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SEETAL: Hürdenreicher Weg für den Weg um den Baldeggersee

Der Verein Rundweg Baldeggersee kämpft für eine durchgehende Wanderroute rund um den See. Jetzt regt sich Widerstand gegen das 450 000-Franken-Projekt.
Landwirt Jvan Estermann aus Nunwil blickt von einem Silo seines Hofs auf den geplanten, durch sein Land führenden Weg am Baldeggersee. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Landwirt Jvan Estermann aus Nunwil blickt von einem Silo seines Hofs auf den geplanten, durch sein Land führenden Weg am Baldeggersee. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Fahrplan des Vereins Rundweg Baldeggersee ist ehrgeizig: Im Sommer 2016 will er eine etwa 13 Kilometer lange Wanderroute rund um den See eröffnen. Erste Streckenvorschläge sollen Ende August vorliegen samt den bisher fehlenden Teilstücken bei Gelfingen sowie jenem zwischen Nunwil und Stäfligen. Für den Herbst ist die öffentliche Auflage vorgesehen (wir berichteten). Doch gegen das 450 000-Franken-Projekt regt sich Widerstand.

Wenig Freude an der ufernahen Wanderroute hat die Genossenschaft Seemattli in Römerswil. Sie besitzt einen Spiel- und Badeplatz direkt am Baldeggersee. «Das private Grundstück würde wohl bald fremde Badegäste anlocken und uns ein Litteringproblem bescheren», sagt Genossenschaftspräsident Urs Schryber. Er will die Problematik dem Verein schriftlich aufzeigen. Denn: Die vorgeschlagene Route entlang der zehn Einfamilienhäuser macht ihm Sorgen: «Der Wanderweg würde direkt über unsere schmale Quartierstrasse führen. Müssen Wanderer oder Biker mit Autos kreuzen, birgt dies Gefahren.» Der Verein wolle sich für den Rundweg zudem nur das Durchgangsrecht sichern, sagt Schryber. «Offen bleibt, wer sich um den Unterhalt kümmern würde.»

Bauern fürchten Enteignung

Ungeklärte Fragen solche stellen auch die Landwirte fest, die für das noch fehlende 5 Kilometer lange ufernahe Wegstück an der Westseite Hand respektive Land bieten müssten. Jvan Estermann aus Nunwil ist einer von ihnen. «Wir Bauern haben weder Zeit noch Lust, unsere Felder vor dem Weidegang jeweils mit dem Abfallsack abzuschreiten», sagt Estermann. «Ein solcher Weg lädt förmlich zum Baden, Bräteln und Festen am Seeufer ein, davor verschliesst der Verein die Augen.» Estermann kann sich für das Projekt nicht erwärmen. «Der Wanderweg wird schönste Felder zerstückeln und unsere Liegenschaften abwerten.» Die Bauern fürchten zudem, dass ihre Feldwege künftig zuparkiert würden. Sie kritisieren, der Verein entscheide über ihre Köpfe hinweg. «Im Herbst soll das Projekt öffentlich aufliegen. Gesehen haben wir Bauern davon aber noch nichts», sagt Estermann. «Ich befürchte, dass man uns einfach enteignet.»

Verhandlungen laufen

Urs Meyer, Präsident des Vereins Rundweg Baldeggersee, verhehlt nicht: «Ein Wanderweg wird ganz klar etwas mehr Betrieb um den Baldeggersee bringen.» Seiner Meinung nach hätten Seetaler aber das Recht, den See zu erleben. Auf die Abfall- und Unterhaltsproblematik angesprochen, entgegnet er: Tatsächlich sei derzeit weder für den Wegunterhalt noch für den Rangerdienst ein Konzept vorhanden. «Wir können aber garantieren, dass beides bei Eröffnung des Weges installiert sein wird.» Nicht gelten lässt Meyer den Vorwurf, der Verein habe die Landwirte zu wenig mit einbezogen. «Bevor es zur öffentlichen Auflage kommt, werden wir mit den Landwirten erneut das Gespräch suchen.» Neben einer Infoveranstaltung im November 2014 hätten bereits zwei individuelle Anhörungen stattgefunden.

Direkt involviert ist Landschaftsarchitekt Roger Hodel. Dem Altishofer übertrug der Regionalplanungsverband Idee Seetal AG die Projektleitung. Hodel suchte nicht nur das Gespräch mit den rund 20 Grundeigentümern, sondern auch mit Pro Natura, Gemeindebehörden und Vertretern der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Derzeit läuft die zweite Gesprächsrunde. Eines von Hodels Argumenten im Zuge der Verhandlungen: Entlang des Seeufers existieren heute viele halblegale (Trampel-)Pfade. Eine markierte Route schaffe Ordnung, was letztlich allen diene.

Skeptiker wünschen Rad-/Gehweg

Doch bis dahin gilt es noch einige Steine aus dem Weg zu räumen. Zu den Skeptikern des Projekts gehört nebst Landwirten auch Pro Natura Besitzerin des Baldeggersees. Der Rundweg würde das Schutzgebiet beeinträchtigen, teilte die Organisation mit. Ihr Kompromissvorschlag: einen Velo-/Wanderweg entlang der Strasse. Eine Lösung, die auch Urs Schryber und Jvan Estermann begrüssen würden. «Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe», sagt Estermann. «So hätten nicht nur Wanderer, sondern auch Schulkinder eine sichere Route.» Denn zwischen Nunwil und Retschwil gibt es heute weder Trottoir noch Veloweg. Urs Schryber pflichtet bei: «Es wäre eine einmalige Chance, das altbekannte Problem ein für alle Mal zu lösen.»

Für diesen Vorschlag hat Urs Meyer vom Verein Rundweg jedoch kein Gehör. «Die Gemeinden haben uns mit einer Leistungsvereinbarung beauftragt, eine ufernahe Strecke auszuarbeiten. Mit einer sinnvollen Linienführung, keinem Zickzackkurs.» Ein Weg nicht in, aber entlang der Naturschutzzonen sei gemäss kantonaler Schutzverordnung ausdrücklich möglich. Meyer: «Wir wollen nicht auf Biegen und Brechen eine Lösung erzwingen.» Gleichzeitig betont er aber noch einmal: «Der Rundweg ist keine Schnapsidee irgendeines Spinnervereins, sondern ein Projekt von öffentlichem Interesse im Auftrag der Seetaler Gemeinden. Dem gilt es Rechnung zu tragen.»

Evelyne Fischer

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