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SEETAL: Feuerwehr will per SMS vor Hochwasser warnen

Die Regiowehr Aesch will Anwohner von hochwassergefährdeten Bächen im Ernstfall zur Mithilfe animieren. Die Gebäudeversicherung Luzern sieht in diesem Pionierprojekt auch Risiken.
Dank einer SMS an den falschen Empfänger konnte dem Mann das Leben gerettet werden (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Dank einer SMS an den falschen Empfänger konnte dem Mann das Leben gerettet werden (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Zwei Zuflüsse des Hallwilersees halten die 100-köpfige Mannschaft der Regiowehr Aesch auf Trab: Vorder- und Hinterbach haben in Aesch in der Vergangenheit für Überschwemmungen gesorgt. Über eine Million Franken floss alleine in Hochwasserschutzmassnahmen am Hinterbach. Bei der Gebäudeversicherung Luzern trafen diesbezüglich in den letzten 20 Jahren Meldungen von 87 versehrten Gebäuden ein, das Schadensmass betrug 835 000 Franken.

Um sich im Ernstfall schneller gegen die Wassermassen zu wappnen, bietet die Feuerwehr, die das Gebiet von Aesch, Schongau, Altwis und Mosen abdeckt, eine neue Dienstleistung an: Anwohner der Bäche können sich bei Hochwasser-Gefahr gratis via SMS informieren lassen. Interessierte melden sich bis Ende Monat bei der Gemeindeverwaltung, heisst es im «Aescher Leu».

«Wir hoffen, dass möglichst viele Bewohner der rund 40 betroffenen Liegenschaften an der Läder- und Kirchgasse den SMS-Alarm abonnieren», sagt Kommandant Christian Muff aus Schongau. Bei einem Unwetter, das den Pegel rasch ansteigen lasse, sei es von grosser Bedeutung, Anwohner schnell informieren zu können. «Auch nach Tagen des Dauerregens können wir sie via SMS darauf vorbereiten, dass sie möglicherweise mit Überschwemmungen rechnen müssen.»

Schutzvorrichtungen sind bei Anwohnern deponiert

Blinkt die Meldung auf dem Handy auf, muss der Hochwasserschutz unverzüglich errichtet werden. Dazu gehören Sandsäcke, Schaltafeln oder Schlauch-Wassersperren, die direkt bei den Anwohnern deponiert sind. Das Material wurde von den Grundstückbesitzern angeschafft.

Im Ernstfall erhalten die Feuerwehr-Eingeteilten Einsatzblätter, die aufzeigen, welche Objekte wie geschützt werden müssen und wo sich die Schutzvorrichtungen befinden. «Die Hauptverantwortung liegt aber bei den Anwohnern selber. Sie müssen ihr Gebäude schützen und sollen nicht warten, bis die Feuerwehr kommt», sagt Christian Muff. Die Meldung erfolge zentral über die Feuerwehrsoftware Lodur. Muff: «Die Daten werden absolut vertraulich behandelt.»

Alois Kreienbühl vom Feuerinspektorat der Gebäudeversicherung Luzern ist über die Pläne der Regiowehr Aesch informiert. «Bei diesem SMS-Alarm dürfte es sich um ein Pionierprojekt im Kanton handeln», sagt er. Den Nutzen dieses Alarms könne er nicht beurteilen. «Einen Versuch ist es sicher wert.» Es gelte aber zu beachten: «Ein Hochwasser-Alarm kann eventuell Verunsicherung auslösen.» Kommandant Muff teilt diese Bedenken nicht. «Die meisten haben das Hochwasser von 2007 miterlebt und tun alles dafür, um so ein Ereignis nicht mehr zu erleben.»

Die Gebäudeversicherung ihrerseits empfiehlt eher ein Abo des generellen Wetter-Alarms ( www.wetteralarm.ch ). Der Gratis-Service basiert auf Daten von SRF Meteo. Kreienbühl: «Der Wetter-Alarm sensibilisiert und lässt Nutzer frühzeitig Vorkehrungen treffen.» 94 000 Luzerner sind bereits App-Kunden, schweizweit sind es über eine Million Nutzer. Letztes Jahr wurden 4,7 Millionen Meldungen verschickt, die Luzern betrafen.

«Grundstückbesitzer sind für Schutz verantwortlich»

Ein Aescher, der den SMS-Alarm der Regiowehr abonnieren wird, ist Gemeindepräsident Christian Budmiger (parteilos). «Ich halte diesen Service für eine sehr gute Idee. Der Alarm birgt allerdings das Risiko, dass sich die Anwohner in falscher Sicherheit wiegen. Es ist wichtig, dass sie dennoch selber handeln.» Wie Muff betont auch Budmiger: Jeder Grundstückbesitzer sei selber für den Schutz der Liegenschaft verantwortlich. «Die Erfahrung zeigt aber, dass bei einem unerwarteten Ereignis die Einsatzkräfte dezimiert sind und nicht gleichzeitig bei jedem Grundstück den Hochwasserschutz erstellen können. Deswegen macht der SMS-Alarm Sinn. Mit vereinten Kräften lässt sich das Schadenpotenzial massiv senken.» Budmiger sagt, seit den Bachverbauungen und -sanierungen sei Ruhe eingekehrt. «Die nächste Überschwemmung wird zeigen, wo nun die neuralgischen Punkte liegen.»

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

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