SEKUNDARSCHULE: Stadt schafft Niveauklassen ab

In der Stadt Luzern werden künftig starke und schwache Schüler gemeinsam unterrichtet. Dies aus pädagogischen Gründen, sagt die Stadt.

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Lehrerin Sonja Stocklin gestern beim Englischunterricht mit 1.-Klasse-Sekundarschülerinnen der Pilotklasse «integrierte Sekundarschule» im Schulhaus Gasshof im Stadtteil Littau. (Bild Boris Bürgisser)

Lehrerin Sonja Stocklin gestern beim Englischunterricht mit 1.-Klasse-Sekundarschülerinnen der Pilotklasse «integrierte Sekundarschule» im Schulhaus Gasshof im Stadtteil Littau. (Bild Boris Bürgisser)

Hugo Bischof

Ab dem Schuljahr 2016/17 wird in den Sekundarschulen der Stadt Luzern schrittweise das Modell «integrierte Sekundarschule» eingeführt. Das gab Stadträtin Ursula Stämmer-Horst gestern an einer Medienkonferenz bekannt. Bisher wurden Schüler beim Eintritt in die Sekundarschule je nach Leistungsstärke in eine Niveauklasse A, B oder C eingeteilt. Damit ist künftig Schluss.

Die Medienorientierung fand im Schulhaus Gasshof im Stadtteil Littau statt. Das war kein Zufall, denn hier wird seit Beginn des laufenden Schuljahres im Rahmen eines Pilotprojekts eine 7. Klasse bereits nach dem neuen Modell unterrichtet. «Die bisherigen Erfahrungen damit sind nur positiv», sagte Schulleiter Meinrad Leffin gestern.

Gemeinsamer Unterricht

Integrierte Sekundarschule bedeutet, dass die Schüler nach der Primarschule unabhängig von ihren Leistungen einer Stammklasse zugeteilt werden. Somit werden bisherige A-, B- und C-Schüler künftig auch auf der Sekundarstufe gemeinsam unterrichtet, wie das schon auf der Kindergarten- und der Primarschulstufe der Fall ist.

Allerdings sollen die individuellen Stärken und Schwächen der Lernenden künftig weiter berücksichtigt werden, betonte Gasshof-Schulleiter und Projektleiter Meinrad Leffin. In den Fächern Mathematik und Deutsch wird deshalb innerhalb der Stammklasse weiter in drei Niveaus (A, B und C) unterrichtet werden, in den Fächern Naturlehre, Geografie und Geschichte in zwei Niveaus (A/B und C).

Ausnahmen: Französisch, Englisch

In allen anderen Fächern gibt es künftig keine Niveaus mehr. Die grosse Ausnahme sind Französisch und Englisch. Hier werden die Schülerinnen und Schüler ausserhalb der Stammklasse zusammen mit Lernenden anderer Klassen in den Niveaugruppen A (höhere Anforderungen), B (erweiterte Anforderungen) und C (grundlegende Anforderungen) unterrichtet.

Ein Niveauwechsel ist semesterweise möglich, ohne die Stammklasse wechseln zu müssen. «Das ist einer der grossen Vorteile der integrierten Sekundarschule», sagte Meinrad Leffin. «Bisher waren Niveauwechsel immer auch mit einem Klassenwechsel verbunden, was viele Schüler abschreckte.»

Ab 2018/19 flächendeckend

Die integrierte Sekundarschule wird ab 2016/17 schrittweise in allen sechs Sekundarschulen der Stadt Luzern eingeführt im ersten Schuljahr zunächst in allen 7. Klassen, danach auch in den weiteren Klassen. Ab dem Schuljahr 2018/19 werden alle Sekundarschülerinnen und -schüler nach diesem Modell unterrichtet werden.

«Die integrierte Sekundarschule kann mit der vorhandenen Rauminfrastruktur und ohne zusätzliche Kosten umgesetzt werden», sagte Stadträtin Stämmer. Alle Schüler sollen davon profitieren. «Entscheidend für die Modellwahl sind pädagogische Überlegungen», so Projektleiter Leffin. «Der Selektionsdruck fällt weg. Und das Voneinander-Lernen fördert die Sozialkompetenz.»