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SEMPACH: Gedenkfeier soll kein «Wohlfühlevent» sein

Ohne Marsch zum Schlachtfeld, ohne Mittelalterfest, aber mit tiefem Inhalt: So zeigt sich die abgespeckte Variante der Gedenkfeier. Sie fand dieses Jahr zum 630. Mal statt.
Einzug durchs Städtli zur Kirche St. Stefan. (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)

Einzug durchs Städtli zur Kirche St. Stefan. (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)

«Sie kommen, Papa, sie kommen», ruft ein kleines Mädchen. «Ich habe sie schon gesehen, die vielen Fahnen», frohlockt ihre Schwester, nicht minder aufgeregt. Und dann marschieren sie ein in das Sempacher Städtli, die mittelalterlich Gekleideten mit Armbrust, Speer und Hellebarde – gefolgt von Delegationen der lokalen Vereine und Zünfte. Die Harmoniemusik Sempach gibt den Ton an, die vollzählig anwesenden Luzerner Regierungsräte klatschen auf der Höhe des Rathauses beschwingt im Takt, ehe sie sich selber in den Umzug einreihen. Farbenfroh ist er, vergnügsam gar, der Marsch anlässlich der jährlichen Gedenkfeier zur Schlacht bei Sempach. Wenig später, während des Gottesdienstes in der sehr gut gefüllten Stadtkirche, hält Pfarreileiter Bernhard Stadler allerdings inne und sagt: «Es ist nicht nur ein Wohlfühlevent vor den Sommerferien, was wir heute tun. Es geht darum, sich zurückzubesinnen und den Toten zu gedenken.»

Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
Gedenkfeier Sempach (Bild: NeueLZ/ Manuela Jans- Koch)
8 Bilder

Gedenkfeier Schlacht Sempach

Schwerzmann preist die Einigkeit

Schwerzmann preist die Einigkeit Am 9. Juli 1386 war es, als die Eidgenossen das Heer des Habsburgers Leopold III. bei Sempach vernichteten und damit zur Geburtsstunde des Kantons Luzern schlugen. «In kurzem bringt Euch blutigrot ein Eidgenoss das Morgenbrot!» heisst es mitunter im Sempacherlied, das traditionell zur Schlachtjahrzeit von den Gästen angestimmt wird. Der frisch gebackene Regierunspräsident Marcel Schwerzmann pries in seiner Begrüssungsrede «die Einigkeit, ohne die man keinen Kampf gewinnen kann». Heute müsse man die Freiheit zwar nicht mehr erkämpfen, doch es gelte sie zu bewahren. «Wer vorwiegend streitet, fällt zurück. Erhalten und erneuern – die Schlacht bei Sempach lehrt uns beides», hielt Schwerzmann fest Aus Kostengründen wurde in diesem Jahr sowohl auf den Marsch zum Schlachtfeld, als auch auf das Mittelalterfest verzichtet. Fern von Jubel und Trubel näherte sich die Gedenkfeier wieder ihrem eigentlichen Kern an. Berührend war vor allem die Festrede von Elsbeth Müller. Die Geschäftsleiterin von Unicef Schweiz gewährte Einblicke in ihre Arbeit beim Kinderhilfswerk. Sie sprach über den Völkermord in Ruanda, als Kinder Zeugen davon wurden, wie ihre Väter getötet und die Mütter vergewaltigt wurden. Wie die 10-jährige Maria die Elternrolle übernahm und die kleine Schwester in ihren Armen sterben sah, weil sie zu spät bemerkte, dass sie krank war.

Kinder in einer Welt des Schreckens

Müller erzählt auch von Annisa aus der syrischen Stadt Homs. «Ihr linkes Bein musste amputiert werden, nachdem sie auf eine Mine getreten war. Ich traf sie, als sie sich mit Krücken auf den gefährlichen, zweistündigen Weg zu ihrem Schulexamen machte. Die Sehnsucht nach dem Frieden trieb sie an.» Rund die Hälfte der über 60 Millionen Flüchtlinge weltweit sind Kinder und Jugendliche, viele von ihnen traumatisiert durch Terror und Krieg. «Sie haben Raum und Zeit verloren, ihre Welt ist zerrütet.» Mit ihren Geschichten würden sie nie zu Helden werden, im Gegensatz zu den siegreichen Eidgenossen von Sempach. «Die Erinnerung an 1386 ist wichtig, weil diese Schlacht unser Land mitprägt. Sie gibt den Menschen Identität und Identifikation. Aber wir dürfen sie nicht verabsolutieren.» Es gehe auch darum, hinauszufahren, die Welt kennenzulernen. Und nicht die Augen zu schliessen, wenn sich das Elend nicht in unmittelbarer Nähe ereigne. «Wer sind heute wirklich die Helden? Darauf eine Antwort zu finden, liegt an euch.»

Mittelalterfest alle drei Jahre?

Franz Schwegler, dem Stadtpräsidenten von Sempach, fehlten im Anschluss an Müllers Rede kurz die Worte. Ihm gefiel die auf einen halben Tag verkürzte Gedenkfeier, er freute sich über die inhaltliche Tiefe der Gastredner, «das war ein sehr würdiger Anlass». Wie sich die mittelfristige Zukunft der Feier gestalte, sei momentan aber noch nicht absehbar. «Seit fünf Jahren befinden wir uns im Wandel und wir arbeiten weiter daran», sagt Schwegler. Die Rückkehr zum Marsch auf das historische Schlachtfeld wünscht er sich noch während seiner aktuellen Amtszeit (bis 2020), «schliesslich begibt man sich an einer Gedenkfeier normalerweise auch ans Grab». Hohe Polizeikosten wegen befürchteter Kundgebungen von Rechts- und Linksaktivisten verhindern diesen Marsch derzeit. Ob das Mittelalterfest, das in der Bevölkerung umstritten ist, ein Revival an der Gedenkfeier erlebt, lässt Schwegler offen. «Denkbar wäre eine alternierende Durchführung des Mittelalterfests, beispielsweise alle drei Jahre.»

Stephan Stanschi

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