alle Parkplätze bei Schalteröffnung den Kunden zur Verfügung stehen.»

Hier darf nachts nicht parkiert werden: Der Post-Parkplatz vor dem Uni-Gebäude. (Bild: hor, Luzern, 11. Juli 2019)

Hier darf nachts nicht parkiert werden: Der Post-Parkplatz vor dem Uni-Gebäude. (Bild: hor, Luzern, 11. Juli 2019)

Betreffend des Daru-Wache-Ausweises, den Mitarbeiter hinter die Windschutzscheibe legen können, sagt der Auskunftgeber der Daru-Wache, der nicht namentlich genannt werden will: Dieser sei nicht für offizielle Parkplätze gedacht, sondern beispielsweise für Einsätze auf dem Land, wo man an Feldwegen parkieren müsse, weil es keine andere Möglichkeit gibt.

Teuer wird es auch auf dem Franziskanerplatz

(sam) Eine bösteure Überraschung hat ein Leser unlängst auf dem Franziskanerplatz erlebt. An einem Sonntagmorgen stellte er dort sein Auto ab. «Es war für etwa eine Viertelstunde. Weit und breit war kein anderes Fahrzeug parkiert. Dass ich die Parkuhr auch an einem Sonntag füttern müsste, ist mir entgangen», so der Leser. Als er zurückkam, klemmte ein Einzahlungsschein unter dem Scheibenwischer. Er solle 80 Franken bezahlen, weil er die Parkuhr nicht bedient habe. Zudem entdeckte er einen Securitas-Mann hinter einem Gebüsch. Die Securitas verantwortet auch hier das Parking-Management, im Auftrag der Dienststelle Immobilien, Kanton Luzern.

Doch warum ein so hoher Preis? Auf Anfrage wird erklärt, dass es sich dort um einen «äusserst stark genutzten öffentlichen Ort» handelt und es nur funktioniere, wenn sich alle «an die Spielregeln» halten. Die 80 Franken wurden mit einer internen Kalkulation ermittelt und sollen die Kosten durch die unberechtigte Nutzung decken. Kosten wie etwa Parkplatzkontrolle, Ausstellen der Umtriebsentschädigung, Inkasso und Administration. Wer nicht zahlt, werde bei der Staatsanwaltschaft angezeigt und dann werde es richtig teuer.

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