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SEMPACH: Das Mittelalterfest wird weggespart

Die Regierung sieht sich «leider gezwungen», das Mittelalterfest heuer zu streichen. Dem Sempacher Stadtpräsidenten kommt das gelegen.
Lukas Nussbaumer
Szenen wie diese vom Mittelalterfest im Juni 2014 wird es dieses Jahr an der Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach nicht mehr geben. (Bild Manuela Jans-Koch)

Szenen wie diese vom Mittelalterfest im Juni 2014 wird es dieses Jahr an der Gedenkfeier zur Schlacht von Sempach nicht mehr geben. (Bild Manuela Jans-Koch)

Lukas Nussbaumer

2011 wurde es eingeführt – und entwickelte sich laut der Regierung seither zu einem «grossen Erfolg»: das Mittelalterfest im Rahmen der Gedenkfeier für die Schlacht von Sempach im Jahr 1386. Trotzdem wird das hochgelobte Fest in diesem Jahr nicht mehr stattfinden, wie die Staatskanzlei am Mittwoch mitteilte (Ausgabe von gestern). Staatsschreiber Lukas Gresch begründet den Verzicht auf Anfrage so: «Die aktuelle Finanzlage zwingt uns leider, die Feier auf ihren Kern zu reduzieren.» Damit spart die Regierung gegenüber dem letzten Jahr mehr als 90 000 Franken (siehe Tabelle).

Rückkehr zu alter Feier wird geprüft

Die Reduktion auf den Kern – der Gedenkanlass dauert am 3. Juli nur noch den Vormittag über – ist laut Gresch aber nicht in Stein gemeisselt. Der vom Parlament erteilte Auftrag, das historische Schlachtfeld künftig wieder in die Feier einzubeziehen, werde von der Regierung ernst genommen. Sie betrachte das vom Kantonsrat vor knapp einem Jahr mehrheitlich überwiesene Postulat von Heidi Frey (CVP) als Dauerauftrag, sagt Gresch. Die Risiken, die ein Marsch zum Winkelried-Denkmal berge, seien laut der Luzerner Polizei «zum jetzigen Zeitpunkt zu gross». So wäre bei einer Rückkehr der Festgemeinde auf das Schlachtgelände mit erneuten Aufmärschen extremistischer Gruppierungen zu rechnen.

«Risiko ist zu hoch»

Hintergrund dieser Einschätzung sind die Erfahrungen, die im letzten Jahr gemacht wurden: Erst kündeten rechtsextreme Kreise eine Aktion an, dann auch linksextreme. Der Polizei gelang es, die beiden Lager davon abzuhalten. Dennoch marschierten ein paar Rechtsextreme zur Schlachtkapelle, was die Linksaktivisten zur Drohung verleitete, künftig ebenfalls präsent zu sein. Die grosse Präsenz der Polizei im vergangenen Jahr widerspiegelt sich in den Kosten, die 2015 deutlich höher waren als im Jahr zuvor.

Der Sempacher Stadtpräsident Franz Schwegler, der eine Feier nach altem Muster grundsätzlich begrüssen würde, stützt die Beurteilung der Luzerner Polizeiexperten. «Es ist derzeit offen, wie sich die Szene organisieren wird. Das Risiko für die Integration des Schlachtfeldes in die Gedenkfeier ist im Moment zu hoch.» Die Schlachtjahrzeitkommission, der Schwegler angehört, sei sich aber einig, dass dereinst wieder ein festlicher Marsch zum Programm der Gedenkfeier gehören soll. Schwegler hofft, dass dies «in vier bis fünf Jahren» wieder möglich sein wird.

Skepsis bei Einheimischen

Dass die Regierung heuer auf die Durchführung eines Mittelalterfests verzichtet, bezeichnet Schwegler als «sinnvoll». Ein Unterbruch sei gut, denn das Fest habe sich inhaltlich wiederholt. Ausserdem sei es nicht bei allen Sempacherinnen und Sempachern gleich gut angekommen – es werde als Anlass wahrgenommen, der irgendwann stattfinden könnte. Das fand im Sommer 2014 auch die inzwischen abgetretene Kantonsrätin Heidi Frey, weshalb sie in zwei Vorstössen einen Verzicht auf das Mittelalterfest und eine Rückkehr zum früheren Festprogramm anregte. Jetzt will sich Frey auf Anfrage nicht mehr zur Sempacher Gedenkfeier äussern.

Extremisten provozieren Neustart

Bis 2009 war die vom Kanton ausgerichtete Feier mit einem Marsch zum Winkelried-Denkmal begangen worden. Die Feier wurde jedoch zunehmend für politische Kundgebungen missbraucht. Dies führte 2009 zu einem Grossaufgebot der Polizei mit Kosten von rund 300 000 Franken, also zu einer Vervielfachung des Gesamtaufwands. 2010 wurde deshalb auf eine Feier verzichtet, bevor sie 2011 mit anderem Konzept und vermehrtem Einbezug des Publikums neu lanciert wurde.

Bild: Grafik Neue LZ / Quelle Staatskanzlei Luzern

Bild: Grafik Neue LZ / Quelle Staatskanzlei Luzern

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