Seltener Beruf Brunnenbauer: Louis Franks Werke überdauern Generationen

Der Grossdietwiler Louis Frank stellt Brunnen her – ein ungewöhnlicher Beruf, der wegen der Hitze kriselt. Doch für sein Handwerk kommen Kunden von weit her zu ihm ins Luzerner Hinterland.

Niels Jost
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Produziert im Jahr bis zu 50 Betonbrunnen: Louis Frank (58) aus Grossdietwil. (Bild: Boris Bürgisser, Grossdietwil 2. August 2019)

Produziert im Jahr bis zu 50 Betonbrunnen: Louis Frank (58) aus Grossdietwil. (Bild: Boris Bürgisser, Grossdietwil 2. August 2019)

Ob mitten in der Stadt, am Wanderweg oder auf der Kuhweide: Brunnen bieten in diesen heissen Tagen sowohl Mensch als auch Tier eine willkommene Abkühlung. Doch wegen der Trockenheit ist in so manch einem Brunnen weniger Wasser zu finden, als üblich. Gerade in jenen, die von einer natürlichen Quelle gespiesen werden.

Diese Wetterkapriolen hat auch Louis Frank zu spüren bekommen. Er ist einer der wenigen Brunnenbauer im Kanton Luzern. Einer, der sowohl Beton- als auch Natursteinbrunnen herstellt. Ein aussergewöhnliches Handwerk, das im vergangenen Jahr weniger stark gefragt war – «womöglich wegen des knapper werdenden Wassers», wie der bald 59-Jährige mutmasst.

Das Handwerk selbst beigebracht

Frank, gross gewachsen und mit einem Händedruck, wie es sich für einen gelernten Landwirt und Maurer gehört, stellt seit kurzem mitten in Grossdietwil seine Brunnen aus. Vom ein Meter langen Hofbrunnen über den Vier-Meter-Betonbrunnen bis zum Trog für Tiere ist auf den wenigen Quadratmetern alles zu finden. Und in seiner Werkstatt etwas oberhalb der Kirche arbeitet er derzeit an seinem nächsten, tonnenschweren Werk aus Naturstein. An einem solchen bohrt, fräst und schneidet er rund zwei Wochen, bis die richtige Form erreicht ist.

Das Handwerk hat er sich selbst beigebracht. Seit Ende 1994 ist er als Brunnenbauer tätig, schuftete der Einkünfte wegen aber hauptsächlich als Maurer. Erst im vergangenem Jahr setzte er voll auf seine Ein-Mann-Firma – ausgerechnet dann, als die Trockenheit die Nachfrage schmälerte.

Louis Frank hämmert einen Betonbrunnen aus der Verschalung, welche er ebenso selber hergestellt hat. In dieser Form muss der Beton etwa eine Woche lang trocknen. (Bild: Boris Bürgisser, Grossdietwil 2. August 2019)

Louis Frank hämmert einen Betonbrunnen aus der Verschalung, welche er ebenso selber hergestellt hat. In dieser Form muss der Beton etwa eine Woche lang trocknen. (Bild: Boris Bürgisser, Grossdietwil 2. August 2019)

Jeden Brocken einzeln im Steinbruch ausgesucht

Doch mittlerweile ist sein Auftragsbuch wieder gefüllt. 40 bis 50 Betonbrunnen schafft er pro Jahr, zudem eine Handvoll aus Naturstein. Letztere seien nicht mehr so stark gefragt und auch aufwendiger in der Produktion. Dafür könne er seine Kreativität besser ausleben. Denn Frank sucht die passenden Steine selbst aus, in Steinbrüchen im Tessin, Graubünden, im Berner Oberland oder im Schwarzwald. Dabei dürfe er nie einen konkreten Auftrag im Kopf haben. «Sonst suche ich in der ganzen Schweiz nach dem Stein mit der perfekten Form, die es gar nicht gibt. Viel lieber gehe ich ohne konkrete Idee los und lasse mich vor Ort inspirieren. Die zündende Idee kommt dann jeweils urplötzlich.» Wichtig ist ihm, auf einheimischen Naturstein zu setzen, etwa Kieselkalk, Gneis oder Granit.

Zu stehen kommen seine Brunnen häufig bei Bauernhöfen oder in Gärten. Besonders stolz ist er auf jenen beim Dorfplatz in Grossdietwil. «Für das eigene Dorf einen Brunnen anzufertigen, war schon speziell», sagt Frank mit funkelnden Augen. «Schliesslich wird er wohl noch 100 Jahre dort stehen.»

Frank kommt ohne PC und Smartphone aus

Diese Langlebigkeit fasziniert ihn. «Die Leute freuen sich immer sehr über ihren Brunnen. Schliesslich kauft man sich einen solchen nur einmal im Leben.» Viele Kunden kämen daher zunächst vorbei, um sich beraten zu lassen – teils von weit her. Ein Paar sei sogar schon extra von Zermatt ins Luzerner Hinterland gereist – mit dem ÖV, wohlverstanden.

«Wie die auf mich gekommen sind, ist mir bis heute ein Rätsel», sagt Frank und lacht. Schliesslich werbe er kaum für sein Unternehmen. Ausser im Magazin «Tierwelt». Und mit seiner Webseite, die allerdings ein Bekannter unterhalten muss. Denn einen PC besitzt er ebenso keines wie ein Handy mit Internetzugriff. Auch hier setzt Frank lieber auf persönliche Gespräche und Mundpropaganda – auf Langlebigkeit eben. Er fühle sich freier ohne diese digitalen Geräte.

Lieferservice bis hoch zur Alp

Die Freiheit ist ihm ohnehin sehr wichtig, wie er betont. Früher fand er diese beim Reisen, heute in der Selbstständigkeit. «Sein eigener Chef zu sein, ist ein Privileg», findet der Grossdietwiler, der kinderlos ist, aber in fester Beziehung lebt. Somit habe er mehr Zeit für anderes, etwa für die Wiggertaler Blaskapelle, in der er Cornet spielt, oder für die Heimlieferung seiner Brunnen an den Kunden – selbst wenn dieser auf einer Alp lebt, was in Zukunft öfter der Fall sein könnte. Denn: «Ich möchte vermehrt auf kleine Tröge für die Alpwirtschaft setzen.» Damit würde Frank zumindest eines erreichen: Seine Brunnen werden direkt dort genutzt, wo auch das Wasser quellt.