SEMPACH: Freiberger sind ihre Leidenschaft

Zum 80-jährigen Bestehen bekommt der Verein Freiberger-Pferdezucht des Amts Hochdorf/Sursee seine erste Standarte. Für den Präsidenten kommt sie im richtigen Moment.

Ernesto Piazza
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Vreni Kunz und Hans Kurmann mit der Freiberger-Stute Nubia und ihrem Fohlen Dilaila. (Bild: Nadia Schärli (Ruswil, 3. Mai 2017))

Vreni Kunz und Hans Kurmann mit der Freiberger-Stute Nubia und ihrem Fohlen Dilaila. (Bild: Nadia Schärli (Ruswil, 3. Mai 2017))

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Während die Freiberger-Stute Nubia mit ihrem Fohlen Dilaila draussen friedlich weidet, sitzen Vreni Kunz (45) und Hans Kurmann (64) im Cheerhof in Ruswil am Küchentisch. Das Patenpaar freut sich auf das Wochenende. In Sempach finden nicht nur die Freibergertage statt, der Verein Freiberger-Pferdezucht Amt Hochdorf/Sursee kann zugleich sein 80-jähriges Bestehen feiern. Höhepunkt der zweitägigen Veranstaltung ist die Einweihung der neuen Standarte. «Das ist bestimmt ein Moment, den man nicht mehr so schnell vergisst», sagt Vreni Kunz. Speziell dürfte der Augenblick für die beiden sein, wenn sie in einem mit Freibergern vorgespannten Landauer – umrahmt von den Klängen der Reitermusik Gunzwil – zum Festakt auf den Platz gefahren werden. Noch spezieller mache diese Weihe die Tatsache, dass es die erste Standarte überhaupt in der langen Geschichte des Vereins sei, erklärt ein sichtlich stolzer Präsident Roland Kathriner.

Wobei Vreni Kunz selber den eigentlichen Stein zu diesem Unikat ins Rollen brachte. «Es war im letzten Jahr anlässlich des Jubiläumsumzugs des Reitvereins Ruswil. Da sah ich solche Standarten. Sie gefielen mir sehr», erinnert sich die Gotte. Bis der Gedanke im eigenen Verein aber so richtig Fuss fasste, ebenfalls eine Fahne anzuschaffen, sei noch einige Zeit vergangen, sagt sie schmunzelnd. Dass sie aber für dieses Amt angefragt wurde, betrachtet Vreni Kunz «als Ehre». Da spiele es überhaupt keine Rolle, dass die Familie Kunz die Standarte sponsere, so Kathriner. «Vreni ist im Verein sehr aktiv.» Auch bei Kurmann sei es naheliegend gewesen, ihn anzufragen, betont der Präsident. «Als Vorstandsmitglied konnten wir ihn zwar nie gewinnen, doch Hans lebt förmlich für den Verein.» Zudem kommt er bei der Standartenweihe für den Apéro auf.

«Bewegung gewissen Gegendruck verleihen»

Für Vreni Kunz ist der Freiberger ein «gutes Familienpferd». Ob als Reit-, Fahr- oder Zugpferd: Die Rasse zeichnet sich unter anderem durch grosse Vielseitigkeit und einen ausgeglichenen Charakter aus. Sechs Freiberger sind momentan auf dem Cheerhof zu Hause. Ein Hengst ist aktuell noch auf einer Juraweide. «Diese Pferde passen einfach in unser Land», sagt Kurmann. Sie sind heute noch die einzige Pferderasse mit Ursprung in der Schweiz.

Zwar seien die Deckzahlen hierzulande etwas rückläufig, erklärt Roland Kathriner. Man versuche aber die Züchter wieder vermehrt zu motivieren und damit der Bewegung einen gewissen Gegendruck zu verleihen. Noch immer sieht er in der Schweiz «einen Pferdeboom». Auch wenn sich viele Besitzer scheuten, in die aufwendige Ausbildung zu investieren. Weiter möchte der Präsident den Zuchtverein vermehrt auch für Nutzer öffnen. Dadurch erhoffen sich die in der Luzerner Landschaft fest verankerten Züchter steigende Mitgliederzahlen. Aktuell sind es rund 70. Was die Zukunft betrifft, werde sich der Verein leicht verändern, sagt Kathriner. Konkreter will er im Moment noch nicht werden. Er sagt aber: «Die Standarte ist der ideale Startschuss dazu.»

Vreni Kunz ist mit den Freibergern aufgewachsen. «Sie waren schon dabei, als ich die Milch noch in die Käserei Buholz brachte.» Für Hans Kurmann ist klar: «Eine Stute mit Fohlen gibt viel Arbeit.» Das hindert ihn aber keineswegs daran, jeweils erst zu frühstücken, «wenn die Pferde versorgt sind». Für das Patenpaar sind die Freiberger ein grosses Hobby. Entsprechend viel Herzblut investieren sie.

Und was erwarten die beiden vom Wochenende? «Es wird sicherlich speziell. Vor allem der Moment, wo wir die Standarte an den Fähnrich übergeben», sagt Vreni Kunz. «Wir sind Traditionalisten», betont Kathriner. Und in diesem Rahmen soll der zweitägige Anlass auf dem Gelände der Sempacher Seevogtei auch über die Bühne gehen.

Hinweis

Das Programm: Samstag: ab 12.15 Uhr diverse Springprüfungen. Sonntag: ab 8.45 Uhr weitere Pferdewettkämpfe wie Holzrücken, Gymkhana (Geschicklichkeitsparcours) und Zugprüfungen. Von 12 bis 13 Uhr findet der Festakt mit der Standartenweihe, umrahmt von der Reitermusik Gunzwil, statt.