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SEETAL: Wiesel gegen die Mäuseplage

Ein Wiesel ernährt sich hauptsächlich von Nagetieren. Dies machen sich Landwirte nun zu Nutze.
Roseline Troxler
Zwei Wiesel, gespannt im hohen Gras. (Bild: Archiv Neue NZ)

Zwei Wiesel, gespannt im hohen Gras. (Bild: Archiv Neue NZ)

Ein Wieselweibchen fängt jährlich bis zu 860 Mäuse. Dies hat Markus Kretz, Präsident des Vernetzungsprojekts Schongau, dazu bewogen, diese Tierart besonders zu fördern. Der Schongauer macht beim Wieselförderprojekt Seetal mit. «Als produzierender Landwirt interessieren mich vor allem Tierarten, welche mir nützliche Helfer in der Schädlingsbekämpfung sind.» Wiesel seien für die Regulation der Feldmauspopulation ideal. «Als einziges Raubtier können Wiesel Feldmäuse unter der Schneedecke oder sogar unter der Erde in deren Gängen jagen.»

Zehn Seetaler Gemeinden dabei

Im letzten Sommer hat die Stiftung WIN das Artenförderungsprojekt «Wiesellandschaft Schweiz» ins Leben gerufen. Die Luzerner und Aargauer Gemeinden Aesch, Altwis, Bettwil, Boswil, Fahrwangen, Hitzkirch, Hohenrain, Meisterschwanden, Sarmenstorf und Schongau machen beim Teilprojekt Seetal mit. Dessen Projektleiterin Pia Schütz erklärt: «Wir wollen die vorhandenen Populationen von Hermelin und Mauswiesel langfristig sichern und stärken.» Das Hermelin ist der grosse Verwandte des Mauswiesels. Es sind die beiden in Mitteleuropa beheimateten Wiesel. Wichtig für den Erhalt und die Ausbreitung der Tiere seien Deckung und Unterschlupf bietende Kleinstrukturen. Dazu zählen Hecken, Ast- und Steinhaufen oder Gebüschgruppen. Sie bieten nicht nur Schutz vor Feinden wie Greifvögel, sondern sind auch Nestmöglichkeiten für die Jungtieraufzucht.

In Zusammenarbeit mit dem Landschaftsschutzverband Hallwilersee und Kultur Landschaft Aare-Seetal sowie mit der Landwirtschaft werden Workshops zum Thema Kleinstrukturen durchgeführt. «Dabei sollen ausgewählte Gebiete aufgewertet und insbesondere Landwirten aufgezeigt werden, welche Bedeutung Kleinstrukturen haben», so Pia Schütz. Die Workshops stossen auf grosses Interesse. Der letzte, kürzlich durchgeführte Kurs war beispielsweise mit 25 Teilnehmern ausgebucht. «Teilgenommen haben vor allem Praktiker, die beruflich oder privat im Naturschutz tätig sind, Landwirte und Behördenvertreter», so Pia Schütz.

Sechs Marderarten bekannt

Hermelin und Mauswiesel gehören zur Familie der Marder genauso wie Stein- und Baummarder, der Dachs und der Iltis. Wie viele Wiesel es im Kanton Luzern gibt, kann nicht beziffert werden. Jörg Gemsch von der Dienststelle Landwirtschaft und Wald erklärt: «Mauswiesel und Hermelin können im ganzen Kantonsgebiet beobachtet werden.» Auch Iltis, Dachs, Baum- und Steinmarder seien im ganzen Kanton Luzern – mit unterschiedlicher Dichte – verbreitet.

Der Kanton Aargau unterstützt das Wieselförderprojekt Seetal mit gut 16 000 Franken und mit der Vorbereitung von Informationsveranstaltungen. Künftig will der Kanton Aargau auch konkrete Aufwertungsprojekte mitfinanzieren, wie Reto Fischer vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt sagt. «Dieses Jahr sind 300 000 Franken für Lebensraumaufwertungen budgetiert», so Fischer.

Der Kanton Luzern kann ebenfalls Beiträge sprechen. Dies läuft im Kanton Luzern laut Jörg Gemsch allerdings via Vernetzungsprojekte. «Bei jeder Aufwertungsmassnahme kann ein Landwirt ein Unterstützungsgesuch einreichen», erklärt Gemsch. Kleinstrukturmassnahmen wie die Erstellung eines Ast- oder Steinhaufens würden jedoch aufgrund des geringen finanziellen Aufwands kaum unterstützt.

Keine Schäden an Kulturen

Da sich Mauswiesel von Feldmäusen ernähren, eignen sich vor allem Landschaften mit einem grossen Anteil an Naturwiesen und Weiden für die Ansiedlung, so Markus Kretz.

«Zwei Drittel aller Schongauer Landwirte haben sich bereits für die Teilnahme am Vernetzungsprojekt angemeldet. In diesem Jahr werden dadurch über 150 Kleinstrukturen auf unserem Gemeindegebiet entstehen», erzählt Markus Kretz. Der grosse Vorteil des Wiesels sei, dass es keine Schäden an Kulturen anrichtet. «Damit sich die Tierarten in den nächsten Jahrzehnten entwickeln und ohne Inzucht fortpflanzen können, müssen Gebiete vernetzt werden. So kann ein Populationsaustausch stattfinden.» Ein Mauswiesel wird 25 bis 250 Gramm schwer. Die Tiere werden maximal fünf Jahre alt. Das grössere, fast doppelt so schwere Hermelin lebt nur zwei Jahre.

Wiesel sind keine Kabelbeisser

Zu Mardern, zu denen auch Mauswiesel und Hermelin zählen, haben Menschen ein zwiespältiges Verhältnis, etwa weil sie in Geflügel- oder Hasenställe eindringen. Gefürchtet sind sie zudem als Kabelbeisser. Verantwortlich dafür sind nicht die von Landwirten geschätzten Mauswiesel und Hermelin, sondern die nachtaktiven Steinmarder. «Die Population der Stein- und Baummarder hat sich in den letzten Jahren in der Schweiz massiv nach oben entwickelt. Sie leben vorwiegend in Siedlungsgebieten. Daher ist das Zusammenleben dieser Marderarten und dem Menschen nicht nur harmonisch», erklärt Kretz.

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