Seit 125 Jahren wird in Beromünster gesungen: «Wir sind kein gewöhnlicher Chor»  

Der Kirchenchor St. Stephan bittet zum Jubiläumsgottesdienst. Der Blick zum Dirigentenpult offenbart Historisches.

Stephan Santschi
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Letzte Probe vor dem grossen Auftritt: Dirigentin Annalisa Maggiore und der Kirchenchor St. Stephan.

Letzte Probe vor dem grossen Auftritt: Dirigentin Annalisa Maggiore und der Kirchenchor St. Stephan.

Bild:  Boris Bürgisser (Beromünster, 23. Dezember 2019)

Wenn der Kirchenchor St. Stephan aus Beromünster am Donnerstag, 26. Dezember, in der Pfarrkirche zum Jubiläumsgottesdienst lädt, werden die singenden Frauen und Männer von Annalisa Maggiore dirigiert. Sie ist erst die zweite Frau auf diesem Posten und dies will mit Blick auf die Historie doch einiges heissen.

Denn: Besagter Kirchenchor ist heuer bereits 125 Jahre alt geworden und wer in der Chronik blättert, stellt fest: Die erste Dirigentin war Anna Dolder, die am 3. August 1894 den ersten Auftritt überhaupt geleitet hat. «Warum so wenige Frauen bei uns dirigieren, weiss ich nicht. Es bewerben sich gewiss mehr Männer», sagt Kirchenchor-Präsidentin Margrith Stalder und hält fest: «Mit Annalisa Maggiore haben wir eine sehr herzliche und geduldige Dirigentin bekommen. Sie ist ein Profi, leitet bereits den Mauritius-Chor in Emmen.»

Geübt wird mit Hilfe von Videos auf YouTube

Das ist sozusagen Usus im Kirchenchor St. Stephan, die Chorleiter sind traditionell Fachleute. «Von uns wird etwas verlangt, wir sind kein gewöhnlicher Chor. Das fängt schon beim professionellen Einsingen an», erklärt Stalder. Geübt werden, sollte dabei auch zu Hause, ganz modern nutzen die Kirchenchormitglieder das Videoportal YouTube, um sich ihre Stimmen anzuhören. Finanziert wird die Dirigentin von der Kirchgemeinde, auch für den Jubiläumsgottesdienst wird eine Pauschale zur Verfügung gestellt. Mitgliederbeiträge werden keine erhoben, darüber hinaus finden regelmässig Vereinsausflüge statt. «In einem Kirchenchor wird einem also einiges geboten», sagt Margrith Stalder.

Der Grund, warum sie etwas die Werbetrommel rührt, ist nachvollziehbar. Wie viele Vereine tut sich auch der Kirchenchor St. Stephan schwer mit dem Rekrutieren von Nachwuchs. Aktuell zählt er 34 Sängerinnen und Sänger, «eine Zahl, die in den letzten Jahren immerhin stabil geblieben ist», wie Stalder sagt. Sie selber ist seit sechs Jahren Präsidentin und seit 33 Jahren im Chor. Stalder sagt:

«Das Gesellige steht im Vordergrund, wir haben auf dem Land eine schöne Zeit zusammen.»

Und die Gunzwilerin  fügt mit einem Lächeln an: «Turnen muss ich nicht im Verein, das kann ich auch alleine.»

Nach den Highlights der Geschichte befragt, erzählt Margrith Stalder von grossen musikalischen Werken, an die man sich zwischendurch herangewagt habe. Die Krönungsmesse von Mozart zum Beispiel, das Weihnachtsoratorium von Bach oder ein Deutsches Requiem von Brahms. Und sie erwähnt Dominik Ineichen, der 34 Jahre lang den Kirchenchor leitete und massgebend an der Beschaffung der neuen Orgel im Jahr 1987 beteiligt war. Auch die Teilnahmen an Kantonalen Gesangsfesten und am Schweizerischen Gesangsfest in Weinfelden 2008 sind bemerkenswert. Zum 100-Jahr-Jubiläum gab es sogar eine Fahne, «das haben nur wenige Kirchenchöre».

Pfarrkirche dürfte am Stephanstag rappelvoll sein

Die Kernkompetenz – «das, was man von einem Kirchenchor erwartet» – wie Stalder sagt, ist aber die Teilnahme an Festgottesdiensten. An Ostern, Pfingsten oder wie am Stephanstag, wenn es zu Ehren des 125-Jahr-Jubiläums zu einer aussergewöhnlichen Feier kommt. Der Kirchenchor St. Stephan wird dann durch vier Solisten und das 14-köpfige Orchester Camerata Musica Luzern verstärkt. Auf dem Programm steht die Orchestermesse «Missa solemnis in C» von Wolfgang Amadeus Mozart. «Wir erwarten, dass die Kirche wie üblich mit über 300 Besuchern rappelvoll sein wird.»

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