Seit 30 Jahren sind sie in Luzern die drei Könige

Die Brüder Andereggen sind seit Jahrzehnten in der Luzerner Theaterszene aktiv. Aber nur eine Rolle spielen die Drillinge bis heute Jahr für Jahr: die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar beim Luzerner Sternsingen.

Lena Berger
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Die Drillinge Pius, Roland und Thomas Andereggen (von links) schlüpfen seit drei Jahrzehnten in die Rolle der Heiligen Drei Könige. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Dezember 2018))

Die Drillinge Pius, Roland und Thomas Andereggen (von links) schlüpfen seit drei Jahrzehnten in die Rolle der Heiligen Drei Könige. (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 22. Dezember 2018))

Unter den Darstellern beim Luzerner Sternsingen, das jeweils kurz vor Weihnachten stattfindet, ist es ein «offenes Insidergeheimnis»: Die drei Könige, die werden von den Brüdern Andereggen gespielt. Alle anderen Rollen werden praktisch jedes Jahr neu vergeben, diese aber sind seit rund 30 Jahren fix. Kein einziges Mal fehlten die drei.

Allerdings mussten sich die Drillinge diese gefestigte Position erst erarbeiten. Vor 52 Jahren, als die drei mit acht Jahren das erste Mal bei den Sternsingern mitliefen, waren sie noch einfache Hirten – und ihr Vater spielte den Josef. «Es war einfach schön dabei zu sein, wir waren richtig stolz», erinnert sich Roland Andereggen. Im Laufe der Jahre hatten sie dann verschiedenste Rollen, bis sie vor rund 30 Jahren schliesslich zu ihrer wahren Berufung fanden: den drei Königen.

Faszination in eine andere Rolle zu schlüpfen

«Es ist einfach wunderbar, eine Person zu spielen, die man nicht ist», schwärmt Thomas Andereggen. «In einen anderen Charakter zu schlüpfen, ist eine tolle Abwechslung und einfach befreiend.» Der Jüngste der drei Brüder ist leidenschaftlicher Schauspieler. Seit Jahrzehnten steht er im Theater St. Karl auf der Bühne, während seine Brüder Pius und Roland sich primär hinter den Kulissen engagieren.

Bei dieser Aufnahme aus dem Privatarchiv der Andereggens dürften die drei Brüder noch gut 30 Jahre jünger gewesen sein.

Bei dieser Aufnahme aus dem Privatarchiv der Andereggens dürften die drei Brüder noch gut 30 Jahre jünger gewesen sein. 

Die drei Brüder kamen 1958 in einem Abstand von fünf Minuten auf die Welt – zur grössten Verblüffung der Eltern, die nichts von einer Mehrlingsgeburt ahnten. Lange Zeit waren die drei praktisch unzertrennlich. Bis sie 27 Jahre alt waren, haben sie sich sogar zusammen ein Zimmer geteilt. Zum Streit kommt es kaum je – auch nicht über die Rollenverteilung. Wenn es darum geht, wer welchen König spielt, dann wechseln sich Thomas und Roland in der Rolle von Caspar und Melchior ab. Pius hingegen ist immer Balthasar. «Weil ich weiss, wie man mit dem Weihrauch umgeht – und mir im Gegensatz zu den anderen beiden nicht schlecht davon wird», erklärt er. Das aromatische Harz steht in der Geschichte symbolisch dafür, dass den Menschen mit Jesus ein Sohn Gottes geboren wurde. Das Gold steht für Reichtum und die Myrrhe für die Gesundheit. Die Gaben sind in der Bibel erwähnt, allerdings waren dort die Besucher weder Könige noch Heilige. Die Rede ist vielmehr von drei Weisen, zum Teil wird diskutiert, dass sie Astrologen oder Traumdeuter gewesen sein sollen.

Schutzpatrone der Reisenden

Mit solcherlei aussergewöhnlichen Talenten haben die drei Brüder allerdings nichts am Hut. Alle drei haben ursprünglich ein Handwerk gelernt und bleiben daher – der königlichen Aufmachung zum Trotz – bodenständig. «Wir werden vielleicht langsam älter, aber als weise würde ich uns jetzt nicht bezeichnen», sagt Pius Andereggen lachend. Am ehesten kann sich sein Bruder Thomas mit der Funktion der drei Könige als Schutzpatrone der Reisenden identifizieren. «Ich habe Glück, ich kann seit meiner Frühpensionierung mit meinem Partner viel reisen und die Welt erkunden.» Als Nächstes stehen zwei Wochen auf Gran Canaria auf dem Programm. Auf den Start der neuen Theatersaison will er allerdings zurück sein. Und auch selbstverständlich werden die nächsten Winterferien so geplant, dass man spätestens aufs Sternsingen wieder zurück in Luzern ist.