Folgen des Klimawandels: Seetal befürchtet Wasserknappheit

Lange Trockenperioden sorgen für einen tiefen Wasserstand in den Gewässern des Seetals. Beim Forum Politik 2020 in Hochdorf diskutierten Experten über die Auswirkungen des Klimawandels.

Livia Fischer
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Roger Brunner, Fabian Peter, Luzia Ineichen (Leiterin Netzwerk Politik), Petra Schmocker-Fackel und Werner Göggel (v.l.n.r.) am Forum Politik 2020.

Roger Brunner, Fabian Peter, Luzia Ineichen (Leiterin Netzwerk Politik), Petra Schmocker-Fackel und Werner Göggel (v.l.n.r.) am Forum Politik 2020. 

Bild: Idee Seetal

«Ich bin ein begnadeter Fasnächtler. Am Güdismontag stand ich am Umzug in Luzern im T-Shirt da. Früher war es noch der Skidress», erzählt Fabian Peter. Der FDP-Regierungsrat und Vorsteher des kantonalen Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartements hält einen Vortrag im Kulturzentrum Braui in Hochdorf. Der Gemeindeverband Idee Seetal hat zum Forum Politik 2020 eingeladen; im Publikum sitzen rund 90 Leute.

Warum Peter ihnen das erzählt? Es geht um den Klimawandel. Das Beispiel soll einmal mehr aufzeigen, dass die Klimaerwärmung kein Phänomen irgendwo in der Antarktis ist, sondern auch den Kanton Luzern betrifft. «Der Klimawandel ist vom Menschen verursacht, da sind sich Wissenschaft und Politik einig», sagt Peter. Darum setzt der Kanton Luzern auf eine Doppelstrategie, die Klimaschutz und Klimaadaption umfasst. Heisst: Treibhausgasemissionen verringern und sich «auf das, was sowieso kommt», einstellen.

Trockenperioden wie 2018 werden zum Normalfall

Vielmehr als um den Fakt, dass der Klimawandel stattfindet und sich die Politik diesem annimmt, geht es am Forum Politik aber darum, was für Auswirkungen die Erderwärmung hat. Petra Schmocker-Fackel, Stabschefin Abteilung Hydrologie des Bundesamts für Umwelt, zeigt auf: Machen wir weiter wie bisher, sind die Gletscher bis Ende dieses Jahrhunderts verschwunden, in Davos gibt’s Wetterverhältnisse wie heute in Einsiedeln und die Fische verenden in den zu warmen Gewässern.

Ein weiteres Problem, das sich kaum abwenden lässt: die Trockenheit. Davor warnt auch Werner Göggel. Er ist Abteilungsleiter Gewässer und Boden bei der Dienststelle Umwelt und Energie des Kantons Luzern und der dritte Gast der Runde. Göggel erinnert an den Hitzesommer vor zwei Jahren.

Die Trockenperiode machte den Gewässern im Seetal zu schaffen, die Wasserstände waren tief. «In 30 bis 40 Jahren wird das der Normalfall sein», gibt Göggel zu bedenken und resümiert: «Wir müssen uns mit dem Klimawandel auseinandersetzen. Ob wir wollen oder nicht.» Und es sei nun mal so, dass die Regionen Sursee-Mittelland und das Seetal «nicht mit Wasser gesegnet sind», so Göggel.

Das Seetal steht gleich vor zwei Herausforderungen

Nicht nur die Wassermengen sind laut Göggel problematisch, auch die Wasserqualität lasse zu wünschen übrig. Aus dem Baldegger- und dem Hallwilersee kann kein Grundwasser gewonnen werden – zu hoch ist die Verschmutzung durch Nitrat, Phosphor oder Pflanzenschutzmittel wie Fungizid.

Hier seien die lokalen Wasserversorgungen gefragt. Ausserdem: «In Zukunft braucht es eine bessere Vernetzung der Wasserversorgungen in der ganzen Region beziehungsweise eine regionale oder überregionale Wasserversorgungsplanung», sagt Göggel. Das Ziel der Landwirtschaft müsse sein, die Stoffverluste einzudämmen.

Jeder gesparte Liter Wasser lohnt sich

Im Anschluss an die Referate will Roger Brunner, Geschäftsleiter der Idee Seetal und Organisator des Anlasses, von Schmocker-Fackel und Göggel wissen, was sie für Alltagstipps für den Klimaschutz haben.

«Weniger Fleisch essen, weniger fliegen, ein gut isoliertes Haus mit ökologischer Heizung haben», meint Schmocker-Fackel. «Mit dem ÖV zur Arbeit gehen – oder wenn möglich mit dem Velo. Das ist nicht nur in Zeiten des Corona-Virus von Vorteil», sagt Göggel mit einem Augenzwinkern.

Ob Wassersparen im Alltag nütze, fragt ein Zuhörer. Ein Vertreter der Wasserversorgung schaltet sich ein und appelliert ans Publikum: «Wassersparen ist immer ein Muss. Jeder gesparte Liter Wasser lohnt sich.» Ein schönes Schlusswort, findet Brunner und eröffnet den Apéro.