SEEGEMEINDEN: Er will aus Senioren Studenten machen

Karl Hoppler, Präsident des Seniorenrats, will mehr Angebote für Jungsenioren schaffen. In Hertenstein soll auch eine Hochschule für Senioren entstehen.

Roseline Troxler
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Karl Hoppler (72), Präsident des Seniorenrats Greppen, Vitznau und Weggis, in einem Hörsaal des Hotels Hertenstein. (Bild Pius Amrein)

Karl Hoppler (72), Präsident des Seniorenrats Greppen, Vitznau und Weggis, in einem Hörsaal des Hotels Hertenstein. (Bild Pius Amrein)

Roseline Troxler

«Es ist Zeit, dass die Gesellschaft die Jungsenioren und Jungseniorinnen zur aktiven Bevölkerung zählt», beginnt Karl Hoppler (72) sogleich das Gespräch. Seit Januar präsidiert er den vierköpfigen Seniorenrat der Seegemeinden Weggis, Vitznau und Greppen. Karl Hoppler hat 1970 in Sursee die Computerfirma Bison Systems gegründet und diese bis 2010 erfolgreich geführt. Die Jungsenioren, die Hoppler auch als «Nachwuchs» bezeichnet, sind für ihn die 65- bis 75-Jährigen. «Diese Menschen sollen zu den Aktiven und nicht zu den Alten gezählt werden», unterstreicht er.

Es sei deshalb auch geboten, dass man diese Leute als Menschen in einem speziellen Lebensabschnitt betrachte, so Hoppler. Sie seien hoch motiviert und wissbegierig. «Die Jungsenioren wollen nicht nur ans günstige Seniorenmittagessen gehen oder auf die Rigi fahren.» Die kürzlich Pensionierten seien körperlich und geistig mehrheitlich sehr fit. Karl Hoppler begründet: «Viele der Jungsenioren haben körperlich nicht mehr so hart gearbeitet wie noch eine Generation vor ihnen.»

Zwei Optionen für Senioren-Uni

Für Senioren seien in Weggis und Umgebung mehrere Angebote vorhanden. «Die Seegemeinden tun viel für die ältere Generation.» Der Anteil der 65-Jährigen oder Älteren ist in den Seegemeinden bis auf Greppen überdurchschnittlich hoch. In Weggis liegt er bei 24,4 Prozent, in Vitznau bei 21,2 Prozent. In Greppen hingegen ist nur ein Zehntel über 65-jährig (Zahlen 2014). Der kantonale Durchschnitt liegt bei 16,8 Prozent.

Karl Hoppler, der seit zehn Jahren mit seiner Partnerin in Weggis am See wohnt, will nun vermehrt Angebote für Jungsenioren schaffen. Konkret plant er im Hotel Hertenstein eine Senioren-Universität. Dort befindet sich ein Hörsaal. Die Pläne werden laut Hoppler vom Hoteldirektor unterstützt. «Ich bin sicher, dass für die Senioren-Uni in Weggis Interesse vorhanden ist.» Inspirieren liess er sich von der Idee an der Uni Luzern und Zürich. Hoppler sieht zwei Optionen: die Gründung einer eigenen Senioren-Uni – oder aber die Zusammenarbeit mit der Senioren-Uni Luzern, die seit 1997 besteht. Rund 11 000 Personen haben diese letztes Jahr besucht.

Zusammenarbeit denkbar

Die Institution weiss von Hopplers Vorhaben. Noch habe man dieses nicht diskutiert, sagt Vizepräsident Markus Aregger. Klar sei aber: «Die Schweizer Senioren-Universitäten sind grundsätzlich einer Universität angegliedert, der Name Senioren-Uni ist also besetzt. Realistischer ist eine Gründung in Form einer Volkshochschule.» Eine Zusammenarbeit wäre denkbar. So kooperiere die Senioren-Uni heute mit der Volkshochschule Wynental, die nach Absprache mit Luzern auf eigene Kosten drei bis vier ausgewählte Vorträge aus dem Angebot übernimmt. Dass der Seniorenrat der Seegemeinden ein Konkurrenzangebot entwickle, befürchtet Aregger nicht. «Wir bieten pro Semester rund 180 Veranstaltungen an. Es braucht Ressourcen und eine entsprechende Infrastruktur, um dies zu ermöglichen.»

Alle zwischen 65 und 75 kontaktiert

Der Seniorenrat Seegemeinden hat in den letzten Tagen alle rund 800 Senioren zwischen 65 und 75 Jahren angeschrieben. Sie werden gebeten, ihr Interesse an einem Programm für Jungsenioren und an einer Senioren-Uni kundzutun. Letzteres mit Präferenzen zur Themenwahl. Hoppler stellt sich vor, dass Gastprofessoren zu Themen in den Bereichen Kultur, Geschichte, Kunst, Medizin, Recht und Technik referieren. «Wenn unsere Ideen auf genügend Inter­esse stossen, wollen wir starten.»

Für alle ab sechzig Jahren

Hoppler rechnet damit, dass im Sommer mit der ersten Veranstaltung begonnen werden kann. Betreffend Finanzierung zeigt er sich optimistisch. «Der Gemeinderat unterstützt Veranstaltungen des Seniorenrats, und ich bin überzeugt, dass wir auch Firmen als Sponsoren gewinnen können.» Denn Hoppler betont: «Viele Jungsenioren sind vermögend. Sie leben nicht nur von der AHV. Dementsprechend ist bei dieser Altersgruppe auch ein Markt vorhanden.» Nicht nur die Senioren der Seegemeinden sollen künftig vom Angebot der Senioren-Uni in Weggis profitieren können. «Auch braucht es für einen Besuch der Vorlesung keine Matur», so Hoppler. Die Veranstaltungen sollen allen Interessierten ab sechzig Jahren offenstehen.

Zwei Diskussionsveranstaltungen

Nebst dem Angebot der Senioren-Uni, das neu geschaffen werden soll, gibt es weitere Veranstaltungen für die Jungsenioren. Unter dem Titel «Mein Nachbar» finden Diskussionsnachmittage mit Menschen mit einer «spannenden Biografie» aus den Seegemeinden statt, wie es beim Seniorenrat heisst. Bei den Kamingesprächen hingegen diskutieren Prominente aus Wirtschaft, Politik oder Sport zu einem aktuellen Thema. Beide Veranstaltungen werden durch Sponsoren finanziert.

Zu seinen Hobbys zählt er Tennis, Skifahren und Reisen. Mit seiner Arbeit für den Seniorenrat, bei welcher er von einem motivierten Team unterstützt wird, erhofft sich Hoppler nicht nur mehr Möglichkeiten für aktive Senioren, sondern auch eine grössere Wertschätzung der Bevölkerung für diese Altersgruppe.

Mitarbeit Evelyne Fischer

 

Hinweis

Weitere Informationen zu den Senioren der Seegemeinden finden Sie unter: www.senioren-seegemeinden.ch