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Seine Nummer hat wohl jeder Guugger auf dem Land im Sack: Auf Visite beim «Instrumente-Notarzt» Heinz Meyer

Für die schiefen Töne biegt er das Blech gerade: Heinz Meyer (55) rettet beinahe jedes Instrument. Zu Besuch in einem Altishofer Schlagzeug-Geschäft, das Fasnachtsgeschichte geschrieben hat.
Evelyne Fischer
Für die Fasnacht bringt er jedes Instrument wieder in Schuss: Heinz Meyer vom Altishofer Schlagzeugshop Glanzmann. (Bild: Boris Bürgisser, 25. Januar 2019)

Für die Fasnacht bringt er jedes Instrument wieder in Schuss: Heinz Meyer vom Altishofer Schlagzeugshop Glanzmann. (Bild: Boris Bürgisser, 25. Januar 2019)

«Geht nicht, gibts nicht» – dieser Spruch ist für Heinz «Meisi» Meyer Ansporn und Versprechen zugleich: Seit 24 Jahren ist der gelernte Mechaniker aus Sursee im Untergeschoss des Schlagzeugshops Glanzmann in Altishofen anzutreffen. Hier bringt er lädierte Guugger-Instrumente wieder in Schuss: Verbeulte Posaunen («in Reih und Glied an die Hauswand angelehnt, kamen sie im Dominoeffekt zu Fall»), verklemmte Ventile («das Öl-Fläschchen wurde mit einem Gütterli ‹Loctite› verwechselt, mit dem man Schrauben sichert»), oxidierte Trompeten («im feuchten Keller gelagert»), verhockte Mundstücke («der Klassiker»).

Heinz Meyer ist ein hagerer Mittfünfziger, begrüsst in Faserpelz und Jeans. Graumeliertes Haar fällt strähnig ins Gesicht; ein Lächeln auf den Lippen, Schalk in der Stimme. Beim Besuch erhitzt Meyer mit einem Brenner gerade den Stimmzug eines Sousafons. Die Wärme und einige Tropfen Öl sollen helfen, das verhockte Teil rauszubekommen, das zum abgemurksten Mundstück auf der Werkbank passt.

«Viele greifen nur für die Fasnacht zum Instrument»

Manche Guugger glauben, bei ihrem Instrument sei Hopfen und Malz verloren. Meyer winkt ab. «Ich versuche, alles zu reparieren.» Sofern eine Trompete nicht gerade vom Auto platt gewalzt wurde («kommt immer wieder vor»), lasse sich das meiste retten. «Viele Guugger greifen halt einzig für die Fasnacht zum Instrument, haben kaum einen Bezug dazu.» Trotzdem seien sie «ein gutes Völkli», sagt er und lacht.

Selbst in diesen Tagen, an denen Schränzer von Büron bis Burgdorf bei ihm Schlange stehen, ist Meyer die Ruhe selbst. Nicht von ungefähr. Meyer ist guuggenerprobt. Zünftig. In jungen Jahren spielte der gebürtige Buttisholzer bei den dortigen «Goschtibärgbrätschern» und «Gloggereschränzern», kurz machte er bei den Littauer «Kakaphonikern» mit, haute bei den «Ämmeruuggern» in Wolhusen aufs Schlagzeug. Heute sorgt er bei der Samba-Truppe «Preparen Candela» in der Stadt Luzern unter der Egg für feurige Rhythmen – aber erst nach Feierabend.

Mit dem «Starfighter» für Furore gesorgt

Als Mechaniker und ausgebildeter Drummer stieg Meyer ursprünglich als Schlagzeugverkäufer und -reparateur ins Kerngeschäft des Altishofer Schlagzeugshops ein. Im Ausstellungsraum neben seiner Werkstatt ist der Stolz des Hauses zu finden: der «Starfighter», die legendäre «Guugger-Chochi». Jenen fahrbaren Untersatz aus Metall mit Toms, Snares und Glocken, der von Sepp Glanzmann, Inhaber und Gründer des Schlagzeugshops, Ende der 70er-Jahre erfunden wurde und seither in keiner Guuggenmusig fehlt. Meyers Strichli-Liste zeigt: Noch anfangs der 2000er-Jahre verkaufte der Schlagzeugshop 50 «Starfighter» jährlich, heute sind es rund 10. Und so sieht er aus:

Abgelöst wurde das Altishofer Aushängeschild mittlerweile vom Original «Alustar» aus Cham, einem etwas leichteren Fabrikat. Zwischen 10 und 25 Stücke verkauft der Laden pro Jahr. Auch hier wird ein Fahrgestell im Baukasten-System mit jedem erdenklichen Schnickschnack ausgerüstet – angefangen beim Getränkehalter über Doppelräder («für den Auftritt an Orten mit Tramschienen») bis hin zum Drehgelenk bei den Toms. So lässt sich die Reihe fellbestückter Trommeln in die Vertikale drehen, wodurch die «Guugger-Chochi» zwar noch nicht handlich, aber immerhin beizentauglich wird. Das günstigste Modell kostet rund 2000 Franken. «Ich baute aber auch schon ein 5000 Franken teures Instrument zusammen», sagt Meyer und lacht. «Der Käufer war ein Zürcher und fuhr mit dem Porsche Cayenne vor.» Geht nicht, gibts nicht.

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