SEELISBERG: Busfahrer im Schleuderkurs

Schnee, Regen oder Eis – VBL-Chauffeure sind bei jedem Wetter unterwegs. Auf einer Teststrecke kommen die Busse diese Woche ganz schön ins Schlittern.

Daniel Schriber
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Ein VBL-Linienbus gestern bei einem Vollbremsungs-Test auf einer künstlich bewässerten Strasse auf dem Gelände des Verkehrssicherheitszentrums Seelisberg. (Bild Dominik Wunderli)

Ein VBL-Linienbus gestern bei einem Vollbremsungs-Test auf einer künstlich bewässerten Strasse auf dem Gelände des Verkehrssicherheitszentrums Seelisberg. (Bild Dominik Wunderli)

«Sie können schon mitfahren, aber festhalten müssen Sie sich selber.» Jonas Leutenegger schmunzelt vergnügt. Dem Chauffeur der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) bereitet der gestrige «Arbeitstag» sichtlich Spass. Statt auf den Strassen der Stadt Luzern kurvt Leutenegger an diesem Dienstagmorgen mit seinem Linienbus über das Verkehrssicherheitszentrum Seelisberg. Es handelt sich dabei um eine moderne Fahrtrainingsanlage mit abwechslungsreichen Pisten und einem Geländeparcours, auf dem Fahrzeuglenker aller Art sich von Experten schulen lassen können.

«Eine einmalige Gelegenheit»

«Vegas Club» heisst es auf der elektronischen Anzeige des Fahrzeugs, mit dem Jonas Leutenegger fährt. Ein kleiner Scherz des 38-jährigen VBL-Chauffeurs. Dann fährt er los. Mit 30 Stundenkilometern gehts über die «Schleuderplatte» mitten im Gelände. Obwohl Leutenegger nicht besonders schnell fährt, bricht plötzlich das Heck aus – ein kräftiger Ruck geht durch den Bus. Dennoch schafft es der Fahrer, den Bus wenig später mittels Notbremse einigermassen kontrolliert zum Stehen zu bringen. «Gut gemacht!», tönt es aus dem Lautsprecher neben dem Chauffeur. Der Instruktor des Verkehrssicherheitszentrums ist zufrieden. Auch Leuten­egger nickt: «Das war in Ordnung.»

Natürlich geht es im Verkehrssicherheitszentrum Seelisberg an diesem Tag nicht in erster Linie ums Vergnügen. «Wir erhalten die einmalige Gelegenheit, zu spüren und zu erleben, wie sich unser Fahrzeug in einer Extremsituation verhält und welche Faktoren die Fahrdynamik beeinflussen», sagt Leutenegger. «Kommt es im Alltag zu einer solchen Situation, ist es nämlich meist schon zu spät.»

Die Teststrecke, die sonst von Lastwagenchauffeuren, Neulenkern, Kleinbus- oder Motorradfahrern benutzt wird, gehört diese Woche ganz den öffentlichen Transportunternehmungen. Noch bis am Freitag führen die VBL und die Postauto Schweiz AG, Region Zentralschweiz, gemeinsam den Kurs «Fahren im Grenzbereich» durch. Das Ziel: Die Sicherheit im öffentlichen Verkehr soll langfristig verbessert werden. Je zwölf Postauto- und Bus-Chauffeure sind beim Fahrtraining in Seelisberg dabei. «Obwohl der Kurs freiwillig ist, waren die Kursplätze rasch ausgebucht», sagt VBL-Sprecher Christian Bertschi. In Seelisberg loten die Chauffeure nicht nur die physikalischen Grenzen ihrer Busse aus; auch ein halber Tag Theorie gehört dazu. Dort thematisieren die Chauffeure etwa ihr Wissen über die elektronischen Sicherheitssysteme und das Verhalten gegenüber den Fahrgästen.

Verstopfte Strassen, gestresste Fahrgäste, Termindruck: «Die Anforderungen an die Chauffeure werden immer höher», sagt Hannes Ming, Leiter VBL-Fachzentrum. Deshalb sei der Kurs auch für langjährige VBL-Mitarbeiter sinnvoll. «An einem Tag wie diesem können sie sich für einmal ganz auf ihr Fahrzeug konzentrieren. Viele profitieren von dem Gelernten auch im Alltag.»