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SEGELN: Yacht-Club Luzern: Der Anzug ist nicht mehr Pflicht

Vor 75 Jahren wurde der Yacht-Club Luzern gegründet. Einst trugen die Mitglieder elegante Blazer, heute kommen sie aus allen Schichten. Auch sonst hat sich der Segelsport stark gewandelt.
Theres Bühlmann
Das ehemalige Clubhaus des Yacht Clubs Luzern am Nationalquai. Im Hintergrund ist das Casino-Gebäude zu sehen. Bild: PD

Das ehemalige Clubhaus des Yacht Clubs Luzern am Nationalquai. Im Hintergrund ist das Casino-Gebäude zu sehen. Bild: PD

Die Idee entstand bei einem Drink nach dem Absegeln, welches jeweils das Saisonende einläutet. Warum nicht einen Segelclub gründen? Dies geschah am 5. Oktober 1941. Das Ansinnen wurde schnell in die Tat umgesetzt. Bereits am 2. November trafen sich die zwölf Gründungsmitglieder bei einem Nachtessen im «Roten Gatter» (Hotel des Balances) – der Yacht-Club Luzern war geboren.

Viel Geld war damals nicht vorhanden, dafür zeichneten sich die Gründer durch Engagement und Ideen aus. Die Anfänge des Vereins sind schriftlich nicht dokumentiert, aber in der Festschrift zum 50-Jahre-Jubiläum kann man nachlesen, dass es die Gründungsmitglieder nicht leicht hatten: «Sie fanden weder bei Politikern noch beim Volk die notwendige Unterstützung.»

Damals war es noch ruhig auf dem See

Weil es zu dieser Zeit auf dem Vierwaldstättersee nur wenig seglerische Aktivitäten gab, beschränkte man sich auf gesellschaftliche Ausflüge mit den wenigen Booten, die damals zur Verfügung standen. Dennoch wuchs die Mitgliederzahl kontinuierlich. 1943 führte der Club seine erste Regatta durch, 1954 verliess er sein altes Clubhaus am Nationalquai und zügelte vor das damalige Hotel Tivoli.

Einer, der sich noch gut an die 1950er-Jahre erinnern kann, ist Seppi Schriber (85) aus Rothenburg, heute in Rain wohnhaft. Als Schreinerlehrling baute er zusammen mit einem Cousin ein Holzboot der Klasse Pirat. In Ermangelung eines Bootsplatzes setzte er sich im Bojenfeld des Yacht-Clubs selbst eine Boje – ohne jemanden zu fragen. Er versenkte einen schweren Stein mit einer Kette, der oben mit einem Schwimmkörper versehen war. «Eine solche Handlung ist heute ja überhaupt nicht mehr denkbar», sagt Schriber. Aber so kam er in Kontakt mit dem Yacht-Club, «und ich gewann schnell viele Freunde».

Transport zum Genfersee dauerte drei Wochen

Bei den Wettkämpfen in der Luzerner Bucht starteten damals alle Bootsklassen gleichzeitig, wurden jedoch klassenweise gewertet. «Am Abend sassen wir dann im Tivolirestaurant am Quai zusammen, diskutierten und spannten Seglergarn», blickt Schriber zurück. Beim Segeln war sportliche Kleidung angesagt, in der Öffentlichkeit achtete man jedoch auf Eleganz, dunkle Blazer und helle Hosen.

An Wettkämpfen auf anderen Seen teilzunehmen, sei zu dieser Zeit äusserst aufwendig gewesen. Schriber konnte auf dem Genfersee an einer Regatta mitsegeln. Mit einem Schaufelbagger wurde das Boot auf einen Güterwagen der SBB verladen und konnte drei Wochen später in Genf wieder in Empfang genommen werden. Ähnlich kompliziert war auch das Einwassern.

Früher sei der Segelsport als elitär empfunden worden, so Schriber. «Heute hat sich dies zum Glück geändert.» Dass der Segelsport sich in den letzten Jahren stark verändert habe und das Image eines elitären Sports ablegte, bestätigt auch Bernhard Jurt, der aktuelle Präsident des Yacht-Clubs. 300 Mitglieder hat der Verein, vertreten seien alle Altersstufen, vom 6-jährigen Junior bis zum rüstigen Senior.

Seit 1967 befindet sich das Clubhaus am Churchill-Quai. Jurt selber begann zwei Jahre später, im Alter von 16 Jahren, als Vorschoter auf einem Holzdrachen, «und als ich damals anfing, sah ich am Abend im Clubhaus lauter Mitglieder im zweireihigen Anzug». Das ist nichts für mich, habe er sich gesagt, doch Jurt blieb dem Segeln treu, «und die Zeiten haben sich in den letzten 40 Jahren ja grundlegend geändert, die Clubmitglieder rekrutieren sich heute aus allen Schichten», sagt der Präsident. Der Zuspruch ist nach wie vor gross, «in den letzten vier Jahren konnten wir 31 Neuaufnahmen verzeichnen, welche am 15. Oktober anlässlich der Bootstaufe getauft wurden», so Jurt.

Die Feier zum 75-jährigen Bestehen ging übrigens bereits am 14. August im Hotel Seeburg über die Bühne. Und Anfang Oktober gabs erneut Grund zum Feiern für den Yacht-Club. Dank eines zweiten Platzes an einem Wettkampf in Kreuzlingen, konnte man sich in der Sailing League Promotion, der zweiten Segel-Nationalliga, behaupten.

YCL-Flotte in den ersten Clubjahren. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)YCL-Flotte in den ersten Clubjahren. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)
Eine Leidenschaft, die sich seit der Gründung 1941 vortsetzt... (Bild: zvg/Yachtclub Luzern)Eine Leidenschaft, die sich seit der Gründung 1941 vortsetzt... (Bild: zvg/Yachtclub Luzern)
... wie der Vergleich schon zeigt. Im Bild: Zwei Segler des YCL bei starkem Wind auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)... wie der Vergleich schon zeigt. Im Bild: Zwei Segler des YCL bei starkem Wind auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)
Das alte Clubhaus. (Bild: zvg/Yachtclub Luzern)Das alte Clubhaus. (Bild: zvg/Yachtclub Luzern)
Steg mit Badehaus im Jahre 1952. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)Steg mit Badehaus im Jahre 1952. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)
Die Gründungsmitglieder des YCL, aufgenommen am 50. Geburtstag im Jahr 1991. (Bild: zvg/Yachtclub Luzern)Die Gründungsmitglieder des YCL, aufgenommen am 50. Geburtstag im Jahr 1991. (Bild: zvg/Yachtclub Luzern)
Bis heute gehöre der YCL zu den aktivsten Segelclubs der Schweiz, so der Präsident Bernhard Jurt. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)Bis heute gehöre der YCL zu den aktivsten Segelclubs der Schweiz, so der Präsident Bernhard Jurt. (Bild: zvg/ Yachtclub Luzern)
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Yachtclub Luzern feiert 75. Geburtstag

Theres Bühlmann

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