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Seine Werke kennt man auch in Hamburg

Kilian Kurmann baut in seiner Freizeit Motorräder aus verschiedenen Materialien. Von seinem Hobby haben nun auch Filmemacher aus Deutschland Wind bekommen – und drehten für einen Baumarkt einen Kurzfilm.
Roger Rüegger
Kilian Kurmann in seiner Werkstatt mit drei Exemplaren der Einachser-Motorräder. (Bild: Pius Amrein (Gettnau, 30. Juli 2018))

Kilian Kurmann in seiner Werkstatt mit drei Exemplaren der Einachser-Motorräder. (Bild: Pius Amrein (Gettnau, 30. Juli 2018))

Was bei Kilian Kurmann an Fahrzeugen und Maschinen rund ums Haus, in einem Unterstand und in seiner Werkstatt steht, ist auf ein paar Zeilen nicht aufzuzählen. Darum beschränken wir uns auf die neueren und die etwas auffälligeren Geräte. Seine Werkstatt hat er in einem Raum einer Industriehalle in Gettnau eingerichtet. Neben einer Drehbank und einer Fräsmaschine ist die Bude mit zwei Schweissgeräten sowie einem kleinen Industrieofen ausgestattet. In Letzterem giesst der gelernte Maurer zum Beispiel Spezialteile aus Aluminium. «Optional kann man das Gerät auch als Pizzaofen verwenden», erklärt Kile – Töfffahrer duzen sich – dem Fotografen und dem Reporter.

Der Handwerker mit dem Bart, der stets zu einem Zopf gebunden ist, hat nicht nur Humor. Er ist auch vielseitig und flexibel, wenn er sich in sein Hobby, den Eigenbau von Motorrädern, vertieft. «Ich war schon immer ein Töfflibueb. Alles, was mit Motoren zu tun hat, fasziniert mich seit der Kindheit», gibt er zu und betont, dass er immer die bösesten Töffli gebaut habe. Das Modifizieren von Motoren scheint Tradition im Hause Kurmann zu haben. «Schon mein Vater war zügig unterwegs. Er hat mir aber deutlich gesagt, dass man Töffli nicht frisieren darf. Aber gäu, denn werd’s äbe interessant», meint der 28-Jährige grinsend.

Regelmässig grosse Projekte für Bike-Show

Doch lassen wir die Töffligeschichten ruhen und widmen uns den grossen Taten, beziehungsweise den grossen Motoren und Maschinen, die Kile baut. Ein solches Projekt nimmt er immer in Angriff, wenn ein «Big Hill» ansteht. So heisst ein Motorradtreffen, das der «Iron Drivers» MC aus Willisau alle zwei Jahre im Städtchen und auf der Bösegg ­organisiert und das jeweils Tausende Biker und sehr viele Schaulustige ins Hinterland lockt.

Bei jedem Big Hill werden die schönsten und ausgefallendsten Maschinen von den Zuschauern gewählt und von den Organisatoren prämiert. Für Kile war das vor rund zehn Jahren der Anreiz, mit einem ausgefallenen Gerät am Treffen vorzufahren. «Damals glaubte ich, in drei Tagen einen Baumstamm mit einem Motor und zwei Rädern zu einem verrückten Fahrzeug zusammenbauen zu können. Als es so weit war, konnte ich das Ding nicht einmal starten», blickt er zurück und lacht. Heute wäre das undenkbar. Erstens macht er keine Schnellschüsse mehr, und zweitens lässt sich ein Fabrikat aus dem Hause Kurmann immer fahren. Es ist zwar nicht unbedingt benutzerfreundlich, aber bestimmt ein Unikat und ein Hingucker.

Im Jahr 2011 schweisste er ­einen Rahmen aus dicken Rohren zusammen und verstärkte diesen mit Streben aus Rundstahl. Er bestückte diesen mit Rädern von einem Lastwagenanhänger und einem Yamaha-Motor mit 550 Kubikzentimetern. Es entstand ein braunes Monster. Zwei Jahre später verschraubte er ein Holzgestell mit Kutschenrädern und motorisierte die Komposition mit einem Dieselaggregat einer Baumaschine. Eine weiteres gewaltiges Zweirad folgte im Jahr 2013.

Der Hingucker schlechthin ist aber das Rapid-Motorrad. Der Name verrät bereits, dass es auf einem landwirtschaftlichen Fahrzeug basiert, dem Rapid-Einachser. «Ich kaufte mir in der Jugend so einen Einachser. Daher weiss ich ziemlich gut Bescheid über dessen Mechanik. Zudem handelte ich eine Zeit lang mit Ersatzteilen dieser Marke. Weil bei mir in der Werkstatt noch etliche Ersatzteile herumstehen, dachte ich, dass man daraus ein Bike bauen kann», sagt Kile. Auf die Frage, weshalb er, der nicht auf einem Bauernhof aufgewachsen ist, einen Einachser besass, meint er schlicht: «Es get Sache, wod ­eifach muesch ha aus Bueb. Zom Bispöu en Eiachser.»

Noch bevor die Maschine fertiggestellt war, wollte ihm diese bereits jemand abkaufen. «Ein Unternehmer aus der Region hat mir ein Angebot unterbreitet. Ich aber lehnte ab. Denn mit diesem Bike wollte ich ans Big Hill – und ein Bike, das ich für dieses Treffen baue, gebe ich nicht aus den Händen. Die Maschinen sind mir heilig», unterstreicht er. Aber Kile hatte eine Lösung. Er baute für den Interessenten einen zweiten, auf den ersten Blick fast identischen Rapid-Töff. Und weil er gerade bei der Produktion war, baute er gleich einen dritten Brummer.

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Leute über solch fantasievolle Geräte reden, diese fotografieren und die Bilder ins Internet stellen. Und weil diese Dinge nicht nur von Freunden, sondern auch von Freunden der Freunde und anderen Leuten aufgeschnappt werden, meldete sich eines Tages ein Typ aus Hamburg telefonisch bei Kurmann. «Der wollte mit mir einen Film drehen. Die sind eigens aus Hamburg nach Gettnau gefahren, um mich, meine Bikes und meine Arbeit zu filmen», sagt Kile, der immer noch überrascht ist, dass sein Geschraube bis nach Norddeutschland vorgedrungen ist.

Dritter Einachsertöff steht zum Verkauf

So ist jetzt auf macher.hornbach.de unter dem Titel «Alles Motorrad» ein Film vom Gettnauer Motorradbauer zu sehen. Darin erklärt Kile, dass er ohne dieses Hobby vermutlich allen anderen Leuten «auf den Sack» gehen würde. Nun ist noch zu klären, was mit dem dritten Rapid geschehen soll. Kile schmunzelt. «Der steht zum Verkauf. Für das Big Hill im nächsten Jahr habe ich schon eine Idee. In das Projekt muss ich einiges investieren, wenn ich dies mit dem Verkauf des Rapids finanzieren könnte, wäre es optimal.»

Der Mann, der in seinem Alltagsberuf Rundholz transportiert, will beim nächsten Big Hill mit der grossen Kelle anrichten und auch gewinnen. Womit er anreisen wird, verrät er uns nicht. Beim Verabschieden auf dem Vorplatz drängt sich dann aber doch noch eine Frage auf: Warum steht eine schwere Schneefräse, die bereits beim Ausbruch des Kriegs veraltet war, auf dem Gelände? Er lacht und sagt nur: «Muesch ha.»

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