Seidenhof-Schläger bleibt in der Anstalt

Vor drei Jahren starb ein Engländer in Luzern, nachdem er durch den Schlag eines Tibeters zu Boden ging. Nun stand der notorische Schläger vor Gericht.

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Kerzen und Blumen erinnerten noch lange Zeit nach der Tat an das Opfer. (Bild: Archiv Boris Bürgisser/Neue LZ)

Kerzen und Blumen erinnerten noch lange Zeit nach der Tat an das Opfer. (Bild: Archiv Boris Bürgisser/Neue LZ)

«Ich habe Schande über alle Tibeter in der Schweiz gebracht, das tut mir leid», sagte der 26-jährige Angeklagte am Mittwoch den Richtern. Überhaupt wolle er sich bei allen entschuldigen. Wenn er könnte, würde er sein Leben geben, um sein Opfer wieder lebendig zu machen. Diesem hatte er im Oktober 2008 an der Seidenhofstrasse in der Stadt Luzern einen Schlag auf die Brust versetzt. Beim folgenden Sturz auf die Strasse zog sich der Engländer dermassen starke Kopfverletzungen zu, dass er später daran starb.

Das Luzerner Kriminalgericht sprach den Beschuldigten gestern Nachmittag schuldig unter anderem der fahrlässigen Tötung, der einfachen Körperverletzung und der unterlassenen Nothilfe. Der Tibeter muss bei einer im mittleren Grade verminderten Schuldfähigkeit Dreieinviertel Jahre ins Gefängnis bei Anrechnung der verbüssten 205 Tage in der Untersuchungshaft. Seine Strafe wird er in einer geschlossenen Anstalt verbringen, in der er sich bereits befindet. Dort wird er psychiatrisch behandelt und dort muss er allenfalls über das Strafmass hinaus bleiben, falls dies für Nötig befunden wird. Denn der Tibeter hat nicht nur ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung), sondern auch eine Persönlichkeitsstörung. Deswegen war er bereits seit eineinhalb Jahren im vorzeitigen Massnahmevollzug.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Stefan Roschi

Den ausführlichen Arikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Luzerner Zeitung.

Der Fall

Am 25. Oktober 2008, einem Samstagmorgen, kurz nach 5 Uhr: An der Seidenhofstrasse in Luzern treffen sich ein Franzose und ein 28-jähriger Engländer. Die beiden schlendern vom Club Adagio Richtung Bahnhofstrasse. 10 Meter vor der Einmündung treffen sie gemäss Polizeimitteilung «auf eine Gruppe von 4 bis 8 Personen zwischen 20 und 30 Jahren mit asiatischem Einschlag».

Eine belanglose Diskussion in Englisch beginnt, gibt später der Franzose zu Protokoll. Dann sieht er plötzlich seinen Kollegen, der mit einem andern Asiaten am Reden war, «wie eine Tanne» zu Boden fallen. Einer der Asiaten, ein muskulöser, athletischer, 23-jähriger Tibeter mit Oberlippen- und Kinnbart, hat dem Engländer einen brutalen Faustschlag mitten ins Gesicht verpasst. Der Getroffene prallt auf den Asphalt, bleibt mit schwersten Kopfverletzungen liegen und stirbt später.

Um die Ermittlungen voranzutreiben, setzten die Untersuchungsbehörden ein für Luzern eher aussergewöhnliches Mittel ein: Sie fertigten Flugblätter in Deutsch und Englisch an und liessen sie von Kriminalbeamten in Restaurants und auf der Strasse verteilen. Zudem belohnten sie Hinweise, die zur Ermittlung der Täterschaft führten, mit 5000 Franken.

Die Luzerner Polizei konnte den Tibeter einen Tag später in dessen Wohnung dank einem Hinweis aus der Bevölkerung festnehmen. Er legte ein umfassendes Geständnis ab.