SEETAL: Er ist Biobauer aus Leidenschaft

Franz Elmiger vom Chlotisberg soll heute in den Vorstand von Bio Luzern gewählt werden. Dabei kommt ihm sein Flair für Zahlen entgegen.

Niels Jost
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Franz Elmiger ist Biobauer und Agro-Treuhänder: Auf seinem Bauernhof im Seetal hat er nebst einer Viehzucht und Ackerland auch eine Hühnerzucht. (Bild Dominik Wunderli)

Franz Elmiger ist Biobauer und Agro-Treuhänder: Auf seinem Bauernhof im Seetal hat er nebst einer Viehzucht und Ackerland auch eine Hühnerzucht. (Bild Dominik Wunderli)

Seine Hühner haben die schönste Aussicht. Davon ist Franz Elmiger (47) überzeugt. Und man kann ihm nicht widersprechen. Denn der Biobauer führt seinen Hof Chlotisberg tatsächlich in einer malerischen Landschaft: Im Seetal ist er zwischen Sulz und Lieli gelegen, von der kurvigen Hauptstrasse führt ein kleiner Weg runter zum Hof, zum Wohnhaus und zum daneben liegenden Seminarhaus.

2000 Hühner zieht Elmiger hier zweimal jährlich auf, 20 Wochen lang. Der Hühnerstall hat sogar einen Wintergarten, und vom Aussengehege her sieht man den Baldeggersee hervorschimmern. «Sobald die Hühner Eier legen, kommen sie in eine Legehaltung», sagt der gelernte Landwirt.

Diversität lautet die Devise

Wäre sein Betrieb nicht auf Bio ausgerichtet, würde sich eine solch verhältnismässig kleine Hühnerzucht aber gar nicht erst lohnen. «Unter 12 000 Hühnern hat heutzutage niemand Interesse, einen Stall zu bauen», sagt Elmiger. Neben der Junghennenaufzucht betreibt er deshalb noch eine Jungviehaufzucht und beackert rund 13 Hektaren Land mit Kartoffeln, Weizen, Körnermais, Dinkel, Gerste und Hafer. Eine Ernte von gut 80 Tonnen schaut dabei heraus. Diversität auf dem eigenen Hof, so lautet Elmigers Devise.

Daneben arbeitet der dreifache Familienvater noch von zu Hause aus zu 30 Prozent als Agro-Treuhänder. Dafür hat er die Hochschule für Landwirtschaft im bernischen Zollikofen abgeschlossen. Für das Ausfüllen von Steuererklärungen oder den Abschluss von Buchhaltungen beginne jetzt dann bald die Hochkonjunktur, so Elmiger. Rund 40 landwirtschaftliche Betriebe zählt er zu seinen Kunden. «Die Arbeiten als Treuhänder, die Hühner, das Vieh und das Ackerland tragen je einen Viertel zu meinem Einkommen bei.»

Seine Erfahrungen und Fähigkeiten, die er als Agro-Treuhänder erworben hat, waren unter anderem ein Grund, wieso er jetzt für den Vorstand des Vereins Bio Luzern vorgeschlagen wurde. Dort wird der Posten für die Finanzen frei. «Der Vereinspräsident hat mich schon einmal gefragt, ob ich Interesse an einem Engagement hätte. Jetzt, da ich das Amt des Kassiers belegen darf, konnte ich nicht mehr Nein sagen.»

Doch nicht nur die Freude an den Zahlen motiviert ihn für sein neues Amt. Auch die Kollegialität unter den Mitgliedern, die Ausflüge oder die Vor­träge schätze er. Den 47-Jährigen überzeugen zudem die Werte, für die Bio Luzern einsteht (siehe Kasten): «Die Tiere haben genügend Auslauf, und das Futter ist ebenso aus biologischem Anbau – und nicht mit irgendwelchen synthetischen Zusätzen ergänzt.»

Elmiger gesteht aber auch, dass ihm die strengen Auflagen der Bio-Knospe ab und an Schwierigkeiten bereiten. So sei die Produktion aufwendig und teurer. Deshalb wäre es einfacher, etwa künstliche Düngemittel zu verwenden, um das Wachstum, gerade bei schlechten Bedingungen, zu beschleunigen und den Ertrag zu vergrössern. Die Mühe sei es aber wert. «Früher sass ich wie auf Nadeln, wenn meine Felder noch nicht sprossen oder mehr Unkraut darauf war als bei anderen Bauern. Jetzt bin ich viel gelassener – schliesslich gewinnt man mit Bioprodukten doppelt: Sie sind ökologisch produziert und zudem gesünder als die herkömmlichen.» Seinen Hof Chlotisberg bewirtschaftet Franz Elmiger seit 2004. Ein Jahr später stellte er auf Bio um. «Mein Bruder und mein Schwager haben ihre Höfe schon länger umgestellt. Für mich war die Umstellung auf Bio daher gar keine Frage.»

Hinweis

An der heutigen Versammlung von Bio Luzern stellt sich für ein weiteres Amt auch Nora Breitschmid (26) aus Kriens zur Wahl in den Vorstand.