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Seminarhotel Bramboden steht zum Verkauf: Wer möchte mit seiner Aussicht tauschen?

2012 hat Quereinsteiger Guido Furrer (41) das Seminarhotel «Bergruh» in Bramboden übernommen. Ein Inserat hat nun Gerüchte zu einem möglichen Verkauf angekurbelt – der Hotelbesitzer erklärt sich.
Evelyne Fischer
Studierzimmer mit Ausblick: Hotel-Inhaber Guido Furrer (41) in einem der drei Seminarräume auf dem Bramboden. (Bild: Philipp Schmidli, Romoos, 19. Juni 2018)

Studierzimmer mit Ausblick: Hotel-Inhaber Guido Furrer (41) in einem der drei Seminarräume auf dem Bramboden. (Bild: Philipp Schmidli, Romoos, 19. Juni 2018)

«Seminarhotel in traumhafter Natur, mit professioneller Infrastruktur» – so wirbt ein Makler auf der Internet-Plattform «Immoscout 24» momentan für den Verkauf eines stattlichen Hauses in der Biosphäre Entlebuch. Wer die Bilder betrachtet und die Region kennt, realisiert rasch: Für 1,55 Millionen Franken veräussert werden soll das Seminarhotel in Bramboden, einem Weiler von Romoos. Verfügbarkeit: per sofort.

Das Hotel auf 1053 Metern über Meer ist 1954 erbaut und zu Beginn als Gasthof «Bergruh» geführt worden. Nach mehreren Erweiterungen umfasst es unter anderem 18 Doppel- und sechs Einzelzimmer, ein Restaurant mit rund 80 Sitzplätzen, eine Terrasse mit rund 110 Sitzplätzen sowie eine Wohnung.

15-Stunden-Tage sind nicht selten

Seit 2012 ist das Hotel im Besitz der Seminarhotel Bramboden AG von Guido Furrer (41), einem gebürtigen Alpnacher. Er führt das Haus zusammen mit zehn Teilzeitangestellten, viele davon aus der Region, pendelt zwischen Wochenaufenthalt im Bramboden und seinem Wohnsitz in Nidwalden. Arbeitet er, können es auch mal 15-Stunden-Tage werden.

Zum Gespräch lädt er in einen der drei Seminarräume. Die Panoramafenster geben den Blick frei auf die Pilatuskette, drei Windräder und die Hügellandschaft des Entlebuchs. «Das Seminarhotel hat mir die Chance gegeben, eine völlig neue Branche kennenzulernen», sagt der Informatik-Ingenieur und schenkt feinperliges «Aqua Lucerna» ein. Die Arbeit im Hotel bereite ihm nach wie vor viel Freude. «Aber ich habe mein Engagement hier oben immer als zeitlich befristetes Projekt gesehen.» Das Seminarhotel sei ein Liebhaberobjekt. «Ich will mir für eine gute Nachfolgelösung genug Zeit geben, realistischerweise braucht das zwei, drei Jahre.» Wie es danach für ihn weitergehe, sei noch komplett offen.

«Das Seminarhotel ist für die Region ein gutes Aushängeschild und sorgt für Wertschöpfung. Eine Schliessung wäre ein grosser Verlust.»

Willi Pfulg, Gemeindepräsident Romoos

Die Verkaufspläne haben in der Gegend bereits die Runde gemacht, wie Gemeindepräsident Willi Pfulg (CVP) bestätigt. «Falls es zu einer Veräusserung kommt, wäre es unser Wunsch, dass jemand das Hotel erwirbt und weiterführt», sagt er. «Das Seminarhotel ist für die Region ein gutes Aushängeschild und sorgt für Wertschöpfung. Eine Schliessung wäre ein grosser Verlust.»

1954 im Chalet-Stil erbaut und mehrfach erweitert: das Seminarhotel Bramboden. (Bild: Philipp Schmidli, Romoos, 19. Juni 2018)

1954 im Chalet-Stil erbaut und mehrfach erweitert: das Seminarhotel Bramboden. (Bild: Philipp Schmidli, Romoos, 19. Juni 2018)

«Für so ein Haus braucht es ein stimmiges Konzept»

Laut Furrer gab es bereits Interessenten. «Ich schreibe meinem Nachfolger nichts vor, aber für so ein Haus braucht es ein stimmiges Konzept.» Für ein Reha-Zentrum wäre die Umwandlung wohl zu aufwendig, für ein Konzept als Bergbeiz sei man zu weit von einer klassischen Wanderroute entfernt.

«Zwei Gastrolokale – Pilgerstübli und Hotelrestaurant – wären auf diesem kleinen Raum zu viel gewesen.»

Guido Furrer, Inhaber Seminarhotel Bramboden

Als im Bramboden das Pilgerstübli der Kirchgemeinde öffnete, war dies auch der Grund für die Schliessung des Hotelrestaurants vor drei Jahren. Furrer: «Ursprünglich hatten wir das Haus vermehrt für die Bevölkerung und Tagestouristen geöffnet. Aber zwei Gastrolokale wären auf diesem kleinen Raum zu viel gewesen. Daher haben wir uns auf den Seminarbetrieb und Gesellschaften wie Vereine und Familienanlässe konzentriert.»

Im Hotel wurden schon Bankenfusionen beschlossen

Einen Stock tiefer brüten ETH-Forscher gerade über das Thema Nachhaltigkeit. Für Firmen bietet Furrer auch Teambuilding-Events in der Natur an. Ein Grossteil der Gäste komme aus der Deutschschweiz, viele auch aus dem Raum Zürich-Olten. «Über Mund-zu-Mundwerbung.»

Viel ist ihm über seine Kundschaft nicht zu entlocken. Immerhin: Auf dem Bramboden seien schon Fusionspläne von Banken ins Ziel gebracht worden. Solche Orte, «weit weg vom Operativen», seien weiterhin gefragt, sagt Furrer. Er verkaufe das Seminarhotel nicht aus wirtschaftlichen Gründen. «Man kann vom Hotelbetrieb leben.» Zahlen zum Umsatz und zur Auslastung gibt er nicht bekannt. Was sich verändert habe, sei der Buchungsrhythmus: «In den Anfängen buchten viele Kunden langfristig, nun kommen die Anfragen wenige Wochen im Voraus.»

«Rückblickend hätte ich gerne noch mehr Geld in Veränderungen investiert, die der Gast auch tatsächlich sieht.»

Wenn er einen «Lehrblätz» bezahlt habe, dann diesen: In einem solch kleinen Ort sei die Beteiligung des Einzelnen bei Investitionen in die öffentliche Infrastruktur übermässig hoch. Für eine Kleinkläranlage und weitere Bauten habe er eine Summe im sechsstelligen Bereich ausgegeben, sagt Furrer. «Rückblickend hätte ich gerne noch mehr Geld in Veränderungen investiert, die der Gast auch tatsächlich sieht.»

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