Seit 100 Jahren im Dienst der Gesellschaft: So startet die Frauengemeinschaft Dagmersellen ins Jubiläumsjahr

Die Frauengemeinschaft Dagmersellen feiert den 100-jährigen Geburtstag. Zeit also für einen Moment auf dem «Jubiläums-Pausebänkli».

Stephan Santschi
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Organisierte eine grosse Party für alle kleinen Fasnächtler: die 100-jährige Frauengemeinschaft Dagmersellen.

Organisierte eine grosse Party für alle kleinen Fasnächtler: die 100-jährige Frauengemeinschaft Dagmersellen.

Bild: Corinne Glanzmann (Dagmersellen, 29. Januar 2020)

«Stimmt, die Frauengemeinschaft Dagmersellen ist von einem Mann initiiert worden, dem damaligen Ortspfarrer Johann Korner», sagt Marie-Theres Knüsel Kronenberg und fügt lachend hinzu: «Ohne Frauen wäre es natürlich aber nicht gegangen.» 100 Jahre ist es nun her, seit die Katholische Kirche die FG Dagmersellen zu Gunsten der Frauenförderung gegründet hat. Knüsel, welche die FG Dagmersellen seit drei Jahren präsidiert, sagt:

«Es ging um Bildung, um Beziehungsarbeit. Besonders berührt hat mich, dass junge Mädchen schon damals ermutigt wurden, einen Beruf zu erlernen.»

Am Freitag findet im Pfarrei- und Gemeindezentrum Arche in Dagmersellen die 100-Jahr-Generalversammlung statt. Zusammen mit der fasnächtlichen Geburtstagsparty vom Mittwoch gilt sie als Startschuss zu verschiedenen Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr. Präsentiert wird an der GV das sogenannte «Jubiläums-Pausebänkli», welches danach vor die Arche gestellt wird. Es hat symbolischen Charakter und soll die Menschen animieren, sich hinzusetzen, zurückzuschauen, stolz zu sein, zu danken und in die Zukunft zu blicken.

Auf dem Programm der Fasnachtsveranstaltung in der Arche Dagmersellen steht auch Pipo der Clown auf dem Programm.

Auf dem Programm der Fasnachtsveranstaltung in der Arche Dagmersellen steht auch Pipo der Clown auf dem Programm. 

Bild: Corinne Glanzmann (29. Januar 2020)

Kindergarten und Spitex als Meilensteine

In den vergangenen 100 Jahren war die soziale Tätigkeit ein Dauerauftrag der FG Dagmersellen. Besonders erwähnenswert ist das Jahr 1942, als man während des Zweiten Weltkriegs einen Kindergarten gründete. «Das war in dieser wirtschaftlich schwierigen Phase eine aussergewöhnliche Leistung», betont Marie-Theres Knüsel. Etwa zur gleichen Zeit nahm die Frauengemeinschaft den Krankenpflegeverein auf, aus dem später die Spitex hervorging.

Weitere Meilensteine sind auf die 70er-Jahre zurückzuführen, damals riefen die Dagmersellerinnen die Doppelscuola ins Leben (1974). «Das war eine Hausaufgabenhilfe, die vor allem von fremdsprachigen Kindern genutzt wurde», erzählt Knüsel. 1978 entstanden die Spielgruppe, das «Team junger Eltern» und die Seniorenarbeit – alles Einrichtungen, die noch heute unter dem Dach der Frauengemeinschaft geführt werden. Im Fall der Spielgruppe gar mit einem Leistungsauftrag der Gemeinde zur frühen Sprachförderung.

Jubiläumsreise an einen historischen Ort

Wer so viel geleistet hat, verdient sich in der Tat einen Moment auf dem «Jubiläums-Pausebänkli» und darf sich auf das eine oder andere Highlight freuen. Marie-Theres Knüsel sagt:

«Wir möchten in diesem Jahr die Vielfalt des Vereins aufzeigen.»

Neben Veranstaltungen wie einem Jubiläumsgottesdienst (10. Mai), dem Open-Air-Kino (12. August), einer Generationenwanderung (23. September) oder dem regionalen Begegnungsabend (19. November) sticht die Jubiläumsreise (13./14. Juni) aus dem reichhaltigen Programm heraus. Ziel ist die Gemeinde Unterbäch im Kanton Wallis, die als «Rütli der Frauen» gilt. Dort gingen die Frauen bereits im März 1957 an die Urne und damit 14 Jahre bevor hierzulande das Frauenstimmrecht eingeführt wurde.

Heute umfasst die FG Dagmersellen, die dem Schweizerischen Katholischen Frauenbund angeschlossen ist, rund 330 Mitglieder. Eine Zahl, die zuletzt konstant geblieben ist, wie Marie-Theres Knüsel festhält. Sie verschweigt nicht, dass die Herausforderung grösser werde, «die Kirche steht heute weniger im Zentrum der Gesellschaft als früher». Die FG Dagmersellen orientiere sich aber weiterhin am Puls der Zeit und werde dort aktiv, wo sozialer Handlungsbedarf bestehe. So wurde 2009 das Café international gegründet, wo sich Migrantinnen und Schweizer Frauen im lockeren Rahmen treffen.

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